Deutsche Börse baut Marktplatz für Cloud-Ressourcen

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Cloud Computing (Bild: Peter Marwan).

Die Deutsche Börse hat einen anbieterneutralen Marktplatz für Cloud-Computing-Ressourcen vorgestellt. Sie greift dazu auf Technologien des deutschen Softwarespezialisten Zimory zurück. Beide zusammen haben für den Betrieb das Joint Venture Deutsche Börse Cloud Exchange AG gegründet. Gehandelt werden soll auf der Plattform ab Februar 2014.

Die Deutsche Börse und das Berliner Unternehmen Zimory haben das Joint Venture Deutsche Börse Cloud Exchange AG gegründet. Das Gemeinschaftsunternehmen wird eine Plattform zum Kauf und Verkauf von Cloud-Infrastruktur-Kapazitäten aufbauen und betreiben. Sie soll im Februar 2014 den Handel als Spotmarkt aufnehmen.

Ziel der Handelsplattform ist es, den Kauf und Verkauf von Cloud-Infrastruktur-Kapazitäten einfach, schnell und sicher zu machen. Vorbild ist dabei der Handel mit Wertpapieren und Energie. Das heißt: Kauf und Verkauf sollen elektronisch und binnen Sekunden abgewickelt werden. Die Partner hoffen, so einen Cloud-Computing-Marktplatz mit transparenten und vergleichbaren Angeboten zu schaffen.

Konzept der Deutsche Börse Cloud Exchange
Das heute vorgestellte Konzept der Deutsche Börse Cloud Exchange AG (Bild: Deutsche Börse Cloud Exchange).

Technologische Grundlage ist die Software von Zimory. Das Unternehmen ist aus einem Forschungsprojekt der T-Labs, einer Einrichtung der Deutschen Telekom, hervorgegangen. 2007 arbeitete es zunächst an einer Online-Plattform für den internationalen Handel mit IT-Infrastruktur-Ressourcen, mit der es 2009 an den Markt ging.

Das Modell hatte sich 2011 durch die Entwicklung beim Cloud-Computing jedoch überholt. Zimory verlagerte daher seinen Schwerpunkt und rückte ein ursprünglich als Nebenaspekt behandeltes Thema in den Mittelpunkt der Geschäftstätigkeit, indem es Software für potenzielle IaaS-Anbieter entwickelte. Ihnen hilft es, sauber zwischen Ressourcen, Anbietern und Nutzern zu trennen. Die meisten Kunden sind Provider, die Cloud-Services anbieten.

Dem Joint Venture mit der Deutschen Börse dient Zimorys Cloud-Management-Software als technologische Grundlage. Sie stellt die physische Verbindung zwischen Käufern und Verkäufern her. Die laut Zimory herstellerunabhängige und skalierbare Software zeichnet sich durch offene Schnittstellen und getrennte Architektur sowie die Mehrmandantenfähigkeit aus. Im Rahmen der Plattform Deutsche Börse Cloud Exchange hilft insbesondere, dass sie auch andere Cloud-Management-Stacks und Standards integrieren kann.

“Die Deutsche Börse Cloud Exchange wird den Umgang mit IT-Ressourcen nachhaltig verändern”, erklärt Zimory-Geschäftsführer Rüdiger Baumann in einer Pressemitteilung. “Die Zeiten, in denen monatelang über Cloud-Service-Verträge verhandelt wurde, werden für die meisten Geschäfte vorbei sein.”

Laut Baumann werde die Standardisierung der Cloud-Produkte den Cloud-Computing-Markt genauso verändern wie die Einführung des GSM-Standards den Mobiltelefoniemarkt revolutioniert hat. Cloud Services werden schneller und vielfältiger bereitgestellt werden können. “Neue Cloud-Computing-Industrien, Anwendungsgebiete und Brokerage Services werden entstehen. Wichtige Voraussetzungen hierfür sind Standards und ein neutraler, sicherer Marktplatz, den wir mit der Deutschen Börse zusammen schaffen.”

Stefan Ried, Analyst beim Marktforschungsunternehmens Forrester, bezeichnet die Pläne für einen Marktplatz für Cloud-Ressourcen als “mutigen und kühnen Schritt.” Allerdings sieht er auf Pioniere auch einige Schwierigkeiten zukommen.

Seiner Ansicht nach profitieren Firmen mit langfristigen Verträgen kaum von einem Echtzeitmarktplatz. Die Nachfrage nach Cloud-Ressource komme voraussichtlich fast ausschließlich von Cloud-Providern, nicht jedoch von Firmen. Auch der Vorstellung, dass Firmen überschüssige Kapazitäten ihrer Rechenzentren über den Marktplatz zu Geld machen könne, hält er für eine Illusion. Zudem schränkt Ried ein, dass das Modell – so es denn funktioniert – nur für bestimmte Workloads anwendbar ist und sich damit nicht grundsätzlich wird durchsetzen können.

Einen ersten Kunden hat Deutsche Börse Cloud Exchange immerhin bereits: T-Systems will über den Marktplatz zum Beispiel SaaS-Anbieter mit standardisierten IaaS-Produkten beliefern. Am Montag, den 9. Juli 2013, von 17.00 bis 17.45 Uhr, wollen die Betreiber die technischen Hintergründe ihrer Plattform in einem Webinar näher erläutern. Um Reservierung wird gebeten.

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