Start-up-Verband sieht Telekom-Pläne als Gefahr für den Standort Deutschland

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Breitband (Bild: Shutterstock / Ensuper)

Einer Befragung zufolge ist das Internet auch für 80 Prozent der Start-ups, die nicht aus der IKT-Branche kommen, von großer Bedeutung. Der Bundesverband Deutsche Startups (BVDS) sieht in den Plänen der Deutschen Telekom, ab einem bestimmten Datenvolumen DSL-Anschlüsse zu drosseln, eine große Gefahr für Start-ups – und damit auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Der Bundesverband Deutsche Startups (BVDS) hat sich mit deutlichen Worten gegen die Pläne der Deutschen Telekom gewandt, DSL-Anschlüsse in Abhängigkeit von der gebuchten Bandbreite nach Überschreiten bestimmter Datenvolumina zu drosseln. “Während für große und etablierte Firmen gegen Gebühr die linke Fahrspur reserviert wird, schieben sich Start-ups in Zukunft über die Landstraße“ kritisiert BVDS-Vorstandssprecher Florian Nöll.

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DSL-Anschlüsse bieten europaweit im Schnitt tatsächlich nur 60,3 Prozent der beworbenen Geschwindigkeit. Das ergab eine von der Europäischen Kommission veröffentlichte Studie. In Deutschland kommt bei DSL-Kunden durchschnittlich immerhin 75 Prozent der zugesicherten DSL-Geschwindigkeit an. (Grafik: Statista).

“Es ist naiv zu glauben, dass das ohne Wirkung bleibt. Manche Start-ups werden nur ausgebremst, andere werden im internationalen Wettbewerb nicht bestehen können oder – zumindest in Deutschland – gar nicht erst gegründet”, so Nöll weiter. Um seine Kritik zu untermauern verweist er auf den “Deutschen Startup Monitor”, eine Befragung des BVDS, deren Ergebnisse diese Woche der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Demnach ist das Internet sogar für 80 Prozent der Start-ups, die nicht aus der IT- und Telekommunikationsbranche kommen, von großer Bedeutung für das Geschäftsmodell. Jede Einschränkung habe also direkten Einfluss auf Entstehung und Wachstum junger Unternehmen und damit auch auf die Innovationsfähigkeit Deutschlands.

Der Start-up-Verband weist darauf hin, dass Gründer in Deutschland schon heute schlechtere Telekommunikationsangebote vorfänden, als ihre Kollegen zum Beispiel im Silicon Valley oder Tel Aviv. So beklagten viele Start-ups zu geringe Bandbreiten und schleichenden Netzausbau. “In Palo Alto und Tel Aviv halten Linienbusse kostenloses WiFi bereit, hierzulande freuen wir uns, wenn bei der Bahnfahrt zwischen Berlin und Hamburg das Telefongespräch nicht abbricht”, so Nöll verärgert.

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Über die Hälfte der Umfrageteilnehmer bei ITespresso geht durch die Pläne der Telekom zur DSL-Drosselung von Beeinträchtigungen aus (Grafik: ITespresso, zum Vergrößern klicken).

Auch in einer von ITespresso im Mai durchgeführten Umfrage gaben 52 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass sie von den Drosselungsplänen betroffen wären. 14 Prozent waren sich nicht sicher, etwa weil sie keine exakte Vorstellung davon haben, wie viel Traffic an ihrem DSL-Anschluss überhaupt entsteht, und antwotteten mit “Ich glaube nicht, dass mich das betrifft.”

Etwa ebenso viele (16 Prozent) sind sich dagegen sicher, dass sie von der Drosselung in dem Maße, wie sie geplant ist, nicht betroffen sind. Und 18 Prozent kommen aller Voraussicht nach gar nicht in die Verlegenheit, solche Datenmengen zu transportieren, da ihr Internetanschluss das nach ihrem Ermessen gar nicht zulassen würde.

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