Hat Android auf dem Desktop eine Chance?

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Asus und Acer haben es schon gemacht, Hewlett-Packard wird es machen und Samsung ist gerade dabei: Auf einmal sind Computer-Hersteller davon besessen, ein Smartphone-Betriebssystem auf PCs zu bringen. Aber vielleicht ist das gar keine so schlechte Idee. ITespressso gibt einen Überblick über den Markt.

Microsoft hat eine Menge Zeit und Energie darauf verwendet, Windows auf Smartphones und Tablets zu portieren – auch wenn bisher dabei recht wenig herausgekommen ist. Jetzt versuchen einige Hersteller das Gegenteil: Sie bringen mit Android ein Mobilbetriebssystem auf PCs.

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Das jüngste Beispiel ist HPs Slate 21. Er sieht wie ein standardmäßiger All-in-One-PC mit einem 21,5 Zoll großen Full-HD-IPS-Touchscreen aus, kommt aber mit den Spezifikationen eines Tablets. An Bord: Nvidias Quadcore-Prozessor Tegra 4 und Android 4.2.

HP sagt, es habe einige Funktionen hinzugefügt, um Android besser auf dem Desktop nutzbar zu machen. Dazu gehören die Unterstützung von bis zu fünf Google-Profilen, Treiber für per USB anschließbare Peripheriegeräte und ein Software-Bundle, das Produktivanwendungen (Kingsoft Office) sowie Splashtop enthält – letzteres, um Windows-Apps zum Laufen zu bringen.

Der Slate 21 hat nur 8 GByte internen Speicher, dieser ist aber per Micro-SD-Karte erweiterbar – wie amn das von Smartphones kennt. Laut Hersteller lassen sich auch USB-Flashlaufwerke und externe Festplatten nutzen. Auf den US-Markt kommt der All-in-One-PC im September für 400 Dollar.

Acer hat bereits ein ähnliches Produkt im Sortiment – ebenfalls mit einem 21,5 Zoll großen Touchscreen und einer Auflösung von 1920 mal 1080 Bildpunkten. Vermarktet wird der DA220HQL aber eher als Monitor, der zufällig unter Android 4.0 läuft.

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Acers “Smart Display” ist gleichzeitig Android-Monster-Tablet und Windows-8-Bildschirm (Bild: Acer).

Angetrieben wird das Gerät von einem Zweikernprozessor des Typs OMAP 4430 von Texas Instruments. Es kommt mit 1 GByte RAM, 8 GByte internem Speicher, WLAN und Bluetooth. An Anschlüssen stehen ein Micro-HDMI-Ausgang sowie ein Micro-USB-Port zur Verfügung. Mitgeliefert werden zudem eine kabellose Tastatur und Maus. Acers Listenpreis liegt bei 400 Dollar, hierzulande kostet das Gerät zwischen 335 und 400 Euro.

Vor knapp zwei Wochen hat Samsung den Ativ Q angekündigt, einen Convertible-PC mit einigen unüblichen Features. Zum einen kommt der Ativ Q mit einem 13,3 Zoll großen Bildschirm samt QHD-Auflösung (3200 mal 1800 Bildpunkte). Zum anderen läuft darauf sowohl Windows 8 als auch Android 4.2 Jelly Bean.

Außerdem verfügt das Gerät über ein flexibles Scharnier, sodass es sich als Tablet oder ultraportabler Laptop nutzen lässt – oder aber stehend als digitaler Bilderrahmen oder tragbarer DVD-Player. Samsung bewirbt zusätzlich einen “Float”-Modus, bei dem das Display über Basis und Tastatur schwebt – ähnlich wie beim Acer Aspire R7. Fraglich nur, wie praktisch das ist.

Eine ganz witzige Funktion dient dazu, Android-Apps auf den Windows-8-Startbildschirm zu pinnen, um sie rasch starten zu können. Angetrieben wird der Ativ Q von einem Core-i5-Prozessor der vierten Generation (Haswell) von Intel. Er kommt zudem mit 4 GByte Arbeitsspeicher und einer 128 GByte großen SSD. Über Preis und Verfügbarkeit schweigt sich Samsung noch aus.

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Der 13-Zoll-Bildschirm des Ativ Q löst 3200 mal 1800 Pixel auf (Bild: News.com).

Bereits auf der Computex hat Asus das Transformer Book Trio angekündigt, das – wie der Name schon sagt – als Tablet, Laptop und Desktop einsetzbar sein soll. Der Rechner kommt mit 11,6 Zoll Bildschirmdiagonale (1920 mal 1080 Bildpunkte), einem 2 GHz schnellen Atom Z2580 (Clover Trail+), 2 GByte Arbeitsspeicher und 64 GByte internem Speicher. Als Betriebssystem dient Android 4.2 Jelly Bean.

Schließt man das Trio an das dazugehörige PC-Dock an, fungiert es als Laptop, der wahlweise unter Windows 8 oder Android läuft. Im Dock ist ebenfalls ein Haswell-Chip verbaut, allerdings ein Core i7. Dazu kommen 750 GByte interner Speicher. Schließt man es an einen externen Monitor an, lässt es sich als Desktop-PC nutzen. Auf den Markt kommt das Transformer Book Trio im dritten Quartal. Einen Preis hat der Hersteller noch nicht genannt.

Der Transformer AiO von Asus ist  All-in-One-PC mit windows 8 und Android-Tablet in einem (Bild: Asus).
Der Transformer AiO von Asus ist All-in-One-PC mit Windows 8 und Android-Tablet in einem (Bild: Asus).

Einen Transformer-All-in-One verkauft Asus dagegen bereits. Der Hybridrechner besitzt ein 18,4 Zoll großes Full-HD-Tablet mit Android 4.1 Jelly Bean mit einer PC-Docking-Station kombiniert, die unter Windows 8 läuft. Das Tablet ist mit einem Quadcore-Prozessor des Typs Tegra 3 ausgestattet. Dazu kommen 2 GByte Arbeitsspeicher und 32 GByte interner Speicher. Das PC-Dock verfügt indes über einen Core i5-3350P (Ivy Bridge), 4 GByte RAM und 1 Terabyte Speicher (erweiterbar bis auf 2 Terabyte).

Auch in diesem Fall lässt sich ein externer Monitor an die Basisstation anschließen. Ist das Tablet angeschlossen, können Nutzer zwischen Android und Windows 8 wechseln, indem sie eine blaue Taste auf der rechten Seite des Tablets drücken. Trennt man das Tablet von der Basis, kann letztere Windows 8 drahtlos auf das Tablet streamen und Anwendungen via Splashtop verfügbar machen. Die Preise für den Transformer AiO starten bei 1200 Euro.

Wozu Android auf dem Desktop?

Das Konzept eines All-in-One-PCs oder Hybrids mit Android klingt zunächst ein wenig seltsam – insbesondere, wenn man sich daran erinnert, dass es eine Variante von Googles Chrome OS gibt, die eigens für Desktops entwickelt wurde. In manchen Situationen ergibt die Idee dennoch Sinn.

Es gab eine Zeit, in der die Kompatibilität zu Windows x86 alles war, was zählte. Die Revolution im Mobilbereich hat dieses Konzept auf den Kopf gestellt – zumindest für Privatanwender. Nutzer möchten jetzt dieselben iOS- oder Android-Apps auf allen ihren Geräten nutzen können. Und die Cloud macht es möglich, von jedem Ort und jedem Endgerät aus auf Dateien zuzugreifen. Microsoft will mit Windows 8 und Windows Phone 8 mit diesen Ökosystemen gleichziehen, aber bisher geht der Plan nicht auf.

Ein All-in-One-PC oder Desktop, der rein auf Android basiert, ist vermutlich nicht die beste Lösung. Wer nur ein zweites Gerät haben möchte, um Googles Dienste zu nutzen, ist mit einem Chromebook für 299 Euro besser beraten. Bei einem hybriden Windows-8-System wiederum, das sich auch als großes Android-Tablet nutzen lässt, liegt der Fall anders. Und auf einmal klingt die Idee gar nicht mehr so schlecht …

[mit Material von John Morris, ZDNet.com]

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