Gigabyte U2142: Ultrabook mit Tablet-Modus

Schon vor über zehn Jahren gab es Convertibles, dank Windows 8 erfahren sie gerade eine Renaissance. In die Liste neuer Hybrid-Gerät reiht sich das Gigabyte U2142 mit satter Performance und sehr guter Ausstattung ein. An zwei wichtigen Bauteilen hat der Hersteller leider gespart.

von Christian Lanzerath 0


Gebürstetes Aluminium auf dem Bildschirmdeckel sowie Plastik in Schwarz und Grau – optisch macht das Gigabyte U2142 einiges her. Auch die Verarbeitung stimmt, das Gehäuse fühlt sich hochwertig und stabil an. Das gilt ebenfalls für das Scharnier, das das Display mit dem Unterbau verbindet.

Wer das Ultrabook im Tablet-Modus nutzen möchte, dreht den Monitor um 180 Grad und legt ihn dann mit der Rückseite flach auf die Tastatur. Diese Stelle ist bei Convertibles dieser Bauform die schwächste und kann nach Monaten und Jahren der häufigen Belastung gerne einmal brechen.

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Wer das Gigybate U2142 im Tablet-Modus nutzen möchte, dreht den Monitor um 180 Grad und legt ihn dann mit der Rückseite flach auf die Tastatur (Bild: Gigabyte).

Beim Testkandidaten scheint der Hersteller viel Wert darauf gelegt zu haben, dass dies nicht passiert. Bombenfest ist die Konstruktion dennoch nicht. Anwender, die den Touchscreen im Notebook-Modus nutzen, müssen damit rechnen, dass das Display nach jeder Berührung etwas nachwippt.

Trotzdem: Die Bauweise ist solide. Das Gewicht des 11,6-Zöllers ist dennoch vergleichsweise gering. Mit 1,3 Kilogramm ist es zwar zu schwer für den Dauereinsatz als Tablet. Ein iPad 4 wiegt beispielsweise die Hälfte. In der Rubrik der tragbaren Computer gehört es aber zu den leichteren Vertretern.

Die Maße fallen mit 29,8 mal 22,6 mal 2 Zentimeter für ein Notebook mit dieser Bildschirmdiagonale etwas größer aus – abgesehen von der Höhe vielleicht. Das liegt vor allem am breiten Rand, der das Display umgibt. Da Windows 8 viele Wischgesten kennt, bei denen der Finger vom Rand hereingeführt wird, sind viele Tablets und Convertibles mit Microsofts neuem Betriebssystem mit einer etwas breiteren Fassung ausgestattet.

Schnittstellen satt

Was das U2142 tatsächlich von Mitbewerbern abhebt, ist die große Auswahl an Anschlüssen. Es gibt je zwei USB-2.0- und USB-3.0-Anschlüsse, einen SD-Kartenleser, je einen HDMI- und VGA-Ausgang, einen RJ45-Netzwerkanschluss, Anschlüsse für Mikrofon und Kopfhörer sowie einen SIM-Karteneinschub. Dank letzterem gehen Nutzer per Mobilfunknetz (HSDPA) online.

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Eine Stärke des Gigabyte U2142 sind die vielen Schnittstellen (Bild: Gigabyte).

Apropos drahtlos: Der Testkandidat unterstützt WLAN (802.11b/g/n) und den neuen Bluetooth-Standard 4.0. Gigabyte packt schnittstellentechnisch also alles rein, was geht. Für ein Notebook dieser Größe und besonders für ein Convertible ist das recht ungewöhnlich. Andere Hersteller sparen hier gerne an allen Ecken und Enden, bauen Mini-HDMI- statt vollwertigen HDMI-Ports ein, spendieren nur zwei USB-Anschlüsse oder sparen sich eine LAN-Buchse komplett. Dass es auch anders und zwar besser geht, zeigt das U2142.

Klapperkiste

Was andere Modelle hingegen besser machen: Sie klappern beim Tippen nicht derart nervenaufreibend. Die Chiclet-Tastatur mit ausreichend großen Tasten und großzügigen Abständen dazwischen macht auf den ersten Blick einen hochwertigen Eindruck. Allerdings sind die einzelnen Tasten etwas schwammig eingefasst, weswegen sie leichten Spielraum haben.

Beim schnellen Tippen ist das nicht einmal störend, denn die Tasten bieten einen guten Druckpunkt. Was hingegen stört, ist das billige Klappern, das schon auffallend lauter ist als bei anderen Keyboards – egal, ob Desktop- oder Notebook-Tastatur. In einer ruhigen Arbeitsumgebung könnte man damit ungewollte die Aufmerksamkeit anderer Menschen auf sich ziehen. Von einem ein Gerät in dieser Preisklasse erwartet man etwas anderes.

Am Trackpad gibt es hingegen nichts auszusetzen. Es ist mit 9,8 mal 5,2 Zentimetern recht groß und bietet Multitouch-Unterstützung. Benutzer wischen und zoomen auf dem U2142 also nicht nur per Touchscreen. Die leicht angeraute Oberfläche hilft, den Mauszeiger gezielt über den Desktop zu ziehen. Die beiden Tasten darunter fallen ebenso großzügig aus und bieten einen knackigen Druckpunkt.

Schwachpunkt Display

Noch mehr Kritik als das Keyboard muss das Display einstecken – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen ist bei einer Auflösung von 1366 mal 768 Pixeln Schluss. Das ist doch etwas mager, vergleicht man mit Modellen anderer Hersteller, die teilweise Full HD bieten. Mit etwa 130 Pixeln pro Zoll (DPI) gehört das U2142 in dieser Kategorie im besten Fall ins Mittelfeld.

Viel ärgerlicher ist aber, dass Gigabyte ein TN- statt eines höherwertigen IPS-Panels verbaut. Diese kennt man vor allem von sehr günstigen Tablets. Der große Nachteil: Sie sind nicht sehr blickwinkelstabil. Vor allem der vertikale Blickwinkel ist sehr klein und beträgt höchstens 90 Grad.

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Zwei Schachstellen des Gigabyte U2142 auf einen Blick: Display und Tastatur (Bild: Gigabyte)

Die Folge: Die Farben kippen sehr schnell ins Negative, das Bild wird dunkel und der Kontrast nimmt rapide ab, wenn der Nutzer nicht frontal, sondern leicht schräg auf das Display schaut. Besonders beim Einsatz als Tablet-PC, den man auch mal auf dem Schoss balanciert, kommt es schnell zur Trübung des Bildschirminhalts.

Doch auch wer im Winkel von null Grad auf den Monitor blickt wird feststellen, dass der Kontrast nicht so hoch, die Farben nicht so satt und das Bild insgesamt nicht so hell ist, wie man es von anderen Notebooks oder Tablets kennt. Dass Gigabyte standardmäßig eine Schutzfolie auf das Display klebt, verstärkt diesen Eindruck. Anwender können diese abziehen. Allerdings spiegelt dann das Display, reagiert aber auch spürbar besser auf Touch-Eingaben.

Sensorverwirrung

Den Beschleunigungssensor hat Gigabyte offensichtlich nicht im Bildschirm, sondern unter der Tastatur verbaut. Im Tablet-Modus ist das kein Problem; die Ausrichtung des Displays passt sich beim Wechsel zwischen Hoch- und Querformat recht schnell an.

Im Notebook-Modus kann es dagegen schon mal zu Verwirrung kommen, wenn das Gerät nicht nur starr auf dem Schreibtisch steht. Der Beschleunigungssensor nutzt immer das Unterteil des U2142 als Bezugspunkt. In welchem Winkel der Deckel absteht, weiß er nicht. Das ist kein Grund für scharfe Kritik, aber unelegant gelöst ist es schon. Immerhin lässt sich die Autorotation über einen kleinen Schalter an der Seite abschalten.

Office- und Multimedia-Maschine

Dank ordentlicher Ausstattung kann sich die Performance des U2142 sehen lassen. Gigabyte bietet das Gerät in unterschiedlichen Varianten an. Der Käufer kann aus mehreren Intel Core i3-, Core i5- und Pentium-Prozessoren, zwischen vier und acht GByte DDR3-RAM und einer Kombination aus SSD und HDD wählen.

Das Testgerät besitzt einen Intel Core i5-3337U mit maximal 2,7 GHz, vier GByte Arbeitsspeicher und eine 128 GByte große mSSD. Mal abgesehen davon, dass letztere schnell unter Platzmangel leiden könnte, genügt die Hardware auch höheren Ansprüchen.

Office-Tätigkeiten wie Textverarbeitung und Webbrowsing unterfordern das U2142 eher. Multimedia-Aufgaben wie Foto- und Videobearbeitung, Gruppenvideochats oder das Transcodieren von Musik und Filmen machen dem Convertible keinerlei Probleme. Für aktuelle Spiele in höchster Detailstufe reicht es allerdings nicht. Der integrierte Grafikchip Intel HD 4000 ist solchen Herausforderungen nicht gewachsen. Als Gaming-Notebook taugt das U2142 nicht besonders, sehr wohl jedoch als emsige Arbeitsbiene ohne Ruckler und Verzögerungen.

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Das Gigybate U2142 im Tablet-Modus (Bild: Gigybate).

Ebenfalls flott läuft der Boot-Vorgang ab: Für einen Kaltstart benötigt das Gerät gerade einmal zwölf Sekunden. Beim Schnellstart, einer Mischung aus Kaltstart und Ruhemodus, erscheint die Login-Maske von Windows 8 sogar schon nach sieben Sekunden. Dabei ist auch die schnelle mSSD hilfreich. Unser Benchmark ergab eine gute Geschwindigkeit und Zugriffszeit von 479 MByte pro Sekunde und 0,14 Millisekunden beim Lesen. Beim Schreiben lässt sich die Festplatte deutlich mehr Zeit: Eine Transferrate von 193 MByte pro Sekunde und eine Zugriffszeit von 0,37 Millisekunden sind aber noch in Ordnung.

Mäßige Akkulaufzeit

Bei Messung der Akkulaufzeit bekleckert sich Gigabyte wiederum nicht gerade mit Ruhm. Erst einmal ist der Akku fest im Gehäuse integriert, also nicht austauschbar. Das macht es schwer, den Energiespeicher – oft Verschleißteil Nummer 1 – bei Bedarf zu wechseln. Außerdem hat er lediglich eine Kapazität von 40 Wattstunden. Das ist nicht besonders üppig für ein Gerät, das vornehmlich mobil eingesetzt werden soll.

Im Office-Test, der Textverarbeitung und Surfen im Internet simuliert, machte der Akku nach 3 Stunden und 24 Minuten schlapp. Der noch anspruchsvollere Multimedia-Benchmark mit Video- und Fotobearbeitung leert die Batterie innerhalb von 2 Stunden und 48 Minuten. Nicht mal ein halber Arbeitstag vergeht, schon muss das U2142 wieder an die Steckdose.

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