3D-Druck: Stratasys übernimmt MakerBot

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Damit fusionieren zwei große US-Anbieter mit unterschiedlichem Hintergrund: Stratasys kommt aus dem Industrieumfeld und ist beim Rapid Prototyping gut aufgestellt. MakerBot hingegen ist als Anbieter günstiger Desktop-3D-Drucker bekannt und hat mit dem “Thingiverse” ein Ökosystem rund um seine Produkte aufgebaut.

Stratasys übernimmt für rund 403 Millionen Dollar die Firma MakerBot. Damit werden zwei der bekanntesten US-amerikanischen 3D-Druck-Anbieter in einem Unternehmen vereint. Allerdings besitzen sie einen ganz unterschiedlichen Hintergrund: Stratasys ist gut in der Industrie verankert und dort beim Rapid Prototyping erfolgreich, MakerBot spricht eher ambitionierte Verbraucher, Tüftler, Technologieenthusiasten und kleine Gewerbetreibende an. Ihnen steht mit dem Thingiverse.com zudem eine umfangreiche Sammlung an 3D-Druckvorlagen zur Verfügung.

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Für Stratasys ist die Übernahme auch ein Weg, um sich gegen 3D Systems, dem schärfsten Konkurrenten in den USA, zu behaupten. Dessen Cubify genannte 3D-Drucker werden ebenso wie die Replicator von MakerBot zu Preisen zwischen 2000 und 3000 Dollar verkauft. In dem Bereich konnte Stratatsys, dessen günstigstes, Mojo genanntes Produkt rund 10.000 Euro kostet, bisher nichts zu bieten.

Mit der Vorstellung zahlreicher günstiger, 3D-Drucker in den vergangenen Monaten und einer Euphorie über die Möglichkeiten für Verbraucher oder kleine Dienstleister – die zum Beispiel wie früher Copy Shops statt Kopien 3D-Ausdrucke anbieten könnten – rückte aber gerade dieser Bereich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Ein bisschen ärgerlich dürfte die Transaktion für die Stratasys-Aktionäre dennoch sein: schließlich hat MakerBot 2009 die Entwicklung seiner günstigen 3D-Druck gerade auf Grundlage eines ausgelaufenen Stratasys-Patents aufgenommen. Das hätte man also auch selber machen und dadurch billiger haben können. Freuen dürfen sich dagegen die Venture-Kapitalgeber, die 2011 lediglich 13 Millionen Dollar in MakerBot investiert haben. Wie wichtig es für Stratasys ist, im 3D-Einstiegssegment mitzuspielen, zeigt aber auch, dass das Management bereit ist, für MakerBot, das 2012 einen Umsatz von 15,7 Millionen Euro erwirtschaftete, solch eine Summe hinzulegen.

Wendy Kneissl Analystin bei IDTechEx, ist über die hohe Summe ebenfalls verwundert. Sie verweist darauf, dass MakerBot nur sehr wenig eigene Technologie besitzt und so gut wie keine Vertriebsstrukturen vorweisen kann. Trümpfe seinen dagegen der Markenname und die Erfahrung im unteren Ende des Marktes für 3D-Printing. Dass da Potenzial schlummer, hat Stratasys ihrer Ansicht nach “sehr spät” bemerkt.

Der hohe Preis sei wohl durch die Entschlossenheit zu rechtfertigen, mit der Stratasys sich entschieden hat, im Einsteigermarkt mitzuspielen – und wohl auch durch den Schaden, den MakerBot durch seinen Erfolg für den Absatz der günstigen Stratasys-Geräte angerichtet hat. Somit habe man nicht nur einen Markennamen gekauft, sondern auch einen Wettbewerber eliminiert.

Kneissl weiter: “Zweifellos bestand bei Stratasys auch die Befürchtung, dass 3D Systems – der König der Übernahmen im 3D-Printing – seinerseits MakerBot aufkauft und damit nahezu ein Monopol im Verbrauchersegment errichtet, was MakerBot eine sehr gute Verhandlungsbasis verschafft hat. Stratasys muss so einen Firmenzusammenschluss gefürchtet haben.”

Mögliche Langzeitstrategien von Stratasys

Kneissl rechnet damit, dass MakerBot mit dem Zugriff auf die Stratasys-Patente nun in der Lage sein wird, die Preise für seine Produkte noch einmal deutlich zu reduzieren. Theoretisch zumindest – denn da MakerBot im US-Markt trotz deutlich höherer Preise als viele Mitbewerber den Löwenanteil für sich verbuchen kann, ist es nicht erforderlich die Preise kurzfristig zu senken.

Langfristig könnte es allerdings sein, dass sich Stratasys am Geschäftsmodell der traditionellen Druckerhersteller ein Beispiel nimmt: Derzeit greift MakerBot auf Druckmaterial Dritter zurück. Stratasys entwickelt und vertreibt solches Material aber. Es könnte also sein, dass man sich entschließt, künftig sehr günstige 3D-Drucker mit teurem Druckmaterial zu verkaufen. “Damit dieses Geschäftsmodell funktioniert ist allerdings ein Massenmarkt für 3D-Drucker erforderlich, für den es aber derzeit kaum Anhaltspunkte gibt”, so Kneissl. “Tatsächlich gibt es aber bereits Anzeichen, dass sich das Wachstum in dem noch in den Kinderschuhen steckenden Marktsegment bereits abschwächt.“

Stratasys hat sich laut Kneissl also auf ein riskantes Spiel eingelassen: Die Zukunft des Consumer-Segments im 3D-Druck sei unklar und die Eintrittshürden für neue Anbieter sind niedrig, wie auch die rasch wachsende Zahl der Firmen in Europa zeigt. “Das Unternehmen könnte einen sehr hohen Preis bezahlt haben, um schnell in einem vergleichsweise kleinen Markt Fuß zu fassen, in dem mit einer wachsenden Zahl von Mitbewerbern zu rechnen ist.” Oder anders gesagt: Blanke Panik und Ratlosigkeit hat Stratasys zum Aufkauf von MakerBot getrieben.

Bildergalerie: Die vielfältigen Einsatzbereiche des 3D-Drucks

3D-Drucker

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Ungewöhnliche Objekte aus dem 3D-Drucker
Aufgrund des Preises kamen 3D-Drucker lange nur in ausgewählten Bereichen zum Einsatz. Allerdings macht der 3D-Druck rasante Fortschritte: Die Geräte werden immer vielseitiger einsetzbar und kosten immer weniger. Die Geräte des US-Anbieters Stratasys, die eine Zeit lang auch von HP verkauft wurden und demnächst von Dell mit vertrieben werden, bauen wie viele andere Geräte auch, Modelle mit Thermoplastic im Schichtdruckverfahren auf. Dazu wird das recyclebare Material erhitzt und flüssig aufgetragen (Bild: Stratasys/Hewlett-Packard).

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