Internationale Datenschutzgruppe fordert besseren Schutz vor Web-Tracking

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Der “Berlin Group” genannte Zusammenschluss hat ein Arbeitspapier “Web-Tracking und Privatsphäre” vorgelegt. Es beschreibt gängige Methoden für Web-Tracking. Die Autoren bezeichnen sie als “beispiellose Gefahr für die Privatsphäre der Menschen in der Informationsgesellschaft”.

Die Berlin Group, eine internationale Arbeitsgruppe zum Datenschutz in der Telekommunikation hat ein Arbeitspapier zu “Web-Tracking und Privatsphäre” (PDF) vorgelegt. Die seit ihrer Gründung 1983 zweimal jährlich tagende Expertenrunde beschreibt darin gängige, diensteübergreifende Methoden zur Sammlung, Analyse und Anwendung von Daten über Nutzeraktivitäten im Web von Computern oder Smartphones aus und stellt Forderungen im Umgang mit derart gesammelten Daten auf. Der Gruppe gehören neben europäischen auch Datenschutzbehörden aus Kanada, Südkorea und Neuseeland sowie internationale Organisationen wie der Europarat an.

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“Modernes Web-Tracking versetzt Anbieter in die Lage, beinahe jeden einzelnen Aspekt des Nutzerverhaltens im gesamten Internet zu beobachten”, erklärt die Berlin Group. “Dies birgt das Potenzial für die Erstellung einer vollständigen Übersicht über die Nutzung des Internets einer Einzelperson über potenziell unbegrenzte Zeitspannen – buchstäblich von der Wiege bis zum Grab.” Diese Interessen- beziehungsweise Nutzungsprofile könnten dann noch mit vielen Daten aus der “Offline-Welt” angereichert werden und alle möglichen Aspekte des Lebens betreffen, über die Datenmakler Informationen besitzen, darunter auch Informationen über Finanzen, Freizeitgestaltung, Gesundheit, politische oder religiöse Überzeugungen sowie Aufenthaltsorte.

Nach Ansicht der Expertenrunde birgt diese Entwicklung “eine beispiellose Gefahr für die Privatsphäre der Menschen in der Informationsgesellschaft.” Um ihre Befürchtungen zu illustrieren, vergleichen sie das Web-Tracking damit, dass einem ein Unbekannter über die Schulter schaut, ganz gleich, wo man sich befindet und alles festhält, was man gerade tut – wobei man nie wissen kann, wann der Unbekannte gerade zuschaut und wann nicht.

Die Datenschützer kritisieren, dass die Regierungen diese Entwicklung bisher weitgehend der Selbstregulierung durch die Anbieter von Diensten der Informationsgesellschaft überlassen haben. Das habe aber nicht ausgereicht, um die Privatsphäre der Menschen hinreichend zu respektieren.

“Do Not Track” reicht nicht aus

Auch die Bemühungen des World Wide Web-Konsortium um einen technischen Standard für eine bessere Kontrolle der Analyse des Nutzerverhaltens bei der Nutzung des Internets durch die Betroffenen (“Do Not Track“) sehen die Mitglieder der Berlin Group auf dem Holzweg: Ihrer Ansicht nach haben sich dort die Interessen der Industrievertreter durchgesetzt, ohne dass der Schutz der Privatsphäre der Menschen hinreichend Eingang gefunden hätte.

In ihrem Arbeitspapier gibt die “Berlin Group” Empfehlungen an die verschiedenen Interessenvertreter, die im Öko-System des Web-Tracking eine Rolle spielen, wie sich Gefahren für die Privatsphäre der Menschen ihrer Ansicht nach minimieren lassen. Insbesondere wird die strikte Beachtung des Grundsatzes der Zweckbindung bei der Verarbeitung personenbezogener Daten sowie eine bessere Information der Nutzer über die Auswirkungen der Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten gefordert. Außerdem sollen die Nutzer in die Lage versetzt werden, durch einfache technische Mechanismen eine Kontrolle über die Verwendung ihrer Nutzungsdaten im Internet zurückzugewinnen. Außerdem sollte die Standardeinstellung so ausgestaltet sein, dass ein Tracking des Nutzers unterbleibt und Nutzer die Möglichkeit haben, ihre Entscheidung jederzeit zu ändern.

“Bei der Analyse des Nutzungsverhaltens im Internet hat sich in den letzten Jahren ein unkontrollierter Wildwuchs gebildet, dem dringend Einhalt geboten werden muss“, erklärt Alexander Dix, der Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit und gleichzeitig Vorsitzender der Berlin Group. “Regierungen der Einzelstaaten, internationale Organisationen und Anbieter von Diensten der Informationsgesellschaft müssen dafür sorgen, dass dem Schutz der Privatsphäre bei der Nutzung von Internetdiensten endlich wieder mehr Gewicht eingeräumt wird.”

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