Strom- und Datenspeicher Kingston MobileLite Wireless im Test

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Es gibt einen Trend auf dem Smartphone-Markt, der vielen Nutzern nicht gefällt: Immer öfter bieten die Geräte weder (Micro-)SD-Kartenleser noch die Möglichkeit, den Akku zu wechseln. Der MobileLite Wireless von Kingston soll beide Probleme lösen – oder zumindest erträglicher machen.

Speicherspezialist Kingston bringt mit dem MobileLite Wireless ein Gadget in den Handel, das in erster Linie als drahtloses Lesegerät für SD-Speicherkarten und USB-Sticks dient. Smartphone- und Tablet-Nutzer lagern auf diese Weise Dateien aus und greifen umgekehrt auf Inhalte zu, die auf den Flash-Medien gespeichert sind.

Der Akku des MobileLite Wireless dient darüber hinaus aber nicht nur zur eigenen Stromversorgung, sondern lädt im Notfall auch den Energiespeicher eines angeschlossenen Gerätes wieder auf. Wem fernab einer Steckdose der Saft ausgeht, kann sein Smartphone oder Tablet zumindest über eine kürzere Durststrecke retten. Das ist praktisch.

Graue Plastikmaus

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Der Kingston MobileLite Wireless soll den hausgemachten Schwächen von Smartphones und Tablets abhelfen (Bild: Kingston).

Der Kingston MobileLite Wireless ist 12,5 mal 6 mal 1,7 Zentimeter groß und wiegt 98 Gramm. Das entspricht ungefähr den Maßen von Smartphones, auch wenn diese in der Regel etwas schwerer, dafür aber flacher sind. Das Gehäuse besteht aus grauem sowie schwarzem Plastik und fühlt sich nicht besonders hochwertig an. Angesichts des Preises von etwa 60 Euro und des Einsatzzweckes geht das jedoch in Ordnung.

Das Gadget ist von Haus aus robuster als etwa ein Tablet mit seinem großen Display, auch ein Sturz aus anderthalb Metern sollte unser Testkandidat überstehen. Ausprobiert haben wir das freilich nicht.

Akku laden und Daten kopieren

Es gibt insgesamt drei Anschlüsse an den kurzen Seiten des Geräts. Rechts findet sich der Einschub für die SD-Karte. Kingston legt dem MobileLite Wireless einen Adapter für Micro-SD-Karten bei, so dass auch diese gelesen und beschrieben werden können. Gerade im Smartphone-Umfeld taucht dieses Format häufig auf. Allerdings hat der Hersteller den Schacht etwas zu tief in das Gehäuse gelegt: Die Karte lässt sich nur mit dem Fingernagel hineinschieben und wieder herausholen. Das ist doch etwas umständlich.

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Die App zeigt den Ladezustand des Akkus des Kingston MobileLite nur sehr vage an – das könnte genauer gehen (Bild: Kingston).

Auf der gegenüberliegenden Seite gibt es einen Standard- und einen Micro-USB-Port, die jeweils zwei Funktionen übernehmen: Der Standardanschluss nimmt zum einen USB-Sticks auf, deren Speicher dann wie bei einer SD-Karte zum Beschreiben und Lesen bereitsteht – Stick und Karte können sogar parallel genutzt werden.

Darüber hinaus nutzt der Anwender diesen Anschluss, wenn er den MobileLite Wireless als Notstromaggregat nutzt. Über den Micro-USB-Anschluss dagegen lässt sich zum einen der interne Akku aufladen, zum anderen dient er als Anschluss an einen PC. Denn als Speicherkartenlesegerät und USB-Hub arbeitet das Gadget auf Wunsch ebenfalls. Ähnlich wie bei der WLAN-Festplatte Kingston Wi-Drive darf der User in diesem Modus jedoch nicht drahtlos auf den Speicherplatz zugreifen.

Zugriff mit App oder Browser

Der MobileLite Wireless baut einen eigenen WLAN-Hotspot auf, an dem sich die Clients anmelden. Ab Werk ist das drahtlose Netzwerk ungesichert, lässt sich aber per WPA2 schützen. Andere Verschlüsselungsmethoden – etwa WPA oder WEP – werde nicht angeboten.

Android- und iOS-Nutzer greifen über eine eigene App auf die Flash-Speicher zu, alle anderen nutzen den Browser. Die Standard-IP des Testkandidaten lautet 192.168.200.254, was Kingston allerdings nirgendwo kommuniziert. Vielleicht sollen Anwender den USB/SD-Kartenleser nicht per Browser beziehungsweise mit anderen Betriebssystemen nutzen, da der drahtlose Upload von Dateien auf diesem Wege nicht funktioniert. Das geht nur kabelgebunden oder über die genannten Apps, die nur in englischer Sprache zur Verfügung stehen.

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Nutzer der iOS-App (hier auf dem Tablet) haben systembedingte Einschränkungen hinzunehmen, können den MobileLite aber auch nutzen (Bild: Christian Lanzerath).

Aber auch hier trennt sich die Spreu vom Weizen, denn Android- und iOS-App unterscheiden sich im Funktionsumfang erheblich. Das liegt auch an der Architektur der Plattformen und spricht einmal mehr nicht unbedingt für das geschlossene Apple-Dateisystem. Im Test mit einem iPad 2 war es uns nur möglich, Dateiformate zu öffnen, die die App selbst unterstützt – und deren Anzahl ist überschaubar.

Zwar kennt das Programm die wichtigsten Bild- und Dokumentformate, aber an Videos werden beispielsweise nur M4V und MP4 wiedergegeben. Die Weitergabe von Clips anderen Formats an Abspiel-Apps, die ebenfalls auf dem iPad installiert sind, wird zwar angeboten, funktionierte aber nicht. Ähnlich bescheiden sah es mit den Upload-Möglichkeiten aus. Nur Bilder und Videos aus der Foto-App fanden ihren Weg auf die SD-Karte beziehungsweise den USB-Stick.

Android-User im Vorteil

Überzeugt hat uns hingegen die App für Android, die Kingston später veröffentlicht hat als das iOS-Pendant. Mit dieser Anwendung übertragen User beliebige Dateien zum MobileLite Wireless, und auch die Wiedergabe fast aller Formate macht kein Problem. Der Grund: Die Weitergabe von Inhalten an Apps von Drittanbietern ist unter Android reibungslos möglich.

Zur Not lädt man die betreffende Datei in den internen Speicher und öffnet sie dann mit der passenden App. Das ist eine Lösung, die iOS-Nutzern nicht zur Verfügung steht. Zudem lassen sich Fotos direkt aus der App auf Twitter und Facebook posten oder per E-Mail versenden.

Woran die Entwickler bei beiden Apps noch arbeiten müssen, ist die Anzeige des Akkustatus. Der kennt nur drei Zustände: grün (mehr als 50 Prozent Akkuladung), orange (25 bis 50 Prozent) und rot (weniger als 25 Prozent). Auf gleiche Weise zeigt die LED am Gehäuse den Akkustand an. Das ist ziemlich ungenau, zumindest die App sollte hier detailliertere Angaben machen.

Bridge-Modus für Webzugang

Besser gelöst hat der Hersteller das Problem, dass das WLAN-Modul von Smartphones und Tablets während des drahtlosen Zugriffs zum MobileLite Wireless nicht für Internetverbindungen zur Verfügung steht. Man müsste ständig zwischen Heimnetzwerk und MobileLite-Hotspot wechseln.

Das ist aber nicht nötig: Denn das Gerät arbeitet auf Wunsch im Bridge-Modus. Darin leitet es den Internetverkehr zum Client weiter. Hat man dem USB/SD-Kartenleser einmal die Zugangsdaten zum WLAN gegeben, kann man künftig gleichzeitig im Internet surfen und auf die Flash-Medien zugreifen.

Allerdings: Der Bridge-Modus bremst den Internetverkehr auf dem Weg zum Smartphone stark ab. Im Test mit einem WLAN-Router, der an einer 25-MBit-Glasfaserleitung hing, erreichten wir lediglich eine Transferrate von maximal 8,2 MBit/s im Down- und 3,8 MBit/s im Upstream. Ungefiltert erreicht der Anschluss hingegen eine Geschwindigkeit von 23,4 bzw. 3,7 MBit/s. Gerade bei größeren Downloads sollte man den Client also wieder direkt mit dem Heimnetzwerk verbinden, denn der Unterschied ist doch erheblich.

Akkukapazität ausbaufähig

Der interne Akku hat eine Kapazität von 1800 Milliamperestunden (mAh). Im Testlabor streamten wir ein Full-HD-Video (1080p) im MKV-Container im Dauer-Playback auf ein Android-Smartphone. Nach fünf Stunden machte der Akku schlapp – eine durchaus akzeptable Leistung.

Wer allerdings sein Handy bei Bedarf mit Hilfe des MobileLite Wireless aufladen möchte, wünscht sich vielleicht ein Powerpack mit höherer Kapazität. Aktuelle Modelle wie das HTC One oder das Samsung Galaxy S4 mit einem Fassungsvermögen von 2300 bzw. 2600 mAh lassen sich auf diesem Wege nicht komplett aufladen. Diese Funktion sollten Interessenten daher eher als nettes Zusatz-Feature und nicht als Hauptargument für den Kauf sehen.

Fazit

Wer unterwegs mit seinem Smartphone oder Tablet auf (Micro-)SD-Karten und USB-Sticks zugreifen möchte, findet im MobileLite Wireless von Kingston eine brauchbare Lösung. Das Gerät arbeitet drahtlos, lässt sich aber auch per Kabel etwa am PC anschließen. iPad- und iPhone-Nutzer ziehen systembedingt weniger Nutzen aus dem Gadget als etwa Android-User.

Die Kapazität des Akkus hat der Hersteller etwas knapp bemessen, vor allem als Powerpack für unterwegs ist es daher nur bedingt geeignet. Viele Smartphone- und Tablet-Akkus lassen sich damit nicht vollständig aufladen. Eine kurze Durststrecke sollte man damit aber überwinden können.

Kingston MobileLite Wireless

Hersteller: Kingston
Internet: www.kingston.com/de
Preis: ca. 60 Euro

testurteil-3-befriedigend

Lieferumfang

MobileLite Wireless
SD-Karten-Adapter (Micro-SD auf SD)
USB-2.0-Kabel (USB auf Micro-USB)
Schnellstartanleitung

Note: befriedigend

Leistung (40%): befriedigend
Funktionsumfang (35%): befriedigend
Bedienung (20%): befriedigend
Dokumentation (5%): ausreichend