Mobilfunkprovider führen Öko-Indizes für Smartphones ein

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Aktuelle Studien belegen, dass ökologische und soziale Gesichtspunkte Mobilfunkkunden beim Kauf wichtig sind. Aber wie ethisch, nachhaltig und umweltbewusst sind Mobilfunkprovider? ITespresso hat die Aktionen der Deutschen Telekom sowie von E-Plus, Telefónica O2 und Vodafone unter die Lupe genommen.

Um Smartphones mit seinen Mobilfunktarifen besser an den Kunden zu bringen, setzt Vodafone ein “Eco-Rating” für die Geräte in seinem Angebot ein. Dass verantwortungsvolles Handeln der Konzerne ihren Kunden wichtig ist, zeigen zwei Studien, die Vodafone zur Begründung heranzieht: Im “Konsumbarometer 2013″ der Commerz Finanz” (PDF) kommt dies ebenso heraus wie in einer EU-Umfrage.

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Laut Europa-Konsumbarometer 2013 wollen sich künftig mehr als die Häfte der Produktkäufer an Nachhaltigkeitskriterien orientieren (Quelle: Commerz Finanz).

Das Konsumbarometer zeigt, dass mehr als die Hälfte der Europäer (55 Prozent) beabsichtigen, ihr Konsumverhalten künftig an Nachhaltigkeitskriterien auszurichten und die EU-Studie ergab, dass 50 Prozent der Deutschen ein Umwelt-Label als wichtige Information beim Kauf von Produkten betrachten. Die Einführung des Öko-Indexes bei Vodafone ist nicht der erste Schritt eines Telekommunikations-Unternehmens in diese Richtung. Die Kriterien für die Auswahl sind jedoch unterschiedlich.

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Vodafones “Eco Ranking” von Mobiltelefonen soll als Entscheidungshilfe beim Kauf fungieren (Grafik: Vodafone).

Analysten von Abi Research bescheinigen der Deutschen Telekom, europaweit die Nummer Eins bei Nachhaltigkeit und Green-IT zu sein. Sie würdigen aber vor allem die Rolle der Telekom im Forschungs- und Innovationsbereich, bei Green-IT und seiner Global E-Sustainability Initiative – kurz GeSI. Beim Thema Innovation untersuchte Abi-Research Kriterien wie den Einfluss neuer Technologien und deren Anwendungen im Markt sowie neue Messmethoden zur CO2-Reduktion und zur effektiveren Nutzung “grüner” Netze. So publikumswirksam wie Vodafone hat der deutsche Telekommunikationsgigant es eben nicht angepackt.

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Noch viel früher als Vodafone setzte Telefónica auf einen “Eco Index“. Hier werden vor allem Informationen zur Energieeffizienz der Handys bewertet. Telefónica startete diesen Index schon 2009 in Großbritannien und führte ihn 2010 auch bei seiner Tochter O2 in Deutschland ein.

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“Der Eco Index bildet den Wunsch nach zukunftsfähigen und nachhaltigen Geräten ab und fokussiert auf die ökologische und soziale Dimension der Nachhaltigkeit”, erklärte seinerzeit das Unternehmen. “Entwickelt wurde der Eco Index zusammen mit der britischen NGO Forum for the Future sowie verschiedenen Geräteherstellern”, erklärte Telefónica.

Das Konzept des Eco Index basiere bewusst auf der Mitarbeit der Hersteller selbst, um möglichst viele Geräte “hinsichtlich der Nachhaltigkeit abbilden und den Verbraucher somit umfassend informieren zu können”, klingt der Text von 2010 schon fast so wie Vodafones Meldung von 2013. Alle Kriterien des O2-Öko-Indexes finden sich hier (PDF).

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Bei E-Plus findet sich im “Corporate-Responsibility-Bericht von 2011” (PDF) zuletzt Neuheiten über dementsprechende Maßnahmen. Die Ökologie der Geräte und Netze ist dabei aber nur ein geringer Anteil des Ganzen: E-Plus führt “ökonomische, ökologische und soziale Maßnahmen” durch, heißt es hier.

Vodafone wiederum beruft sich nun auf das “umfangreichste” Nachhaltigkeits-Ranking im Mobilfunkmarkt: Mehr als 200 Einzelaspekte flössen in den Wert ein, der etwas exakter und publikumswirksamer als Bewertungen von anderen Anbietern das Ökologische in Zahlen fasst: Die Skala für jedes Mobilgerät reicht von 1 bis 5. Sie  mache damit einfach sichtbar, wie sich ein Handy auf Umwelt und Gesellschaft auswirkt, sagt Erik Friemuth, Geschäftsführer Consumer Marketing bei Vodafone Deutschland.

Wie die vielen Einzelbewertungen zur einheitlichen Note zusammengefasst werden, nennt das Unternehmen jedoch nicht: Die Vereinfachung würde damit umgekehrt werden. Ob Stromverbrauch oder soziale Arbeitsbedingungen bei der Herstellung wichtiger sind, geht aus keinem Wert und keinem Siegel der Anbieter hervor.

Provider-unabhängiges Siegel noch in den Kinderschuhen

Etwas transparenter handhabt das TCO Development. Die Tochter der für ihr seit Jahren Standards setzendes Monitorsiegel bekannte Dachorganisation der schwedischen Arbeitnehemerverbände bemüht sich seit rund zwei Jahren darum, auch andere Gerätetypen zu zertifizieren. Das Siegel nimmt eine Sonderstellung ein, weil es im Gegensatz zu vielen anderen nicht nur soziale, ergonomische oder ökologische Aspekte berücksichtigt, sondern alle drei.

Seit kurzem gibt es das Siegel “TCO Certified” nicht nur für Desktop-Computer, All-in-One-PCs, Notebooks, Tablets, Beamer, Headsets und Monitore, sondern auch für auch für Smartphones. Das erste Gerät mit der Auszeichnung ist das Galaxy S4. Allerdings ist der Weg zur Erlangung des Siegels recht aufwändig und erfordert die Mitarbeit – sowie die Zahlungsbereitschaft – der Hersteller.

Damit droht das TCO-Siegel in eine ähnliche Falle zu tappen wie der “Blaue Engel”. Denn ob sich angesichts der kurzen Produktzyklen bei Smartphones und Mobiltelefonen der Prozedur viele unterziehen ist fraglich – und hängt davon ab, inwieweit die Verbraucher beim Kauf tatsächlich auf solche Aspekte achten – oder ob sie ihren guten Willen nur in Umfragen kundtun, um vor sich selbst und dem Umfrager als Gutmenschen dazustehen.

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