Geschenke-Community entpuppt sich als Kostenfalle

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Tausende Kunden des Internetportals “Hier-gibt´s-was-geschenkt” müssen sich derzeit ärgern: Aus den darüber vermittelten Mobilfunkverträgen, Versicherungen und Stromlieferverträgen können sie nicht aussteigen. Auf die versprochenen Prämien und Amazon-Gutscheine warten sie jedoch vergeblich.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat auf unerfreuliche Geschäftspraktiken des Onlineportals “Hier-gibt´s-was-geschenkt” hingewiesen. Dieses bezeichnet sich selbst als “Geschenke-Community” und hatte mit Rückerstattungen von 50 bis 100 Prozent der Kosten, für den Abschluss von Handyverträgen, zum Wechsel der Kfz-Versicherung, des Stromanbieters oder der Bank geworben. Ausbezahlt werden sollten die Erstattungen in Form von Prämien und Amazon-Gutscheinen.

Das funktionierte wohl auch eine ganze Weile. Bei “Hier-gibt´s-was-geschenkt” dienten so genannte “Coins” im Wert von je zehn Cent als interne Währung. Die wurden laut Verbraucherzentrale den Kunden-Konten meist monatlich gutgeschrieben und ließen sich auf der Webseite in Prämien wie Playstation oder Fernseher, vor allem aber Einkaufgutscheine von Amazon umtauschen.

Die Website "Hier-gibt´s-was-geschenkt" vermittelt diverse Verträge und verspricht dafür satte Prämien (Screenshot: ITespresso).
Die Website “Hier-gibt´s-was-geschenkt” vermittelt diverse Verträge und verspricht dafür satte Prämien (Screenshot: ITespresso).

“Coins und Prämien im Wert von mehreren Millionen Euro schüttete die Geschenke-Community so zur Freude der Mitglieder aus – bis Ende vergangenen Jahres. Ab da verzögerte sich plötzlich die Verschickung der Prämien und Amazon-Bons, erst über Wochen, dann stoppte die Auszahlung fast komplett”, teilt die Verbraucherzentrale NRW jetzt mit.

Die wütenden Reaktionen der Nutzer auf der Webseite und bei dem Facebook-Auftritt wurden nach kurzer Zeit gelöscht. Die Firma beteuerte, dass jeder seine Prämie bekomme, hüllte sich über ansonsten über Wochen und Monate in Schweigen und war quasi unerreichbar, auch für Fragen der Verbraucherzentrale NRW.

Partner distanzieren sich von “Hier gibt`s was geschenkt”

“Wirklich verwundern kann das nicht. Denn es ist rätselhaft, wie ein Geschenk-Modell auf Dauer funktionieren soll, bei dem ein E-Plus-Vertrag monatlich 30 Euro kostet, die es in Form von Amazon-Gutscheinen wieder retour gibt“, so die Verbraucherschützer. Rechtlich gelte bei solchen Provisions-Modellen: “Wenn sich zugesagte Zuschüsse des Vermittlers verringern oder ausbleiben, müssen die mit den Anbietern abgeschlossenen Verträge dennoch weiter bedient werden.”

Ehemalige Partner von “Hier gibt`s was geschenkt” wie E-Plus, Vodafone, der Autoversicherer Directline, der Stromlieferant Lichtblick sowie die Postbank und die Netbank haben sich inzwischen davon getrennt. Lichtblick hat enttäuschten Kunden sogar versucht, mit 50-Euro-Gutschriften zu besänftigen. Jede weitere Zusammenarbeit schließt das Unternehmen aus. Dasselbe gilt für Directline die Postbank und die Netbank. Derzeit geht das Portal für die Bekleidungskette Charles Vögele und den Handyspezialisten b2c auf Kundenfang.

Nutzer wollte es Anfang April mit einem Relaunch besänftigen. Im Zuge dessen wurden immerhin ausgebliebene Coins oft den Kunden-Konten gutgeschrieben. Zufriedenheit kehrte dennoch nicht ein: Denn die dafür einhandelbaren Prämien waren deutlich unattraktiver geworden. Nutzer standen zum Beispiel billiges Plastikspielzeug, überteuere Technikartikel wie ein Stabmixer für 32,90 Euro oder Prämien wie ein mit dem dreifachen Marktpreis bewertetes Monopoly-Spiel zur Auswahl.

Amazon-Gutscheine suchten sie vergebens. Zudem werden nun für die Prämien exorbitante Versandkosten verlangt, für sperrige Artikel bis zu 79 Euro.

Das Prinzip sieht einfach aus, Kunden sind aber über die faktische Abwertung der zum Erwerb von Prämien notwendigen Coins empört (Screenshot: ITespresso).
Das Prinzip sieht einfach aus, Kunden sind aber über die faktische Abwertung der zum Erwerb von Prämien notwendigen Coins empört (Screenshot: ITespresso).
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