Initiative D21: So nutzt Deutschland das Web

BreitbandNetzwerke
Laut Markus Appel und Constanze Schreiner widersprechen die wissenschaftlichen Ergebnisse auf vielen Gebieten klar den verbreiteten Thesen zu den schädlichen Auswirkungen des Internets.

Die Initiative D21 hat heute neue Zahlen zur Internet-Durchdringung vorgelegt. Wenig überraschend: Für jüngere Menschen und Berufstätige ist das Internet selbstverständlich. Deutlich interessanter: Die Erkenntnisse zum Umgang mit den neuen Technologien im Berufsleben.

Immerhin 76,5 Prozent der Deutschen nutzen heute das Internet, wobei 58,3 Prozent auf Breitbandverbindungen zurückgreifen können – so die Ergebnisse des Digitalindex 2013 (PDF) der Initiative D21, der heute in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Der Enthusiasmus der Nutzer hält sich allerdings in Grenzen: Bei den Nutzertypen dominieren “außenstehende Skeptiker” (28,9 Prozent) und “häusliche Gelegenheitsnutzer” (27,9 Prozent). Nur 3,2 Prozent der Anwender gehören zur Gruppe der “smarten Mobilisten”.

Hamburg kann im Bundesländervergleich bei der Internetnutzung seinen Spitzenplatz vom Vorjahr behaupten, gefolgt von Berlin und Bremen, zwei weiteren Stadtstaaten. Stärkstes Flächenland ist auch 2013 Baden-Württemberg mit 79,1 Prozent Internetnutzern (Grafik: Initiative D21).
Hamburg kann im Bundesländervergleich bei der Internetnutzung seinen Spitzenplatz vom Vorjahr behaupten, gefolgt von Berlin und Bremen, zwei weiteren Stadtstaaten. Stärkstes Flächenland ist auch 2013 Baden-Württemberg mit 79,1 Prozent Internetnutzern. Betrachtet man die bundesweite Internetnutzung von 76,5 Prozent, so liegen aktuell neun Bundesländer über dem Durchschnitt (Grafik: Initiative D21).

20,4 Prozent der Bevölkerung hält sich auch jetzt noch vom Internet fern, vor allem wegen Datenschutzbedenken (66,3 Prozent) oder weil Freunde, Kinder beziehungsweise Bekannte die Onlinearbeit für sie erledigen (61,7 Prozent). 59,7 Prozent geben als Grund für die Online-Abstinenz die fehlende Erfahrungen mit Computern an. Das kann man als Tautologie verstehen kann – wie wenn ein Nichtschwimmer behauptet, er schwimme nicht, weil er keine Erfahrung mit Wasser habe.

So schwer kann es nicht sein, den Umgang mit dem Web zu erlernen, denn 76,8 Prozent der Befragten bringen sich die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten selbst bei. Bei 68,6 Prozent helfen Freunde und Bekannte, bei 56,3 Prozent Freunde und Kollegen.

Die Daten sollen allerdings niemanden beunruhigen, denn bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass es wohl hauptsächlich Menschen über 70 sind, die sich dem Web verweigern. Verständlich – wurde die Technologie doch gerade erst massentauglich, als sie die 50 überschritten hatten. Nur 30,2 Prozent dieser Altersgruppe sind sogenannte Onliner.

In den Altersgruppen bis 39 Jahre sind es jeweils mehr als 90 Prozent. Bei den 14- bis 19-jährigen sogar 97,5 Prozent. Online-affin sind eher gebildete Menschen aus größeren Haushalten mit tendenziell hohem Einkommen, während die Größe des Wohnorts hier wohl keine Rolle spielt. Wichtig ist auch die Einbindung ins Arbeitsleben: Während von den Berufstätigen 89,1 Prozent das Internet nutzen, sind es bei den nicht Berufstätigen nur 61,2 Prozent.

BYOD in Deutschland: Trend oder Chimäre?

Der Umgang mit sozialen Netzen und Mobilkommunikation im beruflichen Umfeld ist allerdings nicht ohne Tücken. Das ist eigentlich eine Platitüde, wurde aber vom Branchenverband Bitkom aktuell mit Zahlen belegt. Er befragte 505 Berufstätige zwischen 16 und 65 Jahren sowie die Geschäftsführer oder Personalverantwortlichen von 854 Unternehmen zum Umgang mit E-Mail, sozialen Netzen, mobilen Endgeräten und Internet.

Danach ist die Nutzung selbst angeschaffter stationärer und mobiler Geräte weit verbreitet. 35 Prozent nutzen ihren eigenen mobilen Rechner, 32 Prozent den eigenen PC, 31 Prozent ihr Handy, 19 Prozent ihr Smartphone und 8 Prozent das eigene Tablet. Unternehmen statten ihre Mitarbeiter noch immer vorwiegend mit Desktops aus (59 Prozent), dazu kommen Mobilcomputer (20 Prozent), Handys (17 Prozent und Smartphones (10 Prozent). Nur 3 Prozent genehmigen ihren Angestellten einen Tablet.

Aktuell nutzen 58,3 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einen Breitbandzugang. Das sind 1,2 Prozent mehr als 2012. Insbesondere haben die Zugänge über Kabelanschluss sowie Mobilfunkzugänge (jeweils +1,1 Prozent) Zuwächse verzeichnen können (Grafik: Initiative D21).
Aktuell nutzen 58,3 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einen Breitbandzugang. Das sind 1,2 Prozent mehr als 2012. Insbesondere haben die Zugänge über Kabelanschluss sowie Mobilfunkzugänge (jeweils +1,1 Prozent) Zuwächse verzeichnen können (Grafik: Initiative D21).

Im Durchschnitt arbeiten 55 Prozent der Befragten nicht nur am Arbeitsplatz. Die wichtigste Alternative ist “zu Hause” (62 Prozent ), wo ein Drittel der Befragten regelmäßig aktiv ist, aber auch im Auto, in öffentlichen Verkehrsmitteln, Hotels, Cafés wird gewerkelt.

Die Heimarbeit hat fürs Familienleben durchwachsene Folgen, wobei das Positive zumindest in dieser Umfrage eher überwiegt: 79 Prozent der Befragten sagen, sie könnten so Beruf und Familie besser vereinbaren. Immerhin 55 Prozent sehen aber eine zu starke Vermischung der Sphären.

Unternehmen erwähnen als wichtigstes Positiv-Argument mehr Flexibilität (79 Prozent). Ihr am häufigsten genanntes Gegenargument ist fehlende Kommunikation zwischen Mitarbeitern (61 Prozent). Immerhin 77 Prozent der Berufstätigen sind nach Büroschluss irgendwie erreichbar – meistens (30 Prozent) abends in der Woche. Knapp die Hälfte prüft die E-Mail auch außerhalb der Arbeitszeit, meistens (25 Prozent) abends.

Immerhin 13 Prozent fragen ihre Mail jederzeit und überall ab und ähneln damit dem Bild des Digitaljunkies. Das liegt auch an den Unternehmen, denn 17 Prozent wollen jederzeitige Erreichbarkeit und 35 Prozent Erreichbarkeit zu sonstigen Zeiten, vor allem abends in der Woche (19 Prozent) und am Wochenende (17 Prozent). Geregelt wird dies alles aber ganz überwiegend nicht.

Flexible, mobile Unternehmen brauchen Regeln

Was man tun kann, damit neue Kommunikationsformen nicht zu Konflikten im Betrieb und Überarbeitung der Beschäftigten führen, hat der Branchenverband in fünf Regeln für Unternehmen und vier für Beschäftigte kondensiert. Beschäftigte sollen soziale Medien nutzen, um Leistung und Kreativität zu steigern, gleichzeitig aber sich selbst managen, um Stress zu verhindern. Sie sollen sich nicht selbst ausbeuten, indem sie Grenzen setzen, und trotz Home Office regelmäßig im Büro erscheinen, um sichtbar zu bleiben.

Home Offices erleichtern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und machen zufrieden – gleichzeitig erschweren sie aber die Abgrenzung der Sphären, isolieren die Heimarbeiter von anderen Mitarbeitern und sind für immerhin ein Viertel ein Karrierehemmnis (Grafik: Bitkom)
Home Offices erleichtern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – gleichzeitig erschweren sie aber die Abgrenzung der Sphären, isolieren Heimarbeiter von anderen Mitarbeitern und sind immerhin für ein Viertel ein Karrierehemmnis (Grafik: Bitkom / Zum Vergrößern klicken)).

Etwas ausführlicher geht der Bitkom in einem kürzlich veröffentlichten Leitfaden für BYOD auf die Problematik ein. Und aus Sicht des in der techniklastigen “Onliner-Studie” etwas zu kurz gekommenen Datenschutzes hat im März Alexander Dix, der Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, in seinem Jahresbericht Probleme im Zusammenhang mit “Bring your own device” angesprochen.

Unternehmen sollen klare Vereinbarungen treffen, auch weitgehend mobile Mitarbeiter bewusst führen, Leistung nicht nach Anwesenheit, sondern ergebnisorientiert messen, Blogs, Intranets etc. für die interne Zusammenarbeit nutzen und ihre Unternehmenskultur an die neuen Gegebenheiten anpassen.

Basierend auf den aktiven Variablen Digitaler Zugang, Digitale Kompetenz, Digitale Nutzung sowie Digitale Offenheit hat die Studie der Initiative D21 sechs Nutzertypen identifiziert, die die Digitale Gesellschaft in Deutschland im Jahr 2013 widerspiegeln (Grafik: Initative D21).
Basierend auf den aktiven Variablen Digitaler Zugang, Digitale Kompetenz, Digitale Nutzung sowie Digitale Offenheit hat die Studie der Initiative D21 sechs Nutzertypen identifiziert, die die Digitale Gesellschaft in Deutschland im Jahr 2013 widerspiegeln (Grafik: Initative D21).