Brother MFC-J4710DW: DIN-A3-Drucker im DIN-A4-Pelz

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Ein Multifunktionsgerät bloß mit USB-Anschluss? Damit lässt sich in Zeiten von Smartphone, Tablets, WLAN und Online-Diensten kein Käufer mehr finden. Daher hat Brother beim MFC-J4710DW alles an Schnittstellen und Protokollen verbaut, was greifbar war. Nebenbei spuckt der Drucker im A4-Gehäuse noch DIN-A3-Blätter aus.

Wie macht man aus einem DIN-A4- ein DIN-A3-Drucker, ohne die Gehäusegröße oder den Preis in die Höhe zu treiben? Die Antwort hat Brother gefunden: Die Entwickler drehen das Druckwerk um 90 Grad. A4-Blätter werden nun an der langen Seite eingezogen. So lassen sich zudem auch noch A3-Bögen durchschleusen – diese wiederum an der kurzen Seite. Wer beide Formate bedrucken möchte, findet mit dem MFC-J4710DW also das passende Gerät.

Das quer verbaute Druckwerk ist die auffälligste Besonderheit des vielseitigen Brother MFC-J4710DW (Bild: Brother).
Das quer verbaute Druckwerk ist die auffälligste Besonderheit des Brother MFC-J4710DW (Bild: Brother).

Zwei Papierkassetten nehmen jeweils 150 (oben) beziehungsweise 250 Blatt (unten) Papier auf. Der Clou: Die untere Kassette lässt sich verlängern, so dass A3-Papier hineinpasst. Sie steht dann allerdings nach vorne über. Wem das nicht passt und wer ohnehin nur selten etwas auf dem größeren Format druckt, nutzt stattdessen den Einzelplatteinzug auf der Rückseite des Multifunktionsgeräts.

Das ist zwar etwas mehr Arbeit, weil Blatt für Blatt manuell eingelegt werden muss, aber für Wenigdrucker eine annehmbare Lösung. Auf diese Weise druckt unser Testkandidat A4 und A3 aus, nimmt aber nicht viel mehr Platz ein als ein gewöhnlicher A4-Drucker. Leider machen die Papierkassetten und die Ablage für die ausgedruckten Blätter einen eher klapprigen und nicht sehr stabilen Eindruck. Beim Nachlegen von Papier müssen Benutzer also etwas behutsamer mit den Plastikteilen umgehen.

Hohes Drucktempo

Dass A4-Blätter am langen Ende eingezogen werden, hat zudem den Vorteil, dass der Druckkopf seltener die Richtung wechseln muss. Das macht sich in einer vergleichsweisen hohen Druckgeschwindigkeit bemerkbar: 100 Blätter bedruckt der MFC-J4710DW im Test innerhalb von 6:16 Minuten einseitig. Als Vorlage kam eine Diplomarbeit zum Einsatz, die viel Text, einige farbige Abbildungen und wenige Tabellen enthielt – eine Art von Dokument, auf die der Drucker im Büroalltag häufiger treffen dürfte.

Der beidseitige Druck (Duplex) der gleichen Vorlage auf 50 Blättern benötigt hingegen zehn Minuten länger, da der Drucker die eine Seite kurz trocknen lässt, bevor er sie wieder einzieht und auf der anderen Seite bedruckt. Auch der automatische Dokumenteneinzug (ADF) ist duplexfähig, scannt den eingelegten Papierstapel also in einem Durchgang von beiden Seiten.

Der Brother-Drucker ist auf das Cloud-Zeitalter recht gut vorbereitet und kommt ansatzweise auch ohne PC damit zurecht.
Der Brother-Drucker ist auf das Cloud-Zeitalter recht gut vorbereitet und kommt ansatzweise auch ohne PC damit zurecht.

Maximal 20 Blatt fasst der ADF. Genau mit der Menge haben wir die Kopiergeschwindigkeit getestet: Duplex-Scan und -Druck benötigen 8:03 Minuten. Eine Glasauflage für den Scan etwa von Buchseiten verbirgt sich unter der Klappe. Aufgefallen ist uns beim Test, dass die Druckwalzen das letzte Blatt Fotopapier nicht greifen können und der Drucker davon ausgeht, es sei kein Papier mehr vorhanden. Anwender müssen also immer ein Blatt Fotopapier mehr einlegen, als sie bedrucken möchten.

Zudem meldete das Display des Öfteren einen Papierstau, wenn wir unter Windows einen laufenden Druckvorgang abbrachen. Selbst wenn sich kein Blatt mehr im Druckwerk befand, mussten wir erst verschiedene Abdeckungen öffnen und wieder schließen. Erst danach meldete die Software, der Stau habe sich aufgelöst – etwas nervig.

Günstig und gut

Druckt der Brother MFC-J4710DW eine Seite mit schwarzem Text, kostet das den Nutzer 1,8 Cent. Damit gehört der Testkandidat zu den günstigsten Multifunktionsgeräten überhaupt. Eine Schwarzpatrone mit einer Kapazität für 600 Seiten (gemäß ISO/IEC 24711) kostet 24,99 Euro (UVP), Cyan, Magenta und Gelb mit der gleichen Reichweite sind für je 15,99 Euro zu haben. Patronen mit der doppelten Reichweite gibt es für 33,99 (Schwarz) beziehungsweise 21,99 Euro (Farbe). Übrigens versieht Brother seine Patronen für Tintenstrahler nun wie viele andere Hersteller mit einem Chip, was Anbietern von alternativen Patronen die Arbeit erschwert.

An der Druckqualität von Text haben wir nichts zu beanstanden. Selbst kleine Schrift mit einer Größe von zwei Punkt ist noch problemlos lesbar. Auffällig ist nur, dass beim Duplexdruck die Tinte etwas blasser wirkt. Muss der MFC-J4710DW Grafiken zu Papier bringen, erledigt er auch das überwiegend zuverlässig.

Den Ausdruck von Fotos haben wir mit Brothers eigenem Fotopapier BP71GA4 getestet und waren durchweg zufrieden. Die Farben wirken echt, Strukturen fein und sauber. Lediglich Hauttöne haben einen deutlichen Rotstich, so dass Menschen auf Fotos wirken, als hätten sie zu lange auf der Sonnenbank gelegen.

Kontaktfreudig

Über die App Brother iPrint&Scan lässt sich auch von mobilen Geräten drucken.
Über die App Brother iPrint&Scan lässt sich auch von mobilen Geräten drucken.

Angeschlossen wird das Gerät wahlweise per USB 2.0, WLAN oder Ethernet-Kabel. Die letzten beiden Optionen erlauben es außerdem, das Gerät netzwerkweit bereitzustellen – für überschaubare Bürogemeinschaften eine praktische Sache. Die dreijährige Garantie ist für diese Zielgruppe ebenfalls ein Plus.

Besonders gut hat uns im Test aber die Bedienung des MFC-J4710DW ohne Computer gefallen. Brother hat auf der Vorderseite einen 3,7 Zoll großen Touchscreen angebracht, der nicht nur auf Tippen, sondern sogar aufs Wischen reagiert – allerdings keineswegs so prompt und präzise wie bei modernen Smartphones. Wir mussten auch schon mal etwas genauer zielen oder fester drücken, damit das Display unsere Eingaben annahm.

Die Benutzerführung selbst ist recht gelungen und das Interface bietet viele Funktionen, um Druckwerk und Scanner auch ohne PC zu nutzen. Dazu gehören etwa die Möglichkeiten, Bilder von USB-Sticks oder Speicherkarte (SD, Memory Stick) direkt auf Papier auszugeben sowie umgekehrt Vorlagen einzuscannen und sofort auf den angeschlossenen Speichermedien abzulegen.

Letzteres funktioniert auch auf FTP-Servern und Netzwerkpfaden, die der Anwender vorher konfiguriert. Viele Formate unterstützt die Software allerdings nicht: Gelesen werden nur JPG-Bilder, speichern lassen sich Scans immerhin als JPG und PDF. Pluspunkt: Auf Wunsch kommt der Drucker als ein übergroßes Lesegerät zum Einsatz. Eingesteckte Speichermedien erscheinen im Dateimanager desjenigen Rechners, der per USB-Kabel mit dem MFC-J4710DW verbunden ist.

Stand-Alone-Multi

Fotos von USB-Stick oder Speicherkarte lassen sich auf Wunsch vor dem Ausdruck bearbeiten. So entfernt die Software etwa rote Augen oder legt einen Kunstfilter über das Bild. Die Möglichkeiten sind beschränkt, aber immerhin vorhanden. Vorhanden sind ebenso zahlreiche Optionen, Scan-Vorlagen neu anzuordnen. So wählt der Nutzer direkt am Display aus, ob er zwei einzuscannende Seiten per Duplexdruck auf ein DIN-A4-Blatt oder auf eine Seite eines DIN-A3-Bogens bringen möchte.

Eine A4-Vorlage lässt sich darüber hinaus auf A3 skalieren und drucken, oder die beiden Seiten eines Ausweises auf eine Seite kopieren. Für jeden Druckauftrag legt man zudem Papierformat und -art sowie Druckqualität und andere Parameter fest. Auch ohne Computer lässt sich mit dem Brother MFC-J4710DW also eine ganze Menge anfangen.

Drucken und Scannen 3.0

Das gilt ebenfalls im Zusammenspiel mit Cloud-Diensten wie Dropbox oder Picasa und Smartphones sowie Tablets. Das Testgerät unterstützt nicht nur Apples AirPrint, sondern bietet für iOS-, Android- und Windows-Phone-Nutzer eine App namens iPrint&Scan an. Dokumente und Bilder von Smartphones und Tablets lassen sich so drahtlos zu Papier bringen.

In die entgegengesetzte Richtung gelangen Scans auf die mobilen Gadgets – wahlweise als PDF oder JPEG. Voraussetzung ist allerdings, dass alle beteiligten Geräte im selben Netzwerk eingeloggt sind. Wo das nicht der Fall ist, kommt Googles Cloud-Print-Service in Frage – auch dieses Protokoll kennt der Drucker von Brother.

Einmal angemeldet, was im Test nur wenige Minuten dauerte, nimmt das Multifunktionsgerät Druckaufträge aus dem Internet entgegen. So lassen sich etwa Texte von Webseiten, die man zu Hause aufruft, im Büro ausdrucken. Natürlich muss der MFC-J4710DW hier wiederum per WLAN oder LAN am Internet hängen.

Mit SkyDrive, Box, Google Drive, Evernote, Dropbox, Facebook, Picasa und Flickr kennt das Multifunktionsgerät die populärsten Anbieter von Cloud-Speichern. User verknüpfen ihre Benutzerkonten mit dem Gerät und greifen dann direkt am Touchscreen auf die online abgelegten Inhalte zu – zumindest auf einige.

Denn das funktioniert nur mit JPEG- und bei Google Drive, Evernote, Dropbox, Box sowie SkyDrive zusätzlich noch mit PDF-Dateien. Mal eben am Drucker ein Word-Dokument von Dropbox herunterladen und ausdrucken? Das ist leider nicht möglich! Brother verschenkt hier Potenzial.

Für den Upload von eingescannten Dateien gelten die selben Beschränkungen. Von angeschlossenen USB-Sticks und Speicherkarten lassen sich sogar nur JPEGs hochladen. Im Test fiel uns außerdem auf, dass das Display keine Vorschaubilder von Dropbox und Google Drive anzeigt. Gezielt ein Foto auszuwählen, um es dann auszudrucken oder auf USB-Stick herunterzuladen – auch das ist möglich –, ist also schwierig.

Fazit

In den wichtigsten Kategorien weiß der Brother MFC-J4710DW zu gefallen. Die Druckqualität ist überzeugend, die Druckkosten vergleichsweise niedrig. Zudem lässt er sich bequem ins Netzwerk integrieren und so auch von mehreren Anwendern nutzen. Und übrigens: Ganz nebenbei lässt sich mit dem MFC-J4710DW auch noch faxen.

Besonders hat uns die Benutzbarkeit ohne Computer mit Hilfe des Touchscreens sowie der große Funktionsumfang in Sachen Kopieren und Scannen gefallen. Da das Druckwerk im Gegensatz zu den Konkurrenten quer liegt, verarbeitet das Multifunktionsgerät auch DIN-A3-Blätter und druckt schneller.

Neben der Erüllung der klassischen Aufgaben bedient Brother zudem den modernen Büroarbeiter, der mal eben was vom iPhone oder Android-Tablet zu Papier bringen muss oder einen Scan zu Dropbox oder SkyDrive hochladen möchte. Schön wäre es, wenn Brother die Unterstützung weiterer Dateiformate, die sich direkt mit dem Gerät verarbeiten lassen, erweitert.

itespresso-testurteil-gut

MFC-J4710DW
Hersteller: Brother
Internet: www.brother.de
Preis: ca. 180 Euro

Lieferumfang
MFC-J4710DW
Netzwerkkabel
Faxanschlusskabel
Drucker-, Scanner- und PC-Faxtreiber für Windows und Mac
Starter-Patronen-Kit (Schwarz, Magenta, Cyan, Gelb)

Note: gut
Leistung (40%): gut
Funktionsumfang (25%): sehr gut
Bedienung (25%): sehr gut
Dokumentation (10%): gut