Mit neuen Services schnell zu eigenen Mobil-Apps

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Auch ohne Programmierkenntnisse, Design-Know-how oder tiefes Mobilfunkwissen lassen sich Apps für Smartphones selber produzieren. Zum “Ökosystem” gehören auch Baukästen, mit denen die Werbefinanzierung oder die Verbreitung in App Stores nur wenige Mausklicks entfernt sind. ITespresso.de gibt einen Überblick.

Nach HTML-Editoren für die Produktion von Webseiten, Blogging-Tools für ganze Websites und Onlineservices für das Zusammenstellen von Shops und anderen Anwendungen startet die nächste Welle von Do-it-Yourself-Tools: Apps für Mobilgeräte. Diese zu produzieren ist kein Hexenwerk – mit logischem Denken und einer Menge fertiger Module lassen sich schnell die passenden Anwendungen zusammenstellen. Auch vorgefertigte Design-Templates für Benutzerführungen und sogar Module für die Einbindung von Werbung – zur Finanzierung der Apps – sind bereits verfügbar.

Apptitan-Landkarteneinbindung
Mit einfacher Bedienerführung baut “AppTitan” fertige Mobil-Anwenungen zusammen – hier im Bild entsteht die Einbindung von Google Maps in die Software durch einfache Adress-Angabe.

Web-Services zimmern Apps zusammen

Mehrere solche Angebote mit unterschiedlichen Prioritäten und Herangehensweisen drängen derzeit auf den Markt. Aus Deutschland kommt etwa der Baukasten Apptitan. Er verspricht, “in 7 Minuten zur eigenen App” für iOS und Android zu kommen – und soll dasselbe in Kürze auch für Windows Phone leisten.

Einen anderen Weg schlägt der API-o-mat ein: Das ebenfalls deutsche Produkt kümmert sich vor allem um das Back-End: Was muss der Server tun, um richtig mit den Mobil-Apps umzugehen, Bandbreite zu sparen, sich mit Onlinediensten wie Twitter auszutauschen oder WordPress-Eingaben aus unterschiedlichen Geräten zu synchronisieren? Die “Apinauten GmbH ” nennt das, was sie da anbietet, “Backend as a Service”, denn Mobil-Apps sind in Zeiten von Cloud und Social Networks mehr als nur Client-Produkte.

Nicht minder einfallsreich ist das Unternehmen Touching Code aus Berlin, das mit seinem “Apmato” einen Onlinedienst entwickelt, über den sich Apps zusammenstellen lassen. Apmato soll im Sommer 2013 fertig werden.

Apmato-Screen
Mehr als ein App-Baukasten will Apmato sein: Der Service erzeugt native Apps (also keine Web-Anwendungen) für verschiedene Plattformen und übernimmt das Hochladen in App Stores. Zudem lässt sich immer die eigene Corporate Identity integrieren, Anteile an Dritte müssen nicht abgegeben werden – und eigene Arbeiten lassen sich anderen zur Verfügung stellen und zu Geld ummünzen.

Wer selbst eigene Programmmodule, Design-Templates, Farbschemata und andere Beiträge erstellt, kann sie anderen Apmato-Nutzern über den Dienst bereitstellen. Mit Affilliate- oder Kooperationsprogrammen lässt sich so der eigene kreative Beitrag zu Geld machen. Mit dem englischsprachigen Werbespruch “Use Our System as if it Were Yours” spricht Apmato zudem Unternehmen an, die ihren Geschäftspartnern die Möglichkeit bieten wollen, ihre Mobil-Apps in Gruppenarbeit zu erzeugen.

Mobile Business-Apps als Teil des großen Ganzen

Mit dem Fokus auf Groupware spricht die GROUP Business Software AG aus Eisenach Kunden an. Die Lösung der Thüringer zum Erstellen eigener Software ist plattformübergreifend, die Erzeugung von Mobil-Apps also nur ein kleiner Teil des gesamten Spektrums. Die Software, die hilft, rund um IBMs Domino- und Lotus-Applikationen das Ziel des “Social Business” ohne große Fachkenntnisse umzusetzen, wirft am Ende auch die Software für die mobile Nutzung aus.

AppDesigner-Logo
Mit dem AppDesigner konzentriert sich GBS auf “Social Business” per mobiler Kommunikation und bindet seinen App-Baukasten in plattformübergreifende Konzepte ein.

Andreas Bannenberg, der im GBS-Competence Center für Mobility arbeitet, schreibt im Unternehmensblog über das rasante Wachstum von Mobilgeräten und kommt zum Fazit: “Geschäftsanwendungen müssen Schritt halten”. Die Mobil-Ausgabe der “Entwicklungshilfe” für Business-Anwendungen ist allerdings noch in der Betatest-Phase.

Unternehmen, die mobile Applikationen benötigen, stehen auch im Fokus von SaaS-Pionier Salesforce: Dessen Werkzeuge ermöglichen Entwicklern von Anwendungen rund um das Online-CRM-System, schnell maßgeschneiderte Apps für iPhone und Co fertigzustellen. Und weil derzeit der Großteil der Mobil-Entwicklungen auf offenen Standards wie HTML5 und Open-Source-Entwicklungs-Frameworks beruht, schnürte auch Salesforce ein Werkzeug-Paket, das die Verbindung mit den eigenen Schnittstellen und der Mobilwelt herstellt.

Salesforce Mobile Packs
Mit seinen Entwicklerkits integriert Salesforce seine CRM-Webdienste mit mobilen Applikationen.

So gibt es nun das “Salesforce Mobile SDK 2.0”, das Unternehmensdaten mit jeder mobilen App – nativ, hybrid oder HTML5 – oder mit jedem Gerät mit iOS- oder Android-Betriebssystem vernetzen kann. “Das SDK ermöglicht, dass HTML5-basierte Apps auf Gerätefunktionen wie die Kamera oder Ortungsdienste zugreifen können. Zudem bietet es zusätzliche Bibliotheken für wichtige Unternehmensanforderungen wie Authentifizierung und sicheren offline verfügbaren Speicher”, preist der Anbieter seinen Weg zur mobilen Welt.

Zudem helfen “Developer Mobile Packs”, also Open Source “Quickstart”-Packs für die Entwicklung von HTML5- oder hybriden Mobil-Apps, Salesforce-Daten in Mobil-Anwendungen in Echtzeit einzuspielen.

Im “Salesforce Mobile Accelerator Program” stellt der Anbieter Referenz-Architekturen bereit. Weil auch Wirtschaftsberatungen wie Deloitte, Capgemini und Accenture am Start des Systems beteiligt sind, ist auch für die entsprechenden Zertifikate im Geschäftsumfeld gesorgt.

App-Publish
Das Werbenetzwerk inMobi nutzt die Macht der Werbefinanzierung, um günstige Mobil-Apps zu ermöglichen – und sie zudem weltweit auf AppStores zu verteilen..

Werbung macht Apps billiger

Das Werbenetzwerk InMobi geht mit “App-Publish” den Markt eher von seiner eigenen Ansicht her an: Mit seiner Lösung würden Android Apps auf mehr als 130 Android AppStores weltweit schnell verbreitet und seien zudem mit geldbringender Werbung der inMobi-Anzeigenkunden ausgestattet. Die “mobile-first Technologieplattform” des Unternehmens führe die Vorteile von Big Data, Nutzerverhalten und cloudbasierter Programmarchitektur zusammen, um Werbung “einfacher zu machen”. So könnten sowohl Werbeagenturen damit Anzeigen in HTML5 erzeugen und verbreiten als auch Entwickler und Publisher von Mobil-Apps 578 Millionen Konsumenten in 165 Ländern erreichen – und die Apps so finanzieren.

Mit Möglichkeiten zur Werbefinanzierung will auch die US-Firma Rovi die Entwickler von Apps ausstatten. Ihr Modul zur In-App-Werbung versieht die Mobil-Anwendungen mit Werbung aus dem eigenen, weltweiten Werbenetz. So haben Entwickler die Aussicht auf einen regelmäßigen Einnahmenstrom.

Das neue myApp Webportal

Auch Microsoft und Intel wollen vom Mobiltrend profitieren

Weniger für die In-App-Werbung als vielmehr für die Verbreitung von Apps hat Microsoft sein Mitmach-Programm “MyApp” konzipiert, das nicht zuleetzt auf die schnelle Aufstockung seines Windows-Phone-8-App-Portfolios abzielt. Klassische Entwickler-Tools wie Visual Studio und das Windows Phone Software Developer Kit kommen kostenlos mit, Microsoft bietet zudem Bewerbung der App in seinem App Store, Einnahmen-Sharing beim Verkauf von Software und Werbung sowie so manches fertige Programm-Modul an.

So einfach wie in den deutschen Webbaukästen ist das allerdings nicht. Microsoft hält sich an seine klassische Tugend, Anlaufstelle für Entwickler zu sein. So ist schon einmal Windows groß geworden und so soll es auch mit Windows Mobile sein.

Als Anlaufstelle für Entwickler sieht sich auch Chip-Riese Intel. Der Konzern steigt auf den fahrenden Mobil-Anwendungszug auf – diesmal allerdings nicht mehr nur mit Compilern und Entwicklungshilfen für die eigenen Prozessoren. Intel bietet vielmehr mit seinem Werkzeugkasten XDX ein plattformübergreifendes Entwicklerset.

intel-xdk

Die App-Development-Software des Chip-Produzenten läuft nur in Googles Chrome-Browser, die Ergebnisse jedoch beruhen auf den offenen Standards HTML5, CSS3 und JavaScript und können so großteils für alle modernen Smartphone-Typen verwendet werden. Kostenfrei bietet Intel hier Video-Tutorials, Emulatoren, die echte Mobilfunumgebungen nachahmen, sowie Hilfen zur Bereitstellung in verschiedenen AppStores.

Die vielen Fertig-Werkzeuge für Einsteiger wie Fortgeschrittene zeigen vor allem Eines: Die Zukunft ist mobil und Programme dafür entstehen nicht mehr nur in Software-Entwicklungshäusern. Mit ein bisschen Geschick können Mitarbeiter in Unternehmen ihre eigenen Mobildienste bauen, ohne auf IT-Spezialisten zurückgreifen zu müssen. Auch der Kreativität privater Nutzer sind durch die leicht verwendbaren Baukästen kaum Grenzen gesetzt.

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