Warum RIM nicht auf Android oder Windows Phone umgestiegen ist

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(Bild: Josh Miler / CBS Interactive)

Blackberry-CEO Thorsten Heins meint, das eigene Betriebssystem helfe, sich von der Konkurrenz abzugrenzen: “Android und Windows Phone waren keine Alternativen”. Mit Android hätte man weniger erreicht als mit Blackberry OS.

RIM-CEO Thorsten Heins hat in einem Interview mit ZDNet.com erklärt, dass für ihn andere Mobilbetriebssysteme nie eine Alternative zu Blackberry OS waren. “Ich bezweifle, dass wir mit einem Umstieg auf Android oder Windows Phone dieselben Dinge erreicht hätten – wir wären nur einer von vielen, der versucht, ein unterscheidbares Erlebnis zu bieten.”

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Blackberry-Chef Thorsten Heins: “Wir sehen jetzt, dass es einen Platz für Blackberry im Markt gibt” (Bild: RIM).

“Als ich übernommen habe, wurde mir oft geraten, zu Android zu wechseln, was bestimmt gut gemeint war”, ergänzte Heins. “Aber mit einer Vision für mobiles Computing und dem Wissen, wohin es mit diesem Unternehmen gehen soll, bin ich stolz auf das, was wir gestartet haben.” Er habe den Chefsessel bei Blackberry nicht nur übernommen, weil er ein Experte für Restrukturierungen sei. “Ich habe die Kerninnovationen von Blackberry geliebt.” Blackberry sei nicht einfach nur ein abgespecktes PC-Betriebssystem.

Für die Konkurrenz hat Heins nach eigenen Angaben aber viel Respekt. Blackberry 10 von Grund auf neu zu entwickeln und nicht auf einem anderen OS aufzubauen sei ein harter Weg gewesen. “Wir sehen aber jetzt, dass es einen Platz für Blackberry im Markt gibt.”

Laut Todd Wood, Senior Vice President für Design bei Blackberry, musste sich der kanadische Handyhersteller von der Konkurrenz absetzen, ohne sein Erbe aufzugeben. “Unsere Chance als Design-Team war es, auf der Vergangenheit aufzubauen, und darüber nachzudenken, wie wir in der Zukunft aussehen sollten”, sagte Wood.

Um Entwicklern den gesamten Bildschirm zur Verfügung stellen zu können, sei mit Blackberry 10 ein OS entwickelt worden, das auf eine Bedienung per Wischen und Gesten angewiesen sei. “Wir haben die Gesten durch Tests und Prototypen weiterentwickelt”, erklärte Don Lindsay, Vizepräsident für User Experience Design. “Das Wischen wurde zum Aufhänger, um zum Hub zu gelangen. Wenn ich die Geste umkehre, bin ich wieder da, wo ich hergekommen bin. Ich kann in einer App sein, mir eine andere App anschauen und wieder zurückgehen, ohne jemals den Kontext zu verlieren.”

Wood ging auch auf die Entwicklung von Smartphones mit reiner Touch-Bedienung ein. “Wir waren nie wirklich glücklich mit Touch-Eingaben – Eingaben auf Glas waren auf Konkurrenzprodukten und selbst auf unseren eigenen Geräten nie zufriedenstellend.” Das Problem sei schließlich in Zusammenarbeit zwischen dem Hardware- und dem Software-Team gelöst worden. Beim Design der Bildschirmtastatur habe man sich an den früheren physischen Tastaturen der Blackberry-Smartphones orientiert. Die einzelnen Tasten seien aber neu entworfen worden. “Wir haben viel Zeit mit Tests verbracht, um die beste Form und Größe für die Tasten zu ermitteln”, sagte Tastatur-Designer Thad White.

Hierzulande ist das Blackberry Z10, das erste Smartphone mit Blackberry OS 10, seit Ende Februar erhältlich. Heins sagte zu dem Zeitpunkt der Agentur dpa, er ziele nicht unbedingt auf einen bestimmten Platz im Smartphone-OS-Ranking ab. “Die Frage für mich ist: Kann ich Kunden gewinnen, bei denen für Blackberry Platz ist, sodass ich eine Firma wirtschaftlich führen kann.”

Die Antwort darauf wird Blackberry wohl erst Ende Juni liefern können. Das Unternehmen legt zwar am 28. März die Bilanz für das Geschäftsjahr 2013 vor, sie enthält aber nur Verkaufszahlen bis zum 2. März 2013. In Großbritannien und Kanada wird das Blackberry Z10 – mit offenbar gutem Erfolg – seit Anfang Februar verkauft, in den Vereinigten Arabischen Emiraten seit 10. Februar. Im US-Markt beginnt der Verkauf jedoch erst in der nächsten Woche.

Das Blackberry Z10 (links) im Vergelich mit dem iPhone 5 (Bild: Josh Miller / CBS Interactive).
Das Blackberry Z10 (links) im Vergleich mit dem iPhone 5 (Bild: Josh Miller/CBS Interactive).

[mit Material von Mary Branscombe, ZDNet.com]