Synology DS413: vielseitiges NAS im Praxistest

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Die NAS-Box Synology DS413 bringt zahlreiche Funktionen mit, die den Einsatz im Heimnetzwerk komfortabel machen. Dazu gehört die Möglichkeit, via DVB-T-USB-Stick Fernsehsendungen zu empfangen und aufzuzeichnen. Im Büro werden Anwender die Verwaltungs- und Backup-Funktionen schätzen.

Synology DS413-01

Boxen für Network Attached Storage – kurz: NAS – bieten längst mehr Funktionen, als der Name vermuten lässt. Lediglich Speicherplatz in einem Netzwerk bereitzustellen, ist für aktuelle Modelle überspitzt formuliert schon zur Nebensache geworden. Das gilt auch für den DS413 von Synology: Dieses NAS dient nicht nur als Fileserver, der sich über alle wichtigen Protokolle ansprechen lässt, sondern auch als Medienserver für Videos, Fotos und Musik, als Videorecorder, Drucker- und Mail-Server, Download-Station und nicht zuletzt Mittelpunkt einer privaten Cloud.

Herzstück des DS413 ist ein PowerPC-Prozessor von Freescale: Der QorIQ P1022 hat zwei CPU-Kerne mit jeweils 1,067 GHz Taktfrequenz und ein Verschlüsselungs-Modul, das Daten auf Verzeichnisbasis mit einem eine 256 Bit starken AES-Chiffrierung sichern kann. Die Verschlüsselung läuft damit hardwareunterstützt ab, was den Prozessor entlastet und die Ver- und Entschlüsselung beschleunigt.

Dem Prozessor steht ein GByte DDR3-Arbeitsspeicher zur Seite. Das alles ist ein einem schwarzen Plastikgehäuse verpackt, das Platz für vier 3,5- bzw. 2,5-SATA-Festplatten mit jeweils bis zu 4 TByte Speicherplatz bietet. Das Gehäuse misst etwa 16 mal 20 mal 22,5 Zentimeter und wiegt unbestückt knapp zwei Kilogramm. Auf der Rückseite sorgen zwei 92-Millimeter-Lüfter, an den Seiten einige Schlitze für ausreichende Kühlung.

Festplatten werden mit Hilfe der Wechselrahmen, die ebenfalls aus Plastik sind, vertikal im Gehäuse arretiert. Dank Hot-Swap-Technologie funktioniert das sogar im laufenden Betrieb. Insgesamt gibt es drei USB-Anschlüsse: ein USB-2.0-Port auf der Vorderseite, zwei USB-3.0-Ports auf der Rückseite. Dazu gesellen sich noch ein eSATA- sowie ein Gigabit-Ethernet-Anschluss für die Verbindung zum Netzwert. Warum der Hersteller nicht durchgängig auf USB 3.0 gesetzt hat, ist fragwürdig, aber zu verkraften.

Äußerlich macht der DS413 nicht den hochwertigsten Eindruck, vor allem die Hochglanzabdeckung, hinter der die Festplatteneinschübe verschwinden, ist schnell mit Fingerabdrücken übersäht. Insgesamt bietet das Gehäuse aber genügend Stabilität und ist für den Einsatzzweck angemessen – allzu große physische Belastungen hat ein NAS ja in der Regel nicht auszuhalten.

Schnelle Installation

Die Verwaltung ist gut strukturiert und übersichtlich (Screenshot: Christian Lanzerath)
Die Verwaltung mit dem DiskStation Manager ist gut strukturiert und übersichtlich (Screenshot: Christian Lanzerath).

Die Installation der Festplatten ist schnell erledigt, ebenso die Einrichtung der Software. Synology stellt dafür den DiskStation Manager bereit, ein NAS-Betriebssystem, das auf Linux basiert und extrem benutzerfreundlich konzipiert ist. Über den Browser spricht der Nutzer den DS413 an und startet die automatische Download- und Setup-Prozedur der aktuellen DSM-Version, derzeit DSM 4.1.

Mit dem Einrichtungs-Assistent geht es anschließend an einige wichtige Aufgaben. Die wichtigste: Die Anordnung der Festplatten. Der NAS unterstützt die RAID-Level 0, 1, 5, 5+Spare, 6 und 10 sowie JBOD und ein von Synology entwickeltes Hybrid RAID (SHR). Letzteres bietet den Vorteil, dass die Gesamtkapazität aller Festplatten bei gleichzeitiger Redundanz (ein oder zwei dürfen ausfallen) optimal ausgenutzt werden, selbst wenn Festplatten unterschiedlicher Größe eingebaut wurden. Zudem ist die Einrichtung von SHR auch für unerfahrene Anwender und mit Hilfe des Assistenten recht einfach.

Benutzerfreundliches Betriebssystem

Der DiskStation Manager läuft komplett im Browser und damit unabhängig vom Betriebssystem der jeweils angeschlossenen Geräte. Er wird aber wie ein moderner Desktop mit Maus und Tastatur bedient: Programmfenster lassen sich neu positionieren und vergrößern, Dateien per Drag-and-drop verschieben. Manko: Die komplette Übersetzung ins Deutsche ist Synology nicht gelungen. An einigen, wenigen Stellen wird man mit englischsprachigen Meldungen konfrontiert.

Große Stärke des DSM ist hingegen sein modularer Aufbau: Über ein Paketzentrum – auf Neudeutsch “App Store” – installiert der User Anwendungen, um den Funktionsumfang des DS413 zu erweitern. So macht man das NAS beispielsweise zum Mail-Server, DLNA-/UPnP-Server, um Fotos, Videos und Musik etwa zum Fernseher zu streamen, oder gar zum Web-Server. Populäre Content-Management-Systeme wie Joomla, WordPress oder Drupal stehen ebenfalls als Paket bereit, um den Einstig zu erleichtern.

Spannend in Sachen “Kommunikation mit der Außenwelt” ist die Möglichkeit, eine eigene private Cloud aufzubauen. Da die Verbindungen über Server von Synology laufen, funktioniert das auch ohne komplizierte Port-Freigaben am Router, an dem das NAS angeschlossen ist. Client-Software für Windows und Mac sorgen dafür, dass Dateien in bestimmten Verzeichnissen stets zwischen dem DS413 und dem Computer synchronisiert werden.

Das Paketzentrum bietet zahlreiche Anwendungen, die sich zusammen mit der NAS-Box nutzen lassen (Screenshot: Christian Lanzerath).
Das Paketzentrum bietet zahlreiche Anwendungen, die sich zusammen mit der NAS-Box nutzen lassen (Screenshot: Christian Lanzerath).

Viele Anwender kennen das schon von Diensten wie Dropbox oder Google Drive. Für Android, iOS und Windows Phone stellt Synology entsprechende Apps bereit, so dass man auch unterwegs an diese Dateien herankommt.

Zugriff von außen

Aus der Ferne lässt sich auch auf den DSM zugreifen, sofern der Router entsprechend konfiguriert ist und Anfragen von außen an das NAS weiterleitet. Der Einrichtungs-Assistent kennt zahlreiche Router-Modelle und kann die Port-Weiterleitungen automatisch einrichten – natürlich für jeden Port getrennt, so dass auf Wunsch nur bestimmte Dienste von außen erreichbar sind.

Auch an den Zugriff von mobilen Geräten - hier einem Android-Smartphone - hat Synology gedacht.
Auch an den Zugriff von mobilen Geräten – hier einem Android-Smartphone – hat Synology gedacht.

Hier zeigt sich das Betriebssystem von seiner benutzerfreundlichen Seite. Unterstützt der Router PPPoE Pass-Through, wählt sich der DS413 sogar selbst ins Internet ein, wenn ihm der Benutzer die Zugangsdaten verrät. Die integrierte Firewall soll dabei für die nötige Sicherheit gegenüber unerlaubten Zugriffen von außen sorgen, und der kostenlose DynDNS-Service von Synology macht das NAS auch bei dynamischer IP-Adressvergabe stets erreichbar.

Einsatz als DVB-T-Empfänger

Eine besondere Neuheit bietet DSM 4.1 gegenüber seinen Vorgängern ebenfalls: Über einen DVB-T-USB-Stick lassen sich Fernsehsendungen empfangen und sogar aufzeichnen. Im Test funktioniert das sogar mit einem Stick, der nicht in der Kompatibilitätsliste aufgeführt ist, einwandfrei. Das TV-Programm streamt die “Video Station” genannte App ins lokale Netz, wo man ihn mit einer passenden Software empfangen kann.

Synology selbst empfiehlt dafür den VLC Media Player, aber prinzipiell funktioniert das mit allen Programmen, die Netzwerk-Streams wiedergeben können. Auf einem Android-Smartphone gelang es uns beispielsweise mit dem MX Player. Von Nachteil ist allerdings, dass Video Station alle Sender über eine einzige Streaming-URL weitergibt. Das bedeutet, dass das Umschalten am Client nicht funktioniert. Wer ein anderes Programm sehen will, muss das über den DSM einstellen – das ist alles andere als komfortabel.

Basics nicht vergessen

Trotz dieser Extras haben die Entwickler nicht die grundlegenden Features eines NAS vergessen: Der DS413 unterstützt die Protokolle NFS, FTP (inklusive SFTP und FTPS), WebDAV (auch über HTTPS) sowie die Dateidienste von Mac und Windows (SMB). Die Einrichtung von Benutzern und Benutzergruppen sowie Zugriffsrechte auf gemeinsame Ordner, die sowohl auf dem internen Speicher wie auch auf externen Festplatten liegen können, geht recht schnell von der Hand.

Die Rückseite der Synology DS 413 - mit Lüftern und den Anschlüssen (Bild: Synology)
Die Rückseite der Synology DS 413 – mit den zwei Lüftern und den Anschlüssen (Bild: Synology).

Dank der Unterstützung von Microsoft Active Directory Service lässt sich der NAS auch in einer Windows-Domäne einbinden und Zugriffsrechte über Access Control List (ACL) steuern. Damit zielt Synology auch auf Business-Kunden, die in kleinen Teams arbeiten, in denen der DS413 als zentraler Speicher dient. Was in diesem Zusammenhang ebenfalls wichtig ist, sind Backups. Der Datensicherungs-Assistent richtet diese auf Wunsch ein und speichert Dateien auf externen Festplatten, per rsync auf ein Ziel im Netzwerk oder per Amazon S3.

Die App “Time Backup” hält gesicherte Dateien in mehreren Versionen vor, so dass der Nutzer auf frühere Versionen zurückgreifen kann. Übrigens ist ein RAID kein Ersatz für eine Datensicherung, da solch ein System nicht gegen Fehlbedienung und Viren resistent ist, sondern nur gegen den (teilweisen) Defekt der Hardware.

Sparsamer Netzwerkspeicher

Die Synology-Box verfügt über einen Ruhemodus, bei dem die Festplatten und der Großteil der internen Elektronik herunterfahren, aber ansprechbar bleiben. Bei unseren Messungen des Energieverbrauchs erreicht der DS413 mit zwei 3,5-Zoll-Festplatten (SHR) unter Volllast einen Verbrauch von 40 Watt, ohne Operationen im Schnitt 32 Watt und im Ruhemodus überzeugende 7 Watt. So ist das Gerät auch für den 24-Stunden-Betrieb bestens geeignet.

Was die Temperatur angeht, haben wir im Innern des Gehäuses zu keiner Zeit mehr als 45 Grad Celsius gemessen – ebenfalls beruhigende Ergebnisse. Die Geräuschentwicklung hängt natürlich auch von den verbauten Festplatten ab. Die Lüfter selbst sind schon deutlich zu hören, wenn sie am Limit arbeiten. Allerdings dürfte das selbst in einer normalen Büroumgebung nicht störend auffallen, zumal ein NAS selten direkt auf dem Schreibtisch steht.

Da die Performance bei der Datenübertragung stark vom eingesetzten Equipment (angeschlossene Clients, Verkabelung, eingebaute Festplatten etc.) abhängt, haben wir auf eine Messung dieser Leistungen verzichtet. Mit dem Dual-Core-Prozessor, einem GByte Arbeitsspeicher, Gigabit-Ethernet und SATA-II-Anschlüssen sollte der DS413 allerdings genügend Leistung bringen, um Dateien flott zu verarbeiten. Das zumindest war unser Eindruck im Test. Im Netzwerk dürften ohnehin eher der Router und die LAN-Kabel den Flaschenhals darstellen.

Fazit

Mit dem DS413 schnürt Synology ein rundum gelungenes NAS-Paket. Ob nun Spielereien wie der Empfang des Fernsehprogramms via DVB-T unbedingt sein müssen, ist Geschmackssache. Wer das Gerät vor allem als Medienserver nutzt, dürfte daran eventuell Gefallen finden.

Seine Hausaufgaben, die klassischen Funktionen eines NAS, vernachlässigt der Testkandidat dafür jedenfall nicht. Verzeichnisdienste, Netzwerkprotokolle, Sicherungskopien und Remote-Zugriff – alle wichtigen Features werden unterstützt und lassen sich dank zahlreicher Einrichtungs-Assistenten auch von Anwendern nutzen, die in Sachen Netzwerktechnik weniger beschlagen sind.

ITespresso_testurteil-sehr_gut

Synology DS413
Hersteller: Synology
Internet: www.synology.de
Preis: ca. 440 Euro (ohne Festplatten)

Note: sehr gut
Leistung (40%): gut
Funktionsumfang (25%): sehr gut
Bedienung (30%): sehr gut
Dokumentation (5%): gut

Lieferumfang
DS413 inkl. vier Wechselrahmen und Schrauben
Netzteil
Netzwerkkabel
Anleitungen und Software-CD