Schlechte Finanzierung verhindert High-Tech-Erfolge des Mittelstands

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Deloitte-Studie Finanzierung

Das Beratungsunternehmen Deloitte kam in einer Studie zu dem Schluss, dass es bei Unternehmen in Deutschland vor allem an der Finanzplanung mangelt. Gerade der Mittelstand hängt zu sehr am Rockzipfel seiner Hausbank. Richtig finanziert, könnten zahlreiche Innovationen besser verkauft werden.

Zusammen mit dem Mittelstandsinstitut der Universität Bamberg hat Deloitte eine Studie zur Finanzierung im Mittelstand heraus gegeben. Die Autoren sprechen darin von “erheblichen Optimierungspotenzialen im mittelständischem Finanzmanagement”.

Mit anderen Worten: Deutsche Mittelständler stehen zwar überdurchschnittlich da im Vergleich zu ihrer internationalen Konkurrenz – aber nur, solange sie nicht schnell mit Geld auf die Volatilitäten im internationalen Markt reagieren müssen. Denn der Studie zufolge ist der deutsche Unternehmer noch immer vor allem von seiner Hausbank abhängig – und nimmt andere Finanzierungsmöglichkeiten viel zu wenig in Anspruch.

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Die meisten Firmen haben nicht vor, zur Finanzplanung einen externen Berater heranzuziehen (Bild: Deloitte).

Aber: “Die Studie zeigt, dass die befragten Mittelständler über das Thema detailliert nachdenken”, meldet Deloitte. Ins Bewusstsein geraten sind die Alternativen also schon. Befragt wurden zahlreiche Unternehmen in Fragebögen und in darauf folgenden Experten-Interviews, in denen auf Einzelheiten eingegangen wurde.

Heraus kam etwa, dass es vielen Unternehmen an einer vollständig integrierten Finanzplanung mangelt, denn die vorhandenen Finanzplanungen stellen häufig nur ein “Nebenprodukt” der Planungsprozesse dar. Unternehmen, hierzulande vor allem auf Technik und deren Umsetzung fixiert, sind in Bezug auf Finanzkompetenz unterschiedlicher Auffassung als die Geld-Experten.

Diese beanstanden, dass Mittelständler bisher kaum oder nur wenig Gebrauch von Finanzierungsalternativen zum klassischen Bankenkredit machen. 83 Prozent der befragten Unternehmen sehen sogar ihre lokale Bank noch als Finanzierungsinstrument Nummer 1.

Und weil die Unsicherheit im Bankensktor derzeit die Kreditvergabe ziemlich erschwert, könnte dies auch das Aus für einige Hightech-Unternehmen bedeuten, die neue Technologien erst einmal im Markt etablieren müssen – und dazu eine (gut geplante) Finanzierung benötigen.

Jürgen Reker, Leiter Mittelstand bei Deloitte, kommentiert, dass sich die momentan labile internationale Konjunktur zunehmend durch höhere Planungsunsicherheit, Volatilität des Umlaufvermögens und Zurückstellung von Investitionen auswirkt: “Eine frühzeitige Planung von Finanzierung und Anschlussfinanzierung samt integrierter Mittelfristplanung ist unumgänglich, um einen professionellen Finanzierungsprozess frühzeitig initiieren und verbindlich realisieren zu können.”

Man müsse den Finanzierungsmix auf Konsistenz mit den geplanten Zielen prüfen, und zwar regelmäßig – so könnten Änderungen beim Umgang mit Leasing oder eine Auflockerung von der Hausbank-Abhängigkeit helfen, Brüche zu vermeiden. Das heiße nicht, dass langfristige Beziehungen zur Hausbank geopfert werden müssten, sagt die Studie. Und ein frühzeitige Bemühen um Refinanzierungs-Alternativen sei von Bedeutung für den Unternehmenserfolg.

Auch eine aktuell gute Lage hilft nicht über künftige Probleme hinweg. Zwischen den Zeilen schreiben die Autoren der Studie, ein Katastrophenplan sei wichtig für die künftige Sicherheit. Eines der Spannungsfelder etwa sei die Liquidität – denn was hilft ein Millionen-Auftrag, wenn er noch nicht teilweise bezahlt ist?

Doch seit der Wirtschaftskrise 2008/2009 befinde sich der Finanzierungsmarkt endlich im Umbruch. Und Unternehmen dächten mehr über andere Finanzierungsmöglichkeiten nach, bewerten die Deloitte-Studienautoren den Trend positiv. Bewerten lassen wollen sie sich aber nicht: 79 Prozent plant keine externe Beurteilung, nur zwei Prozent planen eine solche.

Dafür verwenden Unternehmen ihre Finanzen
An Nachfolgefinanzierung denken die wenigsten Unternehmen, aber immerhin fast ein Drittel denkt über Wachstums-Invesitionen nach. Sonderprojekte werden von den meisten nicht geplant, sondern kommen oft unvorbereitet auf die Firmen zu (Bild: Deloitte).

Die Expansion ins Ausland scheint vielen nicht so wichtig zu sein – und in zwei Drittel der Fälle wird sie von der Muttergesellschaft finanziert. Daran, sich Geld aus dem Expansionsland zu holen, denkt nur ein Drittel.

Bei der Finanzierung von Sonderprojekten (wie etwa einen Web-Auftritt oder den Zukauf neuer Technologien) passt in den meisten Fällen (95 Prozent) die Finanzplanung nicht mit der Realität zusammen. “Eigentlich müsste für Sonderprojekte und insbesondere Akquisitionen ein deutlich angehobener Planungszeitraum von mehr als fünf Jahren angesetzt werden”, mahnt Deloitte.

Auch Finanzierungs-Optionen wie Fördermittel würden viel zu wenig in Anspruch genommen. Und dass man mit Banken Kosten wie Zinsen, Kontoführungsgebühren, Transaktionsgebühren und dergleichen mehr “wegverhandeln” könne, sei den wenigsten klar. Da aber helfe vor allem der Kooperationsgedanke.

Kurz und gut: Gemeinsame Verhandlungen, mehr Planung und die Inanspruchnahme des Know-hows externer Experten hilft dem Mittelstand – der aber derzeit in den meisten Fällen weniger als ein Prozent seiner Kosten für die Finanzplanung aufwendet. Berater, Fördermittel und Venture Capital werden noch zu wenig in Anspruch genommen – doch genau das könnte die Deutschen nach vorne katapultieren – gerade im Hightech-Bereich werden noch zu viele Chancen verschenkt.

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