Ebay räumt Rubrik mit sittenwidrigen Fotos auf

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Die Auktionsplattform hat in der Rubrik “Akt & Erotik” fast 10.000 Auktionen gelöscht. Es handelte sich um Nacktbilder von möglicherweise Minderjährigen oder Bilder, in denen unklar ist, ob das Einverständnis der Abgebildeten vorliegt. Den AGB zufolge hätte der Großteil der Bilder nie angeboten werden dürfen.

Jugendschutz.net hatte Ebay kürzlich mehrere Auktionen mit verdächtigen Inhalten in der Unterkategorie “Akt & Erotik” gemeldet. Bei einigen Fotos sei die Volljährigkeit der weiblichen Modelle zweifelhaft, bei anderen völlig offensichtlich nicht gegeben. Grundsätzlich darf zudem bezweifelt werden, ob die Zustimmung der auf vielen in der Rubrik angebotenen Fotos abgebildeten Personen vorliegt und ob die Verkäufer das Urheberrecht an den Bildern haben.

In einer Unterrubrik bei Kunst & Antiquitäten haben Jugendschützer bei Ebay anstößige Bilder entdeckt - jetzt räumt Ebay den Bereich auf (Screenshot: ITespresso).
In einer Unterrubrik von “Kunst & Antiquitäten” haben Jugendschützer bei Ebay anstößige Bilder entdeckt – jetzt räumt Ebay den Bereich auf (Screenshot: ITespresso).

Jetzt hat der Konzern reagiert: Laut der Süddeutschen Zeitung wurde eine umfassende Löschung veranlasst. Von insgesamt 13.000 Angeboten seien fast 10.000 aussortiert worden. Außerdem, so die Süddeutsche weiter, werde Ebay für in der Rubrik angebotene Bilder einen Mindestpreis einführen: Gewerbliche Händler müssen künftig mindestens fünf, private Verkäufer zehn Euro pro Bild verlangen. Damit sollen Amateure ausgebremst werden: Ein Großteil der Aufnahmen sei bisher für weniger als drei Euro verkauft worden.

Die Geschäftsbedingungen von Ebay schließen solche Angebote eigentlich aus. Offensichtlich haben es die Kontrolleure aber bislang am nötigen Eifer fehlen lassen – oder die in der Rubrik aktive Community hat sich an den Angeboten nicht gestört. Denn laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs hat Ebay keine allgemeine Prüfpflicht, es reicht aus, wenn der Konzern aktiv wird, wenn ein Nutzer sich über den “Melden”-Knopf auf der Auktionsseite beschwert.

Peinlich für Ebay ist das kleine Zubrot mit der Rubrik, in der die meisten Angebote eigentlich gar nicht hätten existieren dürften zudem, weil dem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge auf den Auktionsseiten Werbung geschaltet war – unter anderem von Kunden wie der Bayerische Staatskanzlei und großen Konzernen. Die reagierten empört, dass ihre Anzeigen auf den über Google vermarkten Werbeplätze auftauchten.

Auf Anfrage der Zeitung mahnte Google bei Ebay nun an, dass die Vorgabe, die Anzeigen nur in jugendfreiem Umfeld einzublenden, einzuhalten sei. Ebay liefert seitdem über Google gebuchte Anzeigen nicht mehr in der Rubrik “Akt & Erotik” aus. Das verhindert jedoch nicht, dass bei aktivem AdChoice im kurzen Test von ITespresso dort Anzeigen großer Konzerne auftauchen – etwa von O2 und der Deutschen Telekom.

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