Internetexperten sehen wenig Bedarf fürs Bezahlen per Handy

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Zumindest in Deutschland wird sich mobile Payment in absehbarer Zeit nicht durchsetzen. Das hat jetzt keine skeptische Vereinigung von Technikmuffeln, sondern der ECO, immerhin der Verband der deutschen Internetwirtschaft, als Ergebnis einer Analyse bekannt gegeben.

Es herrscht so etwas wie Goldgräberstimmung beim Mobile Payment – alle wollen sich derzeit ihren Claim abstecken. Anlässlich des Mobile World Congress hat MasterCard den Start seines Dienstes MasterPass bekannt gegeben, Samsung und Visa haben eine strategische Partnerschaft angekündigt, um den Markt aufzurollen und PayPal mischt demnächst auch mit.

(Bild: ITespresso/Peter Marwan)
So schnell wie manche Anbieter das dem Verbraucher weißmachen wollen, werden die Karten und Geldbörsen wohl nicht verschwinden – sagt jetzt der ECO-Verband (Bild: Peter Marwan / ITespresso).

Außerdem gibt es viele kleine Anbieter, die auf den Zug aufspringen, etwa Payleven, YesWallet, Paij aus Wiesbaden, dass seine App zur CeBIT vorstellt, und natürlich die Großen der Branche, also Provider wie Telefónica und Vodafone aber auch die ganz großen der Branche wie Google und Apple die mit “Wallets” auf der Welle mitschwimmen wollen.

Allerding werden sich in absehbarer Zeit mobile Bezahldienste nicht durchsetzen – zumindest nicht in Deutschland. Davon ist Bettina Horster, Leiterin der Kompetenzgruppe Mobile beim ECO, überzeugt. Eine aktuelle Analyse des Verbandes lasse keine anderen Schlüsse zu.

“Deutschland wird im internationalen Vergleich das Schlusslicht beim Bezahlen mit dem Handy sein”, so Horster in einer Mitteilung. Vor allem die große Vielfalt von funktionierenden und etablierten Zahlungssystemen hierzulande und die Skepsis der Deutschen gegenüber einer “virtuellen Geldbörse, aus der das Geld per Funk entschwindet” bringen sie zu ihrer Ansicht.

“Mit Bargeld, Überweisung, Schecks, Lastschriftverfahren, EC- und Kreditkarten wird der Großteil der Bevölkerung auf absehbare Zeit keinen Bedarf an einem neuen Zahlungsmittel haben”, glaubt Horster. Horster sieht derzeit auch kaum Vorteile für den Verbraucher: “Ob ich nun meine Karte oder mein Handy zücke ist in der Praxis kein großer Unterschied.”

Allerdings könnte das auch anders aussehen: “Wenn ich über eine App ein Ticket mobil kaufe und bezahle, es direkt aufs Handy erhalte, vor Veranstaltungsbeginn einen freien Parkplatz und den Weg zum nächstgelegenen Eingang mit der kürzesten Schlange angezeigt bekomme – dann hat sich das mobile Bezahlen für mich gelohnt.”

Aber laut ECO-Analyse mangelt es Anbietern an Ideen für sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten – und vielleicht auch an den Möglichkeiten, diese in allen Fällen mit einer Vielfalt von Partnern umzusetzen. Die derzeitigen Ansätze würden lediglich die Abwicklungskosten für den Händler erhöhen – ohne Mehrwert für den Verbraucher. “Kunden und Handel werden keine Mehrkosten akzeptieren. Die Transaktionskosten dürfen nicht höher liegen als bei einer Kreditkartenzahlung. Zudem sind Fragen etwa zur Haftung bei Missbrauch noch ungeklärt”, so Horster.

Ohne die Unterstützung von Unternehmen wie Amazon, Apple, Google, der Deutschen Telekom, Vodafone, O2 oder Visa und MasterCard sieht die Mobil-Expertin keine Chance für das Bezahlen mit dem Handy in Deutschland. Aber genau diese Firmen stellen sich ja derzeit zum Großangriff auf.

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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