Firefox OS: Mozilla kokettiert mit der Rolle des David

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Mozilla-CEO Gary Kovacs hat auf dem Mobile World Congress in Barcelona den Eintritt in den Markt für Mobilbetriebssysteme verteidigt. Gegen Giganten anzutreten habe bei Mozilla schon Tradition. Und ein paar Firmen können seiner Ansicht nach nicht die Bedürfnisse von mehreren Milliarden Menschen abdecken.

Mozillas CEO hat sich in einer Rede auf dem Mobile World Congress optimistisch geäußert, was die Chancen des kommenden Betriebssystems Firefox OS anbelangt. Da sich in den nächsten fünf Jahren weitere zwei Milliarden Menschen mit dem Internet verbänden, gebe es reichlich Raum für ein weiteres Mobilbetriebssystem, sagte Gary Kovacs. Die derzeitigen Marktführer hätten zwar den Weg bereitet, könnten aber nicht alles abdecken.

 Mozilla-CEO Gary Kovacs (Bild: News.com)
Mozilla-CEO Gary Kovacs bei seiner Rede auf dem Mobile World Congress (Bild: News.com)

“Ich kann unmöglich verstehen, wie die Bedürfnisse von 3, 4, 5 oder 6 Milliarden Menschen von einer oder zwei oder fünf Firmen befriedigt werden sollen, egal was für tolle Firmen das sind”, sagte der Mozilla-CEO. “Hat ein indischer Bauer wohl die gleichen Wünsche und Anforderungen wie ein Rechtsanwalt in New York?”

Gegen die App-Entwicklungs- und Verteilungssysteme von Android und iOS setzt Kovacs auf die Größe des Web, die Firefox OS nutze. Viele Mobil-Apps seien ohnehin nur neu verpackte Informationen, die man auch online finden könne. “Das ist das Web. Wir machen es nur mobil. Damit gehen 10 Millionen startbereite Entwickler einher.”

Kovacs verwies auch auf Mozillas Tradition, es mit den Großen der Branche aufzunehmen. “Wir haben das schon vor zehn Jahren gemacht”, sagte er mit Bezug auf Microsofts Internet Explorer. “Heute ist der Browsermarkt so umkämpft wie nie zuvor in der Geschichte des Internets.” Eine Monopolstellung will Mozilla auch im Mobile Web bekämpfen, wo Apples und Googles Browser dominieren, die beide auf der Engine WebKit basieren.

Mozilla steht allerdings noch vor der Aufgabe, aus brauchbaren, aber für Desktops optimierten Web-Apps solche zu machen, die auch ohne Internetverbindung auf einem Smartphone gut zu nutzen sind. Schon statische HTML-Seiten sehen auf Mobilbildschirmen oft nicht gut aus.

Immerhin kann Mozilla inzwischen 18 Netzbetreiber als Partner vorweisen. Hardware für Firefox OS wollen Alcatel, Geeksphone, Huawei, LG Electronics, ZTE und möglicherweise auch Sony bauen. Erste Geräte kommen in Entwicklungsländern schon im zweiten Quartal auf den Markt.

Im Sommer will die Deutsche Telekom mit dem Verkauf eines Firefox-OS-Smartphones in Polen beginnen, der Marktstart in weiteren europäische Länder ist anvisiert. Und Telefónica bringt Mitte 2013 das ZTE Open in Spanien, Venezuela und Kolumbien auf den Markt.

[mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de]

Christian Heimann, Principal Evangelist bei Mozilla, im Interview zu Firefox OS

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