Dell: vom PC-Hersteller zum Mega-Systemhaus

CloudVirtualisierung

Der einstige PC-Hersteller hat sich in den letzten Jahren radikal gewandelt. In einem stillgelegten Gaswerk in Amsterdam hat Dell jetzt einen Überblick über sein umfangreiches Portfolio an IT-Dienstleistungen und Software-Lösungen gegeben. Hardware spielte dabei nur noch eine Nebenrolle.

Den Menschen im US-Bundesstaat Texas sagt man nach, dass sie gerne Cowboyhüte tragen, täglich ein großes Rindersteak verzehren, eine Vorliebe für Waffen haben und überhaupt alles gern eine Nummer größer sein darf.

Doch das Bild vom schnell schießenden Redneck und konservativen Hinterwäldler ist natürlich nur ein Klischee mit bestenfalls zwei Körnchen Wahrheit. Denn Texas ist ein wirtschaftlich starker und moderner Staat. Hier sind beispielsweise auch die Luft-und Raumfahrtindustrie (NASA) und die IT-Industrie zu Hause.

Vollsortimenter für mittelständische und große Unternehmen

Wie etwa der Hardware-Gigant Dell, der seinen Sitz im texanischen Ort Round Rock hat. Wobei Begriffe wie “Hardware-Gigant” oder gar “PC-Hersteller” bei Dell längst nicht mehr zutreffen. Schon seit mehreren Jahren arbeitet das Top-Management von Dell an einem kontinuierlichen Umbau des Unternehmens, weg vom Hardware-Hersteller, hin zum Anbieter von komplexen Gesamtlösungen und IT-Services. Die in der Branche allgegenwärtigen Trends wie Mobile, Cloud Computing oder Virtualisierung geben dabei die Richtung vor.

Längst hat Dell sich ähnlich wie Fujitsu oder HP zu einer Art Vollsortimenter für mittelständische und große Unternehmen entwickelt, bei dem man von der Sicherheitslösungen über die Management-Software bis hin zu Virtualisierung und Cloud-Computing-Diensten so ziemlich alles kaufen kann. Storage, Server und PCs inklusive.

Um die Ausrichtung von Dell noch deutlicher zu machen, hat das Unternehmen mehr als 100 Journalisten und Analysten nach Amsterdam in ein altes Gaswerk geladen. Eine Phalanx von Topmanagern und Produktmanagern war dafür zuständig, dem Publikum Dells Strategie in der IT-Welt zu erklären.

Dell-Manager und Chefs der Tochterunternehmen stellen die Strategie von Dell vor.
Dell-Manager und Chefs der Tochterunternehmen stellen die Strategie von Dell vor.

Zahlreiche Akquisitionen

Um seine hochgesteckten Ziele zu erreichen, hat das Unternehmen aus Texas in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Firmen gekauft. Die Liste der Akquisitionen ist beeindruckend.

• Januar 2008: Equal Logic, iSCSI-Storage-Lösungen

• November 2009: Perot Systems, IT & Business-Services

• Februar 2010: KACE Networks, System Management

• Februar 2011: Compellent, Unified Storage

• Februar 2011: Secure Works, Sicherheits- und Risikomanagement

• August 2011: Force 10, Netzwerk

• Mai 2012: Wyse, Thin Clients und Desktop-Virtualisierung

• Mai 2012: Sonic Wall, Firewalls und VPN

• Oktober/November 2012: Quest Software, IT-Management-Software

• Oktober/November 2012: Gale Technologies, Software für Infrastruktur- und Automatisierung

• Dezember 2012, Credant Technologies, Storage-Technik

Mehr als 100 Journalisten und Analysten hatte Dell ins Technology Camp geladen.
Mehr als 100 Journalisten und Analysten hatte Dell ins Technology Camp geladen.

Ausgerüstet mit dieser Armada an Tochterunternehmen und Spezialisten bietet Dell nun ein Komplettangebot für die moderne IT-Welt. Die Dell-Vertreter im Gaswerk Amsterdam konnten das ganze ABC der IT-Schlagwörter durchbuchstabieren, von A wie Active Infrastructure und B wie Big Data über D wie Desktop-as-a-Service und H wie High Performance Computing bis hin zu S wie Systems Management und V wie Virtualisierung und schließlich Z wie zentrales Reporting.

Einfach, flexibel, skalierbar

Die Ziele der IT-Architektur lassen sich im Wesentlichen in drei Punkten zusammenfassen: Vereinfachung, Flexibilität und Skalierbarkeit. Der IT-Verantwortliche soll sich in Zukunft weniger um alltäglichen Kleinkram wie Kompatibilität der Daten zwischen Anwendungen oder Plattformen oder Updates kümmern müssen, und mehr darum kümmern können, die Mitarbeiter mit einem jeweils maßgeschneiderten IT-Dienst zu versorgen (Vereinfachung).

Da kann es beispielsweise darum gehen, einem Mitarbeiter für eine bestimmte Aufgabe zwei Tage lang mehr Rechenpower zuzuteilen (Skalierbarkeit), die mobilen Tablets eines externen Teams schnell ans Netzwerk anzubinden oder einem Web-Entwickler übers Wochenende Zugriff auf einen MySQL-Datenbank zu geben (Flexibilität).

Schnell skalierbare Storage-Systeme spielen in Dells IT-Konzept eine zentrale Rolle.
Schnell skalierbare Storage-Systeme spielen in Dells IT-Konzept eine zentrale Rolle.

Grenzen zwischen Speicher und Server schwinden

Dabei sollen auch die Grenzen zwischen den Bereichen Server, Speicher und Datenübertragung immer mehr miteinander verschmelzen, um dementsprechend alle IT-Dienste nahtlos und flüssig an die Nutzer liefern zu können. Für den Vertrieb dieser komplexen IT-Systeme setzen die Dell-Manager im Raum EMEA auf mehr als 1000 Channel-Partner.

Schauplatz von Dells Technology Camp 2013: ein altes Gaswerk in Amsterdam.
Schauplatz von Dells Technology Camp 2013: ein altes Gaswerk in Amsterdam.

Gigantischer Gerätepark

Auch wenn der letzte Quartalsbericht von Dell insgesamt einen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahresquartal verzeichnet, im Enterprise-Markt scheinen die Geschäfte gut zu laufen. So konnte das Unternehmen nach eigenen Angaben auf dem Enterprise-Markt nicht nur einen steigenden Umsatz, sondern innerhalb von sechs Monaten ein Wachstum um elf Prozent verbuchen.

Seinen Ursprung als Hardware-Hersteller hat das Unternehmen auch im Zeitalter von Virtual Desktops und Cloud Computing nicht vergessen. Alle Software-Lösungen laufen natürlich bevorzugt auf Poweredge-Servern, Power-Vault-Speichern, Optiplex-PCs und all den anderen Modellen aus dem nach wie vor gigantischen Gerätepark Dells. Die Vorliebe für schwere Geräte lassen sich die Texaner eben nicht nehmen.