ESA experimentiert mit Mondstation aus dem 3D-Drucker

Zum Einsatz kam dabei ein sechs mal sechs Meter großer 3D-Drucker der britischen Firma Monolite. Dieser erstellte allerdings noch keine kompletten Gebäude, sondern erst einmal einen vom Architektürbüro Foster+Partner entworfenen Baustein. Als “Druckmaterial” diente eine dem Mondstaub ähnliche Mischung.

von Peter Marwan 0


Die Europäische Raumfahrtorganisiation ESA hat zusammen mit Partnern aus der Industrie erprobt, wie sich mit 3D-Druckern künftig Gebäude auf dem Mond errichten lassen. Der Clou daran: Statt alles Baumaterial auf den Mond zu schießen, soll der 3D-Drucker auf Material zurückgreifen, was sich bereits auf dem Mond befindet.

So stellt sich das Architektenbüro Foster+Partner die künftige Mondbasis aus dem 3D-Drucker vor (Bild: Foster+Partner).

So stellt sich das Architektenbüro Foster+Partner die künftige Mondbasis aus dem 3D-Drucker vor (Bild: Foster+Partner).

“3D-Druck auf der Erde hat schon komplette Gebäude hervorgebracht”, erklärt Laurent Pambaguian, Leiter des Projektes bei der ESA. “Unser Team hat untersucht, ob die Technologien auch eingesetzt werden könnte, um Unterkünfte auf dem Mond zu erstellen.”

Der verwendete Drucker stammt von der britischen Firma Monolite, die ihre Geräte unter dem Markennamen D-Shape vermarktet. Die sechs mal sechs Meter große Maschine arbeitet mit Sand oder einem anderen Material, in dem Fall Mondstaub, das in Schichten von 5 bis 10 Millimetern aufgebracht wird, die mit Klebemittel besprüht werden. Jede Schicht braucht einige Stunden, um auszuhärten. Bisher wurden damit zum Beispiel Skulpturen oder Designer-Gartenpavillions hergestellt.

“Zuerst mischten wir das simulierte Mondgestein mit Magnesiumoxid. Dadurch erhielten wir das ‘Papier’ mit dem wir drucken können” erklärt Monolite-Gründer Enrico Dini. “Als unsere ‘Tinte’ verwenden wir bindefähige Salze, die dem Material eine gesteinsähnliche Festigkeit verleihen.”

Die Realität sieht derzeit allerdings noch so aus: Der 1,5 Tonnen schwere "Ziegel" aus dem simulierten Mondstaub (Bild: ESA).

Die Realität sieht derzeit allerdings noch so aus: Der 1,5 Tonnen schwere “Ziegel” aus dem simulierten Mondstaub (Bild: ESA).

Die derzeitige 3D-Druckmaschiene von Monolite schafft ungefähr 2 Meter pro Stunde. Die nächste Generation soll laut Dini rund 3,5 Meter in derselben Zeit schaffen. Ein komplettes Gebäude könnte damit seiner Schätzung nach in einer Woche fertiggestellt sein.

Wie diese Gebäude aussehen sollen, hat sich im Auftrag der ESA das bekannte Architekturbüro Foster + Partners überlegt. Das hat sich für eine Kuppelstruktur entschieden, deren Wände von innen eine wabenartige Struktur besitzen. Damit soll das Gebäude gegen Kleinasteroiden und Strahlung geschützt sein. Als weitere Sicherheit ist eine aufblasbare Halle vorgesehen um den künftigen Mondbewohnern Schutz zu gewähren.

“3D-Druck bietet das Potenzial, die Besiedlung des Mondes mit geringerem logistischen Aufwand zu bewältigen,” meint Scott Hovland vom Programm der ESA für bemannte Raumfahrt. “Die Möglichkeiten, die diese Arbeiten aufzeigen können nun von internationalen Weltraumorganisationen für die Ausarbeitung einer gemeinsamen Strategie für die Monderforschung verwendet werden.”

Bei den die Kuppel tragenden Rippen hat sich Foster+Partner von Vogelknochen inspirieren lassen: Sie sind hohl bieten so einen guten Kompromiss zwischen Gewicht und Stabilität (Bild: Foster+Partner).

Bei den die Kuppel tragenden Rippen hat sich Foster+Partner von Vogelknochen inspirieren lassen: Sie sind hohl und bieten so einen guten Kompromiss zwischen Gewicht und Stabilität (Bild: Foster+Partner).

Bis es soweit ist, wird es aber noch etwas dauern. Denn zwar sehen die vom Architekturbüro Foster vorgelegten Bilder schon sehr schön aus, das tatsächliche Ergebnis des Druckens mit Mondstaub ist aber wesentlich prosaischer: Es handelt sich um einen 1,5 Tonnen wiegenden Ziegel aus dem künstlich hergestellten Mondgestein.

Die nun vorgestellten Ergebnisse untermauern jedoch die ITespresso-Prognose, dass 2013 3D-Drucken auf dem Weg zum Massenphänomen. Wesentlich näherliegende Einsatzgebiete als in der Mondbesiedlung gibt es in der Medizin, im sogenannten Rapid Prototyping oder auch bei der Herstellung von Ersatzteilen und vielen anderen Gütern, die sich Verbraucher, entsprechend niedrige Preise für das Druckmaterial vorausgesetzt, auf Grundlage von frei verfügbaren Plänen daheim selbst ausdrucken könnten.

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