Psychologen entdecken Facebook-Profil als Diagnosewerkzeug

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Wissenschaftlern an der Universität Missouri ist es in einer Studie gelungen, seelische Erkrankungen mit bestimmten Verhaltensmustern auf sozialen Netzen – also insbesondere Facebook – in Verbindung zu bringen. Ihrer Ansicht nach hilft die Auswertung eines Facebook-Accounts dabei, Patienten besser zu verstehen.

Ein Team der Universität Missouri hat jetzt nachgewiesen, dass sich gewisse seelische Probleem auch an den Aktivitäten auf Facebook ablesen lassen. Die Studie mit dem Titel “Social networking profile correlates of schizotypy” hat die Profile von Studenten ausgewertet, die unter sozialer Anhedonie, Wahrnehmungsstörungen, Wahnvorstellungen oder unter Paranoia leiden beziehungsweise entsprechende Tendenzen haben.

Die Bundeskanzlerin beschränkt sich auf ihrer Facebook-Fanpage auf eigene Bilder - aber aufgrund der exponierten Position von Frau Merkel gibt das für eine psychologische Analyse wahrscheinlich nicht viel her  (Screenshot: ITespresso.de).
Die Bundeskanzlerin beschränkt sich auf ihrer Facebook-Fanpage auf eigene Bilder – aber aufgrund der exponierten Position von Frau Merkel gibt das für eine psychologische Analyse wahrscheinlich nicht viel her (Screenshot: ITespresso.de).

Unter “sozialer Anhedonie” leiden Patienten, die auf soziale Einflüsse nicht mehr positiv reagieren können. Laut der Studie haben solche Patienten weniger Freunde, weniger Fotos von sich selbst und brauchen länger als andere, um zu kommunizieren.

Dagegen stellten die Forscher zwischen Extraversion, der Zahl der Freunde, der Zahl von Fotografien von sich selbst und der Zahl von Wallposts anderer einen Zusammenhang her. Extrovertierte Persönlichkeiten sind also auf Facebook aktiver als der Durchschnitt. Das klingt zunächst wenig überraschend. Dennoch glauben die Forscher, mit dieser Studie einen wertvollen Beitrag für die Forschung leisten zu können.

“Das Schöne an der Aktivität in sozialen Medien als psychologisches Werkzeug in der Diagnose ist, dass dadurch einige Probleme aufgehoben werden, die mit den Angaben von Patienten über sich selbst zusammenhängen”, erklärt Elizabeth Martin, Doktorandin und Leiterin der Studie. Die Antworten der Patienten oft unakkurat oder eingefärbt. Über die Aktivitäten, die sie auf Facebook mitteilen, könnten Psychologen besser sehen, wie sich Patienten “natürlich” verhalten. Es sei auch interessant zu sehen, über welche Bereiche diese Personen nicht bei Facebook kommunizieren.

Bevor die Forscher die Auswertung von sozialen Netzwerken tatsächlich für die Diagnose heranziehen können, sind jedoch noch weitere Studien nötig. Dennoch hat die Studie in einem ersten Schritt zeigen können, dass es einen Zusammenhang gibt, und dass es vielleicht auch aus psychologischer Sicht Sinn machen könnte, hier genauer hinzuschauen.

Übrigens: Das häufige Posten von Bildern der demnächst aufzunehmenden Nahrung, von sich selbst im Spiegel oder überproportional häufige Hinweise auf Katzenvideos können zwar das soziale Gefüge erheblich stören, sind aber nach Ansicht der Redaktion in der Regel nicht als krankhaft einzustufen.

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[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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