München verteidigt Linux-Einsatz gegen kritische Studie

Einer von Microsoft unterstützten, Medien zugespielten Untersuchung zufolge, sind die von der Stadt angegebenen Einsparungen in Höhe von 11 Millionen Euro “nicht plausibel”. Der städtische IT-Dienstleister weist jetzt den Vorwurf der Verschwendung von Steuergeldern zurück und zweifelt die Aussagekraft der Studie an.

von Peter Marwan 2


Die Stadt München hat zu einer kürzlich veröffentlichten Studie Stellung genommen, die ihr Linux-Projekt scharf angreift. In seiner letzten Ausgabe hatte Focus Money aus der nicht veröffentlichen Untersuchung zitiert, die dem Blatt zufolge von HP im Microsoft-Auftrag durchgeführt wurde.

Laut Focus stellt die Studie den Einsatz von Windows XP und Office 2003 dem von Ubuntu und OpenOffice.org gegenüber. Ohne Lizenzgebühren beliefen sich die Kosten für die Microsoft-Produkte demnach in zehn Jahren auf 17 Millionen Euro. Die Open-Source-Variante soll hingegen mit 60,7 Millionen Euro zu Buche schlagen. Die von der Stadt angegebenen Einsparungen durch die Migration der Verwaltungsrechner auf Linux in Höhe von 11 Millionen Euro seien unglaubwürdig.

Karl-Heinz Schneider, Chef des städtischen IT-Dienstleisters IT@M, sagte in einer Pressemitteilung jetzt dazu: “Selbstverständlich werden wir uns mit dieser Kritik gerne auseinandersetzen. Ich habe deshalb Microsoft sofort aufgefordert, uns diese Studie zur Verfügung zu stellen. Was ich bislang der Presse entnehmen konnte, wirft allerdings erhebliche Zweifel an der Aussagekraft der Studie auf.”

Schneider zufolge lässt die Studie allerdings schon einmal den Löwenanteil der Einsparung in Höhe von fast sieben Millionen Euro einfach unter den Tisch fallen. Nicht zutreffend sei zudem, dass vor rund zehn Jahren keine Migration nötig gewesen wäre, habe Microsoft damals doch den Support für Windows NT aufgekündigt, das zu diesem Zeitpunkt das Standard-OS bei der Stadt gewesen sei.

“Eine Migration auf ein neues Betriebssystem war also unvermeidlich”, stellt Schneider klar. Gerade der Support-Stopp habe ja zu der Entscheidung zugunsten von Linux geführt. Unzutreffend ist laut Schneider auch die Behauptung, die Stadt hätte die Kosten des aktuellen Windows 7 mit einer zehn Jahre alten Linux-Version verglichen. Man habe den verwendeten LiMux-Client über die Jahre angepasst. Die aktuelle Version brauche den Vergleich zu Windows 7 nicht zu scheuen.

Im Focus erklärte der für die Studie verantwortliche HP Solution Architect Jan-Jürgen Eden hingegen, dass “alle Fachverfahren nicht auf Linux migrierbar” seien. Daher laufe noch jeder vierte Verwaltungsrechner unter Windows.

Schneider räumt zwar ein, dass tatsächlich nicht alle Fachverfahren auf Linux portierbar seien, betont aber, dass es bei Weitem nicht alle seien. Webfähige Fachverfahren seien ohne Umwege auch unter Linux nutzbar, andere könnten mit Standard-Technologien ebenfalls mit LiMux verwendet werden. 13.000 der insgesamt 15.000 Computer seien inzwischen von Windows auf Ubuntu umgestellt worden.

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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Autor: Peter Marwan
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2 Antworten zu München verteidigt Linux-Einsatz gegen kritische Studie

  • 24. Januar 2013 à 15:56 von Master of Desaster

    Tja, Microsoft brennt halt der Kittel.
    Solche Studien

    FUD (Fear, Uncertainty and Doubt), wer hats erfunden?
    Microsoft.

    Und warum sonst wohl gibt es die verzeifelte Micrsoft Markterhaltungsmassnahme UEFI?

  • 24. Januar 2013 à 16:02 von aucheiner

    Große Handelsketten nehmen auch beides wobei der AIX/UNIX/Linux-Anteil gewaltig ist. Im Ubuntu ist es oft hilfreich die Funktionen zu nutzen ohne Windows zu suchen oder im Zweifel google zu fragen: Ersatz für… Immerwieder staunt man was möglich ist. Gutes Beispiel ist vlc. Wärend andere Anwendungen aufwendige Codece brauchen, spielt vlc schon längst die Datei ab.

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