Prognosen für 2013: Die zehn wichtigsten Cloud-Trends

Es besteht kein Zweifel, Cloud Computing wird uns als Megatrend auch 2013 begleiten: Schon heute gibt es kaum noch IT-Anbieter, die nicht Cloud-Lösungen in ihr Portfolio aufgenommen hätten. Aber gerade kleinere und mittelständische Unternehmen zeigen sich häuifig noch skeptisch. Dabei spricht viel für die Datenwolke.

von Stefan Girschner 0

Die Akzeptanz von Cloud-dominierten IT-Infrastrukturen bei KMUs wird sich auch in diesem Jahr verbessern. Nicht zuletzt die Mitarbeiter mit ihrem Wunsch nach flexiblen und modernen Arbeitsmodellen forcieren die Einführung von Cloud-Diensten. Für ein weiter ansteigendes Wachstum beim Umsatz mit Cloud-Lösungen und -Services spricht auch die Entwicklung, dass immer mehr Cloud-Anbieter ihre Hausaufgaben gemacht haben, indem sie auf die Wünsche und Anforderungen der Anwender eingehen. ITespresso hat die Einschätzungen von Herstellern und Beratungshäusern zu Cloud-Trends zusammengefasst und präsentiert Ihnen hier die zehn interessantesten Cloud-Trends für 2013.

Trend 1: Kleinere Unternehmen setzen verstärkt auf Cloud Computing

Laut den Marktforschern von IDC wird Cloud Computing von großen Unternehmen als neues Computing-Paradigma verstanden. Obwohl der Bedarf nach flexiblen IT-Lösungen bei kleinen und mittelständischen Unternehmen häufig viel höher ist, sind dort Cloud-Dienste meist noch nicht so verbreitet.

Viele Firmenlenker wissen auch nicht, welches Potenzial hinter Cloud Computing steckt. Hier die laut IDC zehn wichtigsten Faktoren, warum Cloud Computing seinen Weg in KMUs finden wird:

  1. Unternehmen benötigen kein eigenes Netzwerk mehr
  2. Die Wartungskosten für Anwendungen und Services sind geringer als bei Client-Server-Systemen
  3. Geschäftskritische Daten sind jederzeit und über verschiedene Kanäle verfügbar
  4. Mitarbeiter können mobil auf benötigte Daten und Anwendungen zugreifen
  5. Neue Anwendungen können innerhalb kurzer Zeit in Betrieb genommen werden
  6. Vorhandene Anwendungen und Services sind auf- und abwärts skalierbar
  7. Die Kosten für Cloud-Dienste sind für den Kunden transparent
  8. Daten und Anwendungen werden über die Cloud sicher und redundant bereitgestellt
  9. Unternehmen können auf einen verbesserten Kundenservice zugreifen
  10. Die betriebliche Effektivität und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens wird verbessert

Trend 2: Cloud Computing wird immer sicherer

Einer der hartnäckigsten Vorbehalte gegenüber Cloud Computing heißt mangelnde Datensicherheit und Datenschutz. Ein Public-Cloud-Dienst eines professionellen Anbieters schützt allerdings in den meisten Fällen besser vor Angriffen aus dem Web und dem Diebstahl von geschäftskritischen Daten oder fehlerhaften Anwendungen als eine firmenintern betriebene IT-Infrastruktur.

Auch bei den Datenschutz-Anforderungen haben die großen Service-Provider deutlich nachgelegt und bieten heute sehr hohe Sicherheitsstandards an. Dies schließt auch auf die ständig zunehmenden Compliance-Verpflichtungen ein, nach denen Firmen gesetzliche und brancheninterne Vorgaben zum Datenschutz einhalten müssen.

Mithilfe aktueller Verschlüsselungstechnologien können zudem die Daten vor unberechtigtem Zugriff (auch seitens der Provider) geschützt werden. Ausgereifte IT-Sicherheitslösungen gibt es derzeit in großer Zahl, im nächsten Jahr wird es vor allem darum gehen, mithilfe dieser die Cloud-Dienste abzusichern.

Trend 3: Nur klassifizierte Daten in die Cloud auslagern

Wie die Nationale Initiative für Informations- und Internet-Sicherheit e.V. (NIFIS) festgestellt hat, lohnt sich Cloud Computing im Unternehmenseinsatz in der Regel nicht, weil der dafür notwendige Aufwand zur Identifizierung der in der Cloud speicherbaren Daten höher ist als die Kostenersparnis, die sich durch Auslagerung an externe Dienstleister ergibt. Unternehmen sollten daher genau prüfen, welche Daten zu sensibel sind, um sie in die Cloud auszulagern.

Eine Klassifizierung der vorhandenen Daten sollte laut NIFIS immer dann erfolgen, wenn ein neue Anwendung oder ein neuer Dienst als Cloud-Lösung bezogen werden soll. Wie NIFIS-Vorstandsmitglied Mathias Gärtner erklärt, ist die “für gesetzestreues Cloud-Computing erforderliche Klassifizierung nach geeigneten und nicht geeigneten Daten noch schwieriger als bei der E-Mail-Archivierung und daher nach heutigem Stand der Technik nicht automatisierbar. Sobald man jedoch den manuellen Bearbeitungsaufwand einkalkuliert, lohnt sich Cloud Computing in der Regel schlichtweg nicht.” Firmen sollten daher genau prüfen, welche Daten sie Cloud-Anbietern anvertrauen möchten.

Trend 4: Durchbruch für Cloud Storage

Ein Cloud-basiertes Storage-System unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung von Mobilität und sicheren Datenzugriff. Acronis, Hersteller von Disaster-Recovery- und Data-Protection-Lösungen, sieht im Cloud Storage eine wesentliche Rolle für die IT-Strategien des nächsten Jahres. Mit dieser Technologie könnten Unternehmen am besten die Anforderungen an Datenverfügbarkeit erfüllen, die Sicherheitsrisiken mobiler Nutzungsszenarien minimieren und das steigende Datenwachstum in den Griff bekommen.

2013 wird die Cloud laut Acronis noch mehr Einfluss auf den Geschäftsbetrieb nehmen als bisher, insbesondere durch die Möglichkeiten von Cloud Storage. Den Anforderungen an eine kosteneffiziente Speicherlösung werden am ehesten hybride Infrastrukturen gerecht, die On-Premise- und Cloud-Umgebungen nahtlos integrieren.

“Die Notwendigkeit, mehr Daten zu erstellen, zu speichern und darauf zuzugreifen, sowohl von klassischen als auch von mobilen Endgeräten, macht traditionelle Lösungen für Storage und Datensicherung unzeitgemäß, unflexibel und teuer”, ist Alan Laing, Vice President EMEA bei Acronis überzeugt.

Trend 5: Die Arbeitsplätze kommen direkt aus der Cloud

Vorreiter bei der Nutzung von Desktop-as-a-Service sind derzeit vor allem kleinere und mittelständische Unternehmen, die diese neue Technologie als Wettbewerbsvorteil nutzen. Mithilfe von Cloud-Lösungen lassen sich solche Projekte schneller umsetzen als mit konventionellen Lösungen. Zudem profitieren Unternehmen davon, dass sie auf umfangreiche Softwarepakete mit hoher Qualität zugreifen können.

Aber auch die Flexibilität der Mitarbeiter spielt eine wichtige Rolle. Cloud-Arbeitsplätze sind attraktiver und können Unternehmen auch bei der Rekrutierung neuer Fachkräfte unterstützen. Denn gerade die IT in kleineren und mittelständischen Unternehmen hatte bisher vor allem bei jüngeren Bewerbern nicht den besten Ruf. Cloud-Lösungen wie Desktop-as-a-Service können im “War of Talent” – also dem Kampf um die richtigen Mitarbeiter – entscheidend sein und die Zufriedenheit aller Mitarbeiter erhöhen, denn diese können dann von überall über einen Browser auf ihren Arbeitsplatz zugreifen. Desktop-as-a-Service, wie sie zum Beispiel netzbest GmbH mit ihrer IT-as-a-Service-Lösung netzdesk anbietet, ermöglicht Unternehmen die Einführung neuer Arbeitskonzepte.

Trend 6: Cloud-Dienste sorgen für Mobilität

Immer mehr Mitarbeiter nutzen ihre privaten Geräte für ihre Arbeit. (Bild: Seven Principles AG)

Bei der Einführung eines Konzeptes für Bring your own Device steht das Einsparpotenzial meist an erster Stelle. Zum einen werden die Kosten für die Anschaffung von Notebooks, Smartphones und Tablets reduziert oder entfallen ganz. Zum anderen werden Support- und Servicekosten reduziert, da die Mitarbeiter durch die Auseinandersetzung mit den eigenen Geräten zur selbstständigen Fehlerbehebung ermutigt werden. Außerdem ersetzen Anleitungen und Wissensdatenbanken teilweise den klassischen IT-Support.

Außer dem Unternehmen profitieren aber auch die Mitarbeiter von einem Mobilitätskonzept. So können Unternehmen eine finanzielle Unterstützung beim Neukauf von Hardware anbieten. Geräte für Privatanwender sind meist günstiger und besser ausgestattet als Business-Modelle, davon profitieren sowohl Arbeitgeber als auch Mitarbeiter, sind die Berater von 7P Solutions & Consulting überzeugt. Nichtsdestotrotz sollte der Einsatz von privaten Geräten im Unternehmen durch Richtlinien abgesichert werden, die insbesondere den Umgang mit geschäftlichen und privaten Daten festschreiben.

Trend 7: Private Cloud überrundet Public Cloud

Lange Zeit galt das Modell der Public Cloud als Maß aller Dinge. Da jedoch kleine und mittelständische Unternehmen in der Regel über heterogene IT-Infrastrukturen sowie Anwendungs- und Prozesslandschaften verfügen, stellt die Private Cloud in vielen Fällen das bessere Konzept dar. Das belegt auch eine Studie über die veränderte Wertschöpfung in der Cloud, die das Beratungshaus Seven Principles gemeinsam mit Lünendonk erstellt hat.

Demnach bevorzugt eine Mehrheit von bis zu 50 Prozent (je nach Fragestellung) der Unternehmen Services aus der Private Cloud. Für Public Cloud Services sprachen sich bis zu zwölf Prozent der Befragten aus. Die Mischung aus beiden Konzepten in Form der Hybrid Cloud bevorzugen maximal 16 Prozent der Teilnehmer. “Die Entwicklung führt weg von internationalen Public Clouds, speziell wegen gesetzlicher Anforderungen und Problemen bei der Integration in bestehende Infrastrukturen. Vermehrt werden echte Private Clouds nachgefragt”, lautet das Fazit von Kai Höhmann, Vorstand der Seven Principles AG. Auch unter Datenschutz-Aspekten kann die Private Cloud ihre Vorteile gegenüber der Public Cloud ausspielen.

Trend 8: Cloud-Plattformen beschleunigen die Software-Entwicklung

(Bild: shutterstock / caliber_3D)Im kommenden Jahr wird die Bedeutung von Applikationen für die Geschäftswelt weiter zunehmen. Bereits dieses Jahr wurde von technischen Innovationen in der Software-Entwicklung und -Bereitstellung sowie der IT-Systemadministration geprägt. Zu den neuesten Trends zählen laut Serena Software, Anbieter von Application-Lifecycle-Management-Lösungen, die Zusammenführung von Software-Entwicklung und IT-Betrieb sowie die IT-Orchestrierung zur besseren Koordinierung von Geschäftsprozessen und dazugehörigen Diensten.

 

Serena Software geht davon aus, dass 2013 auch die größten und konservativsten Unternehmen, die sich Cloud-Plattformen bisher verschlossen haben, die Entwicklungsphasen in ihren Bereitstellungszyklen auf die Cloud verlagern werden. Diese werden allem eine hybride Herangehensweise wählen, bei der Public-Cloud-Strukturen für Test-Zwecke und eine private Cloud-Infrastruktur oder eigene Ressourcen für die Produktiv-Bereitstellung zum Einsatz kommen. So lassen sich die Anforderungen an Sicherheit und Kontrolle am besten gewährleisten, denn die gesamte Softwareproduktion findet so in einer geschlossenen Umgebung statt.

Trend 9: Durchbruch für Public-Platform-as-a-Service

IDC erwartet für 2013 eine regelrechte Explosion bei der Anzahl der PaaS (Public-Platform-as-a-Service)-Angebote. Die Analysten gehen davon aus, dass sich der Markt innerhalb des Software-Stacks nach oben bewegt und “horizontale” PaaS durch Plattformen auf der Grundlage von Open-Source-Infrastrukturen zum Massenprodukt werden.

Im Bereich der branchenspezifischen PaaS-Angebote werden Cloud-basierende Shared-Service-Umgebungen entsprechend den Anforderungen einzelner Branchen angepasst. Außerdem werden auf Branchen spezialisierte Lösungsentwickler eine Reihe von Mehrwertdiensten und -lösungen auf diesen Plattformen entwickeln und ausrollen.

Neben dem zunehmenden Einsatz mobiler Geräte und Apps wird insbesondere die Migration in Richtung SaaS und branchenspezifischer PaaS zu tiefgreifenden Änderungen in den Rechenzentren und IT-Organisationen führen. IDC geht davon aus, dass 2013 konvergente Systeme, also die Kombination aus Server, Storage, Netzwerksystemen sowie der Management-Software und Software Defined Networking den Durchbruch schaffen.

Trend 10: Industriestands für Cloud Computing etablieren sich

Das Umfeld von Normen und Standardisierungen im Cloud Computing gewinnt zunehmend an Eigendynamik. Bisherige Bemühungen zur Standardisierung von Cloud-Lösungen stecken konzeptionell in den Kinderschuhen, da ein Mangel an einheitlichen Definitionen ein zielorientiertes gemeinsames Handeln behinderte, wie einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums zu entnehmen ist.

Die derzeit wichtigsten Standardisierungsorganisationen im Cloud-Computing-Bereich im Überblick (Bild: BMWi)

Die Verbreitung anwendbarer und genutzter Standards für das Cloud Computing werde zudem durch ungeeignete nationale Regeln oder deren Harmonisierung sowie durch unzureichende technische Konvergenz erschwert. Neue Standardisierungsansätze wie OCCI, OVF, OpenStack oder CDMI werden auch für Cloud-Lösungen immer wichtiger. Organisationen wie die EuroCloud Deutschland werden den inzwischen anerkannten EuroCloud Star Audit für Cloud Services um zusätzliche Elemente der Qualitätssicherung erweitern.

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