Onlinemarktplatz sellbuy-b2b.de: OpSec Security prangert Geschäftspraktiken an

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(Bild: shutterstock / Alex Staroseltsev)

Ähnlich wie sein berüchtigtes Pendant Melango.de lockt auch sellbuy-b2b.de Kunden mit besonders günstiger Konkurs- und Retourware. Kostenhinweise sind versteckt, die AGB schlecht lesbare. Dadurch tappen viele unvorsichtige Nutzer in die Kostenfalle gelockt. Und manche erhielten sogar Rechnungen, obwohl sie sich gar nicht für den Marktplatz registriert hatten.

Die Markenschützer von OpSec Security haben dem Betreiber der Website sellbuy-b2b.de die Negativauszeichnung “Das Schwarze Schaf” des Monats Dezember verliehen. Gerügt wird, dass er ähnlich wie Melango.de Kunden in eine Kostenfalle lockt. Der B2B-Marktplatz bietet unter anderem Konkursware, Retourware und Restposten zu besonders günstigen Preisen an. Dass er sich ausschließlich an Gewerbetreibende richtet, ist zwar auf der Homepage ausreichend kenntlich gemacht, allerdings lassen die Kostenhinweise und Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) OpSec zufolge zu wünschen übrig.

Um die Angebote von sellbuy-b2b.de nutzen zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Das Anmeldeformular enthält zwar einen Hinweis auf die Kosten, dass diese jedoch monatlich anfallen und im Voraus für eine Mindestvertragslaufzeit von 24 Monaten bezahlt werden müssen, findet sich nur im Kleingedruckten. So kann ein Betrag von gut 500 Euro zusammenkommen, der vor dem ersten Einkauf bezahlt werden muss.

Die Gestaltung des Anmeldeformulars lasse die Vermutung zu, dass der Betreiber der Seite absichtlich von den Kosten ablenken möchte, so OpSec. Sowohl die Schriftfarbe – ein leseunfreundliches Orange vor einem hellgelben Hintergrund – als auch die äußerst kleine Schriftgröße deuteten darauf hin. Auch die AGB seien bezüglich der Schriftart und -größe äußerst leseunfreundlich.

Die Farbgestaltung der AGB von sellbuy-b2b.de hat sich inzwischen geändert, der Inhalt nicht: Noch immer schließen Nutzer mit ihrer Registrierung eine kostenpflichtige Mitgliedschaft ab (Screenshot: ITespresso).

Dies sind jedoch nicht die einzigen Kritikpunkte. Wie ein Verbraucher OpSec in diesem Monat meldete, erhielt er von der Betreiberfirma eine Rechnung in Höhe von über 400 Euro für eine Anmeldung, die er nach eigenen Aussagen zu keinem Zeitpunkt getätigt hat. Nachdem er seine angebliche Mitgliedschaft gekündigt hatte, wurde er von der Firma angerufen. Man riet ihm, sich die Kündigung doch noch einmal zu überlegen. Zudem wurden ihm Fragen gestellt, die den Verdacht nahelegen, dass der Betreiber dem Betroffenen noch weitere persönliche Informationen entlocken wollte. Diese Erfahrung machten laut Einträgen in Internetforen auch andere Verbraucher.

“Aus unserer Sicht verdient die B2B-Plattform, die mit ihrem Vorgehensmuster sehr an Melango.de erinnert, aus zweierlei Gründen den Negativpreis ‘Das Schwarze Schaf’: zum einen, weil die Anmeldekosten kundenunfreundlich dargestellt werden und zudem äußerst hoch sind. Zum anderen, weil Verbraucher eine Rechnung erhalten haben, obwohl sie sich nach eigenen Angaben überhaupt nicht auf der Seite angemeldet haben”, erklärt OpSec-Mitarbeiterin Mechthild Imkamp.

Mit der Negativauszeichnung “Das Schwarze Schaf” will OpSec seit April 2006 auf unlauteren Handel und Betrugsmaschen im Internet aufmerksam machen und zur Vorsicht mahnen. Einmal im Monat wird dazu unter allen von Verbrauchern und Firmen gemeldeten Fällen die “dreisteste Rechtsverletzung im Internet” ausgewählt. Einmal jährlich ernennt dann eine Jury namhafter Vertreter aus Politik und Wirtschaft aus allen “Monatsschafen” ein “Jahresschaf”.

[mit Material von Björn Greif, ZDNet.de]

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