Ist das Leben nur eine Computer-Simulation?

Die verschwundene zweite Socke, immer die falsche Kasse im Supermarkt, Erlebnisse, an die man sich lebhaft zu erinnern glaubt, die aber nie stattgefunden haben können: Manchem kommt das Leben vor, wie eine leicht fehlerhafte Simulation, eine gigantische Truman-Show. US-Forscher wollen der Sache nun auf den Grund gehen.

von Peter Marwan 0


Die Idee, dass nichts so ist wie es scheint, ist in der Philosophie schon alt. 1999 erfuhr der Gedanke mit der Matrix-Trilogie eine beeindruckende filmische Umsetzung. Und 2003 hat sich mit Nick Bostrom ein Wissenschaftler gründlich mit der der Frage auseinandergesetzt, ob wir in einer Computer-Simulation leben.

Jetzt wollen sich Wissenschaftler der Universität Washington auf die Suche nach Beweisen oder Gegenbeweisen für diese Theorie gehen. Dazu brauchen die Wissenschaftler allerdings einen Supercomputer, der die Kapazitäten aktueller Modelle weit übersteigt.

Derzeit lässt sich ein akkurates Modell unseres Universums nur in winzigem Umfang erschaffen. Lediglich der Hundertste Teil eines Billionstel Meters lasse sich heutzutage sauber und realitätsnah in einem Rechner simulieren. Jedoch diese Simulation wäre kaum größer als Raum, den ein einzelnes Atom einnimmt, so der Forscher Martin Savage.

Ist unsere Welt nur eine Simulation in einem unvorstellbar komplexen Supercomputer? Forscher der Universität Washington wollen dieser Frage jetzt nachgehen. Das rote Modell zeigt den Zusammenhang zwischen Schwerkraft und Bewegung in der Realität. Die blaue Dimenson ist eine Darstellung dieses Zusammenhangs in einer Simulation. Alles klar? Nein? Auch egal … (Grafik: Universität Washington).

Doch auch wenn es eine Simulation des kleinsten Raumes ist, müssten sich eigentlich Parallelen zwischen dem “realen” Universum und dem aus dem Unix-Rechner ziehen lassen. So lässt sich grob die Idee der Forscher skizzieren. Jetzt haben sie einige Tests dafür vorgeschlagen. So könnten in einigen Jahren ein Molekül, dann eine Zelle und schließlich ein ganzer menschlicher Körper simuliert werden. Doch erst dann wären die Forscher tatsächlich in der Lage, einigermaßen verlässliche Aussagen darüber zu machen, ob wir tatsächlich nur simuliert sind.

“Wenn man die Simulationen nur groß genug macht, sollte irgendwann etwas ähnliches wie unser derzeitiges Universum heraus kommen”, so Savage. Dann könnte man prüfen, ob sich so etwas wie eine Signatur ablesen lässt, die in beiden Fällen nachweisbar ist. Diese Signatur könnte sich zum Beispiel in einer Beschränkung der kosmischen Strahlung ablesen lassen.

Sollte sich das als Tatsache erweisen, würden sich weitere Möglichkeiten ergeben: So könnten diejenigen, die unser Universum simulieren, auch weitere Universen simulieren. Und wenn das der Fall wäre, könnten wir ja auch vielleicht mit diesen anderen Universen in Kontakt treten, sofern sie auf der gleichen Plattform gehostet werden.

Ob es in dem Fall möglich ist, sich mit den Betreibern unserer Simulation ernsthaft über den einen oder anderen Parameter zu unterhalten und zu fragen, ob vielleicht ein Update oder ein neues Release möglich ist, haben die US-Forscher nicht mitgeteilt.

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

Peter Marwan
Autor: Peter Marwan
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