Polizei entdeckt den Nutzen von Social Media

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Polizei (Bild: shutterstock / Kzenon)

Eine Studie fasst jetzt Erfahrungen aus 13 europäischen Ländern zusammen. Im Vordergrund stehen noch Kommunikation mit und Information für die Bevölkerung. Gleichzeitig werden sie aber auch als neuer sozialer Raum beschrieben, in dem die Polizei ebenso wie in Parks oder auf Straßen Präsenz zeigen muss.

Die jetzt veröffentliche Studie “Best Practice in Police Social Media Adaptation” des EU-Projekts COMPOSITE (Comparative Police Studies in the EU) zeigt, dass der Einsatz von Social Media die Polizei in vielen Bereichen wirksam unterstützen kann. Befragt wurden im Rahmen der bereits zweiten Studie zu diesem Themenfeld Polizeiorganisationen in dreizehn europäischen Ländern. Die sozialen Medien eignen sich demnach nicht nur als Quelle kriminologischer Informationen sondern auch zur Kommunikation mit der Bevölkerung, etwa bei Krisensituationen oder Unruhen. Außerdem heben die Autoren das hohe Potenzial hervor, das für die Vertrauensbildung zwischen Polizei und Bevölkerung besteht.

Die Polizei von Helsinki nutzt zum Beispiel Facebook, um Fahndungsfotos zu verbreiten (Screenshot: ITespresso).

Die in komplettem Umfang kostenfrei zum Download (PDF) bereitstehende Studie beruht auf Interviews und Workshops mit IKT-Spezialisten von Polizeiorganisationen. Sie fasst die Erfahrungen der Organisationen zusammen, die sich schon früh mit Chancen und Risiken der sozialen Netzwerke befasst haben. Die Autoren der Studie heben etwa Großbritannien hervor, wo „diese Werkzeuge schon bei vielen Polizeistationen zum Tagesgeschäft gehörten. Beamte informieren die umliegende Anwohnerschaft über ihre aktuellen Aktivitäten, geben Warnungen oder Suchanzeigen aus. Der Beamte vor Ort kommuniziert quasi wie eine eigene Pressestelle.“

Die Präsenz der Polizei in sozialen Medien wirke sich auf unterschiedlichen Ebenen auf die Beziehung zwischen Polizei und Bevölkerung aus. Zum einen baue sich eine vertrauensvolle Verbindung zwischen Bürgern und Polizei auf; die Interaktion werde enger, der Dialog verstärkt. Die Polizeiarbeit werde so transparenter und Bürger erleben die Polizei als menschlicher. Dazu trage auch der in den sozialen Netzen übliche persönliche Kommunikationsstil bei, der sich wohltuend von der der gewohnten Behördensprache abhebe.

“Über die Polizeiarbeit wird im Netz in jedem Fall diskutiert. Die Frage ist daher nicht, ob Polizeithemen etwas in sozialen Medien zu suchen haben, sondern wie die Polizeien daran teilhaben und die Vorteile nutzen”, so Projektkoordinator Sebastian Denef vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT.

Als Beleg dafür, dass in Fällen, in denen die Polizei nicht selbst aktiv werde, andere diese Lücke füllen führt Denef eine inoffizielle Facebook-Seite mit Polizeinachrichten in Berlin an, die über 15 000 Fans vorweisen kann. Eine fehlende vertrauenswürdige Präsenz in den sozialen Medien könne so allerdings auch ein guter Nährboden für Gerüchte, Spekulationen und Missverständnisse werden.

Außerdem hat die Studie bestätigt, dass die sozialen Medien ein wichtiger Kommunikationskanal zur jüngeren Bevölkerung sind, einer Gruppe, die für viele Aspekte der Polizeiarbeit von hoher Bedeutung ist, die aber über traditionelle Medien immer schwerer zu erreichen ist. Ebenfalls als nützlich erwiesen haben sich soziale Netzwerke in Ausnahmesituationen wie Attentaten oder Großschadenslagen. “In einer größeren Krisensituation sind soziale Medien ein probates Mittel, um die Bevölkerung unabhängig von polizeilichen IT Infrastrukturen schnell zu informieren”, so eine der Erkenntnisse.

Aber der durch die Studie ermittelte Nutzen erstreckt sich nicht nur auf Information und Kommunikation. Auch die klassische Polizeiarbeit – also das Verhindern von Straftaten und deren Aufklärung – muss und kann sich auf die sozialen Medien erstrecken. Denn die sozialen Medien könne man auch als einen neuen öffentlichen Raum der Gesellschaft betrachten, in dem die Polizei Sichtbarkeit und Präsenz zeigen müsse. Die Polizei von Helsinki hat beispielsweise seit April 2011 drei Beamte in Vollzeit abgestellt, die eine virtuelle Polizeistation auf verschiedenen Social-Media-Plattformen betreuen. Einer von ihnen wurde im vergangenen Jahr als Polizist des Jahres gekürt, und bereits in den ersten Monaten gingen rund 250 Meldungen ein. Auch in den Niederlanden sind bereits virtuelle Reviere im Dienst.

Facebook-Auftritt der finnischen Polizei (Screenshot: ITespresso)

Die Autoren der Studie sehen aber neben diesen Vorteile auch, dass noch viele, insbesondere rechtliche Fragen offen sind. Während etwa in Großbritannien oder den Niederlanden die Hürden dafür niedriger seien, bedürfe insbesondere in Deutschland die rechtliche Lage noch der Klärung. Auch das Zusammenspiel mit privaten, im Ausland angesiedelten Dienstleistern wie Facebook oder Twitter, sei für die Polizei “nicht immer unproblematisch”. Dabei müssten noch Erfahrungen gesammelt werden.

Dass die Behörden allmählich die “Möglichkeiten” der populären Internetdienste entdecken zeigt auch Googes jüngster Transparenzbericht. Im ersten Halbjahr 2012 kamen demnach baus Deutschland 1533 Anfragen zu Personenauskünften, 44 Prozent mehr als im vorangegangenen Halbjahreszeitraum. Google kam den Anträgen nach eigenen Angaben zu 39 Prozent ganz oder teilweise nach. Vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 66 Prozent- was nahelegt, dass die Anfragen sich immer häufiger auf Bereiche erstrecken, für die nicht einmal Google bereit ist sie herauszugeben.

Allerdings ist Google nicht allein: Auch die andere große Webdienste, etwa Facebook, Skype oder Dropbox, sind nicht zimperlich, wenn es darum geht Nutzerdaten auch ohne richterlichen Bechluss, schon bei einer einfachen Anfrage, an Behörden weiterzugeben – zumindest ist dies bei allen in den AGB so vorgesehen.

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