Steve Ballmer stellt für Microsoft Geräte und Dienste in den Mittelpunkt

Der Microsoft-Chef ruft in der Aktionärsversammlung eine neue Ära für sein Unternehmen aus: Man werde sich künftig auf Dienste und dafür optimierte Geräte konzentrieren. Damit dürfte die 2008 ausgerufene Strategie “Software & Services” zu Grabe getragen sein.

von Peter Marwan 0


Steve Ballmer hat sich auf Microsofts Aktionärsversammlung den Beginn einer neuen Ära verkündet, in der Microsoft Geräte baue und Dienste bereitstelle, die auf ihnen laufen. “Das ist wirklich ein ganz neues Zeitalter für unser Unternehmen”, versicherte er den Anteilseignern. Mit der Kombination aus Geräten und Diensten argumentiert der Microsoft-Chef schon seit Monaten, beispielsweise in einem Schreiben an die Aktionäre. Er erklärte weiterhin, die Konzentration auf Geräte und Dienste werde die Art und Weise verändern, wie das Unternehmen geführt wird und seine Produkte entwickelt.

Steve Ballmer bei der Vorführung eines Windows-8-Notebooks.

Microsoft will Dienste direkt anbieten, beispielsweise Office 365 als Onlineversion seiner Bürosoftware. Gleichzeitig will es Geräte schaffen, die bestmöglich auf diese Dienste abgestimmt sind. Als Beispiele nannte der Microsoft-Chef das Surface-Tablet mit Windows RT.

Auf Nachfrage eines Aktionärs musste er den von Apple herausgeholten Vorsprung bei Tablets erklären, obwohl Microsoft-Mitgründer Bill Gates schon Jahre zuvor den Tablet-PC propagiert hatte. Ballmer räumte ein, dass Microsofts frühere Produkte nicht die eigenen Erwartungen erfüllt hatten. “Im Rückblick gibt es einige Dinge, die wir besser anders gemacht hätten”, sagt er und spielte auf Apples Herangehensweise an. “Manchmal ist es schwierig, zu guten Ergebnissen zu kommen mit Hardware und Software, wenn man nicht beides gleichzeitig macht.” Als Geräte-und-Dienste-Unternehmen vermeide Microsoft künftig solche Nachteile aber.

Ballmer verwies auf wachsende Umsätze durch das Suchgeschäft, Surface, Windows 8, Windows Phone 8, Office 2013, Bing, Internet Explorer 10, MSN, Outlook.com, SkyDrive, Skype, Xbox Music, Xbox Video und Xbox SmartGlass. Damit habe man eine schlagkräftigere Produktpalette als je zuvor. Windows 8 habe mit 40 Millionen verkauften Lizenzen überzeugt, aber auch Windows Phone 8 einen guten Start hingelegt: “Wir haben bereits die vierfache Menge an Mobiltelefonen verkauft, als zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr.”

Die von Ballmer in den vergangenen Monaten schon immer wieder angedeutete und jetzt ausformulierte Strategie ist eine deutlich Abkehr der zuletzt ausgegebenen Parolen. Der letzte große Umbau liegt vier Jahre zurück: Im Sommer 2008 hatte Ballmer den Microsoft-Partnern auf der weltweiten Partnerkonferenz des Konzerns erklärt, Unternehmen wollten “Software plus Services”.

Damit war die zwei Jahre zuvor eingeleitete Kehrtwende vom reinen Lizenzverkauf abgeschlossen: Microsoft sah sich 2008 in der Lage, mit den damals hoch eingeschätzten SaaS-Newcomern zu konkurrieren. Allerdings betrachteten damals die Vertriebspartner die neue Ausrichtung kritisch, da ihre Rolle in dem Modell nicht völlig geklärt war oder für sie unbefriedigend ausfiel. Da allerdings über 90 Prozent der Umsätze durch Partner erzielt werden, ist deren Einstellung ein nicht zu vernachlässigender Aspekt.

Ebenso skeptisch betrachteten die Vertriebspartner die zwischenzeitlich von Ballmer vorgegebene Richtung, ganz auf die Cloud zu setzen. Wiederum befürchteten viele, dadurch ihre Geschäftsgrundlage – Integration und Dienstleistung – zu verlieren und mittelfristig lediglich als Vermittler auftreten zu können, der sich im ungünstigsten Fall durch eine Vermittlung die eigenen Kunden entfremdet.

Die neue, “Geräte und Dienste” genannte Strategie, stößt ebenfalls auf erhebliche Widerstände – diesmal allerdings in erster Linie von Microsofts langjährigen Hardwarepartnern. Allerdings dürften auch dabei viele Vertriebspartner fürchten, unter die Räder zu kommen. Ob Microsoft den Schwung, den es verliert, wenn sich diese Partner anderen Angeboten zuwenden und diese bei ihren Kunden positionieren nahtlos durch eigene Kraft ausgleichen kann, bleibt abzuwarten, ist bei der Struktur des Konzerns aber doch eher unwahrscheinlich.

[mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de]

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Autor: Peter Marwan
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