Google: Android darf nicht mehr verändert werden

Mit einer Nutzungsklausel im Software Development Kit untersagt Google die weitere Fragmentierung seines Mobilbetriebssystems. Sie ist die erste bedeutende Änderung in den Nutzungsbestimmungen seit 2009. Ihr müssen alle Entwickler zustimmen, die Apps für Android schreiben.

von Manfred Kohlen 0


Auch wenn mehr als die Hälfte aller in Deutschland verkauften Smartphones mittlerweile mit Android laufen und davon schon mehr als ein Viertel mit Version 4 arbeitet, ist die Android-Landschaft noch sehr zerklüftet. Das stört mittlerweile offenbar Google selbst.

Der Internet-Krösus hat die Nutzerrichtlinien des Android-SDK modifiziert und eine Klausel eingefügt, die Fragmentierung untersagt. Den fraglichen “Android SDK Licensing Terms and Conditions” müssen alle Entwickler zustimmen, die Apps für Android schreiben.

Die am Dienstag vorgenommene, aber nicht gleich aufgefallene Änderung steckt in Sektion 3.4 der SDK-Regeln. Dort heißt es: “Sie willigen ein, dass Sie nichts unternehmen werden, was zu einer Fragmentierung von Android führt, einschließlich (aber nicht beschränkt auf) Verteilung von, Mitarbeit an oder Förderung von einem Software Development Kit, das von diesem SDK abgeleitet ist.”

Diese Klausel ist die erste bedeutende Änderung seit 2009. Damals war von Fragmentierung noch nicht die Rede gewesen. Fragmentierung kann dazu führen, dass bestimmte Android-Apps nicht auf allen Geräten laufen. Sie erschwert die Programmierung und macht sie aufwändiger.

Die derzeitige Android-Fragmentierung zeigt: Sogar die erste Version ist noch aktiv. (Diagramm: Google)

Android gilt als ohnehin relativ stark fragmentiert. Die Schuld für die jetzige Lage wird wechselweise Google, den Telefonherstellern und den Netzanbietern in die Schuhe geschoben. So nutzen viele Geräte noch alte Versionen des Betriebssystems, was Googles Versuche zunichte macht, mit Android ab 4.0 die Plattform stärker zu vereinheitlichen. Laut Googles eigenen Statistiken setzen 54 Prozent aller auf Play zugreifenden Geräte noch Android 2.3 ein, das von 2010 stammt.

Mit der SDK-Klausel könnte Google aber vor allem an Amazon gedacht haben, das mit der Reihe Kindle Fire höchst erfolgreiche Tablets im Programm hat, die aber keine Programme aus Google Play laden können. Vielmehr wurde das Betriebssystem so stark modifiziert, dass Anwender ihre Downloads auf Amazons eigenen App Store beschränken müssen. In diesem Kontext wäre denkbar, dass Amazon (oder ein anderes Unternehmen mit ähnlicher Strategie) ein modifiziertes SDK anbietet, um Entwickler speziell für seinen Android-Fork zu gewinnen – und diesen durch exklusive Apps wiederum für Endanwender attraktiver zu machen.

Jelly Bean, die im Juli auf den Markt gekommene neueste Android-Version lief im Oktober 2012 auf 1,8 Prozent aller Android-Geräte. Damit ist die Updategeschwindigkeit bei Jelly Bean geringfügig schneller als beim Vorgänger Ice Cream Sandwich. Letzteres war nach drei Monaten auf 1,6 Prozent der Android-Geräte installiert. Insgesamt bleibt es aber dabei, dass Android-Updates sich nur im Schneckentempo durchsetzen (Grafik: Statista)

[mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de]

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