Arnova GBook: E-Book-Reader und Tablet für 90 Euro – geht das?

Sein GBook bewirbt Arnova als E-Book-Reader, doch dank vollwertigem Android 4.0 erhält der User einen echten Tablet-PC. Allerdings sollte man nicht zu viel erwarten, denn sowohl Verarbeitung als auch die verbaute Hardware lassen stark zu wünschen übrig.

von Christian Lanzerath 2


Technisch gesehen handelt es sich beim Arnova GBook schlicht um ein Android-Tablet. In ihm werkelt ein ARM-Prozessor (Cortex A8) mit 1 GHz. Ihm zur Seite stehen ein GByte Arbeitsspeicher sowie vier GByte Speicherplatz für Apps und Dateien. Das sind natürlich alles andere als beeindruckende Zahlen, allerdings kostet das Gerät auch nur 90 Euro. Immerhin gibt es einen microSD-Kartenslot, um den Speicherplatz um bis zu 32 GByte zu erweitern – ein Feature, das selbst viele teure Tablets nicht bieten.

Mangelhaftes Display

Allerdings darf der Käufer trotz des geringen Preises ein Minimum an Qualität erwarten, denn die Benutzung soll nicht zur Nervenprobe werden. Und hier hapert es beim GBook gewaltig: Größter Schwachpunkt ist das Display – schließlich einer der wichtigsten Bestandteile eines Tablet-PCs. Es löst lediglich mit 800 mal 480 Pixeln auf, was gerade bei Fotos zu sehr grobkörnigen Darstellungen führen kann.

Zudem ist der Blickwinkel, bei dem der Bildschirminhalt noch farbgetreu dargestellt wird, äußerst klein. Wer das Tablet schon um 45 Grad nach links oder rechts dreht, kann oft schon nicht mehr viel erkennen. Bei der Draufsicht von oben unter unten ist der Winkel etwas größer. Im Prinzip muss der Nutzer das Display aber immer parallel zu seinen Augen halten, um alles optimal erkennen zu können. Und selbst dann stört die spiegelnde Oberfläche des Touchscreens.

Bei Arnovas GBook muss der Nutzer das Display eigentlich immer parallel zu seinen Augen halten, um alles optimal erkennen zu können. Aber selbst dann stört die spiegelnde Oberfläche des Touchscreens (Bild: Arnova).

Apropos: Hätten alle Tablet-PCs eine derart störrische Reaktion, was die Bedienung per Berührung angeht, hätte diese Gerätklasse niemals einen Boom wie in den letzten Jahren erlebt. Im Test mussten wir oft drei- oder viermal auf ein Icon tippen, um die entsprechende App zu starten. Gleiches gilt für die Tasten des virtuellen Keyboards und so gut wie alle Kontrollelemente auf dem Bildschirm.

Der Prozessor kämpft

Das Schreiben von Texten mit der Bildschirmtastatur gerät noch aus einem anderen Grund zur Geduldsprobe: der lahmen Hardware. Beim Tippen von Wörtern – auffällig vor allem im Browser und dem Google Play Store – benötigt der Prozessor oft viel Zeit, um den gedrückten Buchstaben auch auf das Display zu bringen. Manchmal vergeht sogar eine geschlagene Sekunde. Je länger der Text ist, desto nerviger wird es.

Insgesamt scheint die Hardware mit dem ganzen Betriebssystem überfordert zu sein. Wer das Gbook um 90 Grad dreht, kann laut mitzählen, bis endlich auch die Anzeige von horizontal auf vertikal (oder umgekehrt) umschaltet. Nicht ganz so gravierend, aber deutlich spürbar, sind die Verzögerungen beim Klick auf den Home-Button, beim Wischen durch die verschiedenen Startbildschirme und beim Aufruf des “Drawers” (der Übersicht über alle installierten Apps). Im GL Benchmark und JavaScript-Test SunSpider, die wir zur Messung der CPU-Leistung heranziehen, schnitt unser Testkandidat derart schlecht ab, dass wir den Werten keinerlei weitere Beachtung schenken. Gerade im Vergleich zu wesentlich teureren und besser ausgestatten Tablets wäre der Vergleich aber auch unfair.

Warum E-Book-Reader?

Beim Arnova GBook ist Aldiko Premium vorinstalliert. Aber macht die App alleine das Gerät schon zum E-Book-Reader? (Bild: Arnova).

Das GBook vermarktet Arnova nur aus einem einzigen Grund als E-Book-Reader: Aldiko Premium ist vorinstalliert. Dabei handelt es sich um eine App, die zum einen E-Books in den Formaten PDF sowie ePUB anzeigt und dabei auch Adobes DRM-Schutz für elektronische Bücher unterstützt. Aldiko Premium bietet aber auch Zugang zu vielen E-Books-Shops und einer Menge kostenloser Lektüre.

Allerdings ist die App für jedermann im Google Play Store für 2,99 Euro erhältlich, so dass man beliebige Android-Smartphones und -Tablets mal eben zu “E-Book-Readern” machen kann. Zugeben: Das GBook hat zwei zusätzliche physische Tasten, über die man vor und zurück blättert. Doch das geht ebenso gut, indem der Anwender auf den Rand des Bildschirms tippt.

Dabei kommt es bei einem echten Reader nicht bloß darauf an, E-Books darstellen und einfach herunterladen zu können. Ein gutes Display – viele E-Book-Reader nutzen die augenfreundliche E-Ink-Technologie – und das Gewicht spielen ebenfalls eine Rolle. Mit über 300 Gramm ist das GBook wesentlich schwerer als beispielsweise das Amazon Kindle mit 170 Gramm. Apropos Kindle: Der Google Play Store verweigert die Installation der App, um Bücher aus Amazons E-Book-Angebot herunterladen und lesen zu können. Das Gerät sei inkompatibel, heißt es. Lediglich die manuelle Installation über die APK-Datei, die der Nutzer sich vorher irgendwo im Internet besorgen muss, ist möglich – aber eben umständlich.

Möchten nicht auch Sie wissen, wie zufrieden andere Anwender mit der Nutzung ihrer CRM-Anwendung imSaaS-Modell sind, warum sie sich dagegen entschieden haben oder sich gar nicht damit beschäftigen wollen? Diesen und anderen Fragen geht Hassan Hosseini von The-Industry-Analyst.com in Kooperation mit dem Herausgeber von silicon.de in der aktuellen Umfrage zur CRM Nutzung als "Software as a Service" in Deutschland nach.

Jetzt teilnehmen!

Letzter Kommentar




2 Antworten zu Arnova GBook: E-Book-Reader und Tablet für 90 Euro – geht das?

  • 27. Februar 2013 à 11:01 von Lugato

    Ich bewerte das Gerät sogar mit mangelhaft bzw. völlig ungenügend. Die Verbindung mit dem Internet gerät zu einem wahren Gedultsspiel. Per WLAN soll sich das Gerät über eine Fritzbox 7270 mit dem Internet verbinden: das dauert und dauert. Weder durch Einstellen einer dynamischen noch statischen IP kann ich dem Gerät Beine machen. Trotz Vorgabe “Statische IP” will der ARNOVA von der Fritzbox eine IP abrufen, offenbar ein Softwarefehler; eine verbesserte Firmware sucht man auf dem Server von ARNOVA aber vergeblich! Wer sich wie ich ständig ärgern will, der kauft sich das Gerät, andere sparen sich besser den Weg zur Mülltonne!

    Absoluter Spielkram, der überhaupt keinen Spass macht!!!

  • 25. Juni 2013 à 10:16 von Picant

    Habe das Gerät im Mai 2013 bei Saturn für 59 Euro gekauft und war mir von Anfang an bewusst, kein HIgh End Gerät zu haben. Wer aber lediglich Mails per W-LAN abrufen will und ab und an im Netz etwas sucht, wird mit diesem Gerät zufrieden sein. Auch habe ich keine Probleme mit dem Einbuchen in´s W-LAN per Fritz-Box feststellen können. Fazit: Wer ein preiswertes Gerät sucht und seine Ansprüche nicht zu hoch schraubt, wird mit dem Arnova G Book zufrieden sein.

Hinterlasse eine Antwort

  • Erforderliche Felder sind markiert *,
    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>