Piraten-Abgeordneter Christopher Lauer ist Troll des Jahres

Darauf hat sich die für die Preisverleihung zuständige Jury im Rahmen der Konferenz Trollcon in Mannheim geeinigt. Dem 28-jährigen Lauer folgen die Redaktion der Satirezeitschrift Titanic und Kim Dotcom auf den Plätzen. In der Laudatio wird vor allem der positive Aspekt des Trollens betont.


Der Piraten-Abgeordnete Christopher Lauer wurde auf der vom RaumZeitLabor in Mannheim organisierten Trollcon zum “Troll des Jahres 2012″ gewählt. Die Jury begründet ihre Entscheidung damit, dass sie so die “kontinuierliche Arbeit von Christopher Lauer am positiven Bild der Trolle in der Öffentlichkeit” würdigen könne. Lauer konnte den Preis nicht persönlich entgegennehmen, bedankte sich aber bei den Veranstaltern mit einer Videobotschaft.

Die Jury der Trollcon hat den Piraten-Abgeordneten Christopher Lauer zum Troll des Jahres gewählt (Bild: RaumZeitLabor).

Lauer ist, so die Begründung der Jury, ein hervorragendes Beispiel für die “gesellschaftliche Dualität”, in der Trolle aktiv sein können. Trollerei, so die Jury weiter, könne nicht wie oft angenommen nur destruktiv wirken, sie könne auch eine “kreative Rolle im Diskurs spielen und anderen einen Spiegel vorhalten und gesellschaftliche Entwicklungen beschleunigen.”

Dies erreiche sie durch die absichtliche Überzeichnung neuralgischer Fragen. Dadurch entstünden gruppendynamische Synergieeffekte, die mit traditionellen Diskurstechniken nicht in der Geschwindigkeit möglich wären. Für ihre Beiträge in dieser Richtung erhielten neben Lauer die Zeitschrift Titanic und das Web-Phänomen Kim Dotcom ebenfalls einen Award.

In ihrer Laudatio macht die Jury noch einmal deutlich, dass sie den Begriff des Trolls nicht in erster Linie negativ sieht: “Durch kalkulierte Eskalation hat es Christopher Lauer im Jahr 2012 häufig geschafft, auch erfahrene Berufspolitiker aus ihren inhaltsleeren Worthülsen zu befreien. Seine oft demaskierenden Zwischenrufe haben dabei nicht nur den lebens- und talkshowerfahrenen Kurt Beck aber auch zum Beispiel Moderatoren des GEZ-finanzierten Rundfunks an den Rande der Weißglut gebracht.”

Und weiter: “@Schmidtlepp, wie er auf Twitter heißt, nimmt selten ein Wort vor den Mund, auch wenn es in Einzelfällen möglicherweise besser gewesen wäre.

Was zunächst witzig klingt, hat also durchaus ernsthafte Hintergründe. Trolle sind offenbar nicht nur nervige Zeitgenossen, die ihren Senf überall dazugeben müssen, sondern können durch ihre Teilnahme an Diskussionen diese auch entlarven oder vielleicht sogar beleben – so zumindest die Erkenntnisse der Teilnehmer der Trollcon, die sich mit der Trollerei auseinandergesetzt haben.

Im Rahmen von Vorträgen und Gesprächsrunden tauschten sie sich über die gesellschaftlichen Folgen und Möglichkeiten von positiver und negativer Trollerei aus. Veranstaltungsort war der Hackerspace RaumZeitLabor. Referenten waren unter anderem der Rechtsanwalt Udo Vetter sowie die Schriftstellerin und Journalistin Julia Seeliger. Thematisch befasten sich die Vorträge mit ganz unterschiedlichen Aspekten der sogenannten Troll-Kultur – von Patenttrollen bis zu berufsalltäglicher Trollerei im Geschäftsumfeld.

Der Mannheimer Hackerspace RaumZeitLabor wurde 2009 gegründet. Es hat sich seitdem durch zahlreiche Aktionen, Videos bei YouTube und Auftritte der Beteiligten als Expertenh in den Medien einen Namen gemacht. Der RaumZeitLabor e.V. finanziert sich durch seine mittlerweile rund 100 Mitglieder und Spenden.

ITespresso für mobile Geräte
Android-App Google Currents App for iOS

Letzter Kommentar




0 Antworten zu Piraten-Abgeordneter Christopher Lauer ist Troll des Jahres

Hinterlasse eine Antwort

  • Erforderliche Felder sind markiert *,
    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>