US-Regierung findet keine Beweise für Spionage durch Huawei

Politik

Ein parlamentarischer Geheimdienstausschuss hatte vor wenigen Tagen erst vor den chinesischen Telekommunikationsfirmen Huawei und ZTE gewarnt. Die vom Weißen Haus schon vor langem in Auftrag gegebene Untersuchung kam allerdings zum gegenteiligen Ergebnis. Die Firma unterstellt den USA wegen der Kritik dennoch Protektionismus.

Nach einem Bericht von Reuters hat eine vom Weißen Haus beauftragte Untersuchung keine eindeutigen Beweise dafür gefunden, dass der chinesische Telekomausrüster Huawei in den USA für China spioniert hat. Das steht im Widerspruch zu einem Bericht des US-Kongresses, das vor einer Woche ausdrücklich vor Sicherheitsrisiken durch Produkte und Dienstleistungen chinesischer Unternehmen wie Huawei oder ZTE gewarnt hatte. Sowohl Regierungsbehörden als auch Unternehmen riet der Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses deshalb ausdrücklich davon ab, deren Produkte zu kaufen.

Huawei-Mitarbeiter in der Entwicklungsabteilung bei routinemäßigen Wartungsarbeiten – nicht dem Einbau von Hintertüren für Spionagezwecke (Bild: Huawei).

Die 18-monatige Untersuchung der US-Regierung sollte der Abschätzung von Sicherheitsrisiken dienen, die Lieferanten für US-Telekomfirmen darstellen. Spionagevorwürfe waren nicht zu belegen, allerdings stellten sich offenbar Sicherheitsrisiken durch nachlässig entwickelte Software in der Ausrüstung von Huawei heraus, die Hackerangriffe erleichtern können. Reuters berief sich in seinem Bericht auf mit der Untersuchung vertraute Informanten. Sie gingen nicht von absichtlich durch Huawei eingebauten Fehlern aus.

Im Rahmen der überwiegend als geheim eingestuften Untersuchung wurden rund 1000 Käufer von Telekomausrüstung befragt, ohne dass sich Hinweise auf Spionage für die chinesische Regierung ergeben hätten. “Ich bin nicht im geringsten überrascht darüber, dass es keine Hinweise auf die vom Ausschuss behauptete Spionage gab”, erklärte ein Huawei-Sprecher gegenüber ZDNet. “Wenn sie welche gehabt hätten, wären sie in ihrem Bericht aufgeführt worden. Der Ausschussbericht muss als das bezeichnet werden, was er wirklich ist: ein Ausdruck von Protektionismus, der sich als Bericht über Cybersicherheit ausgibt.”

Schon im Sommer hatte der deutsche Sicherheitsexperte Felix Lindner auf einer Sicherheitskonferenz demonstriert, dass sich die Router von Huawei sehr leicht hacken lassen, da ihre Sicherheitmechanismen viele Angriffsvektoren zulassen. Es sei daher gar nicht notwendig, eigens Hintertüren in die vergleichsweise günstige Ausrüstung einzubauen.

Im Mai sorgte der Ausschluss Huaweis aus dem Vergabeverfahren für das Deutsche Forschungsnetz für Aufsehen. Er wurde damit begründet, dass Huaweis Chef einst hohe Militärämter in der Volksrepublik China bekleidet hatte.

Huawei Deutschland reagiert mit einer Stellungnahme, in der die Bedenken zurückgewiesen und auf die lange Liste der Zusammenrabeit mit europäischen Organisationen und Netzwerkbetreibern verwiesen wurde. Huawei rüstet unter anderem die Deutsche Telekom und BT in Großbritannien aus. Neben Routern und anderen Netzwerkkomponenten für den Mobilfunk nutzen deutsche Carrier auch UMTS- und LTE-Surfsticks von Huawei.

Der Kongressbericht wurde möglicherweise auch durch Lobbyarbeit amerikanischer Konkurrenten negativ gefärbt. Denen sind die Wettbewerber aus Frnpost schon lange ein Dorn im Auge. Beispielsweise beschuldigte Cisco Huawei wiederholt der Nachahmung. Und auch der Versuch Huaweis, 3Com zu übernehmen – das schließlich an HP ging – wurde von den Behörden verhindert, weil sie damals befüprchteten, damit fließe für die US-Wirtschaft wichtiges Know-how nach China ab.

[mit Material von Josh Taylor, ZDNet.com]