Apples Abkehr von Samsung – ein Umschwung im ITK-Markt?

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Was bedeutet Apples Umschwung zu TSMC für den Käufer? Ein Blick hinter die Produktionskulissen zeigt: Der amerikanische Computer- und Smartphone-Riese ist trotzdem noch in gewisser Weise auf Samsung angewiesen – bis sich Apple komplett lösen kann, wird noch eine Weile vergehen.

Apples Chip-Produktion wird nach Taiwan verlagert – als Ergebnis des Streits mit Samsung. Dass dies letztendlich auch zu preiswerteren Apple-Geräten führen könnte – oder zu noch mehr Gewinn für das kalifornische Unternehmen – und ein Deal mit TSMC Apples Sonderwünsche besser berücksichtigen kann, ist nur ein erwünschter Nebeneffekt.

Die stetigen Patentstreitigkeiten zwischen Apple und Samsung belasten die Geschäftsbeziehungen der beiden Unternehmen so stark, dass Berichten zufolge Apple künftig TSMC mit der Chip-Produktion beauftragen will. Das bedeutet für den Apple-Käufer vorerst nichts – vor allem trifft dies in erster Linie Samsung. Im Kampf um den Mobilfunkmarkt will Apple seinen Widersacher in die Schranken weisen.

Denn bisher verdient Samsung an fast jedem Apple-Gerät mit: Der koreanische Konzern produziert für Apple deren ARM-Prozessor A6, die meisten Telekommunikations-Chips in iPhone und iPad, und in der Regel kommen auch die Speichermodule aus Korea.

Chip-Produzenten aus Taiwan werden noch größer

Die Chip-Foundries, die nichts anderes tun, als im Auftrag Prozessoren, ASICs (“Application Specific Integrated Circuit”) und andere Chips herzustellen, sind für die IT-Branche so etwas wie die Zulieferer der Motorenbauer in der Automobilbranche. Als erstes Unternehmen der Welt, dessen Geschäftsmodell die Auftragsproduktion von Halbleitern für Dritte war, ist TSMC gut aufgestellt und eigentlich Apples idealer Partner. Die Vorhersagen für den Markt bescheinigen TSMC schon jetzt eine Führungsposition – das Geschäft mit Apple ist hier noch nicht eingerechnet.

TSMC-Wafer
Hersteller TSMC liefert künftig die Waver mit den aktuellen Apple-Prozessoren – bis zum fertigen Produkt liegen noch einige Schritte in der Lieferkette. Der Deal der Taiwaner mit Apple könnte Lieferengpässe vermeiden helfen – und so letzendlich die langen Schlangen vor den Apple-Stores verkürzen (Bild: TSMC).

TSMC (“Taiwan Semiconductor Manufacturing Corporation”) ist eine der größten Halbleiter-Manufakturen der Welt und stellt Millionen von Chips für zahlreiche große Kunden her. Qualcomm ist der größte Abnehmer, Nvidia ist wichtiger Kunde und viele andere bekannte Namen sind dabei. “Meist liefern wir an Kunden von Kunden”, erklärt Michael Kramer, Chef-PR-Stratege von TSMC, gegenüber ITespresso.de. Der “Administrator of Public Relations”, wie er sich offiziell nennt, will den Namen Apple gar nicht in den Mund nehmen: “Wir dürfen nicht über Kunden reden, wenn sie dies noch nicht offiziell erlaubt haben – wir dürfen noch nicht einmal sagen, ob ein Geschäft abgeschlossen wurde”.

Die Neuheit über den Deal “komme von zitierten Aktien-Analysten”, meint er – und hält sich an die Vorgabe, nicht weiter über das Geschäft zu reden. TSMC produziert nur die Wafer – weitere Lieferanten schneiden daraus die einzelnen Halbleiter heraus und liefern sie wieder an die Auftragshersteller der Computer- und Handyproduzenten.

Die dichteste Struktur, mit der TSMC bisher in großen Stückzahlen produzieren kann, sind 20 Nanometer, die größte TSMC-Fabrik produziert derzeit im 28-Nanometer-Prozess. Das Unternehmen selbst bezeichnet seinen Produktionsprozess als die energieeffizienteste Methode, solche Chips herzustellen.

TSMC ist bei seinen Produktionsmethoden nur einen kleinen Schritt hinter Intel und den Global Foundries (den aus AMDs Chip-Produktion hervorgegangenen Halbleiterfabriken) und plant, bald sogar in 16-Nanometer Dichte produzieren zu können. Gerüchten arbeitet die Forschungsabteilung der Taiwaner sogar schon am 11-Nanometer-Prozess. Seine drei neuesten Fabriken fertigen derzeit Chips, vor allem Prozessoren, in 90, 65, 40 und 28 Nanometern für ihre Kunden.

Im Sommer dieses Jahres wollten Anbieter wie Qualcomm und Apple TSMC sogar kaufen – doch die Taiwaner waren nicht bereit, sich übernehmen zu lassen. Mit seiner Forschung und Entwicklung traf das Unternehmen immer den Geist der Zeit – bis 2014 will es neue Lithografie-Verfahren entwickelt haben, mit der sich die physischen Grenzen bisheriger Halbleiterproduktion überwinden lassen. Apple schwimmt mit auf der Welle der technischen Innovationen und kauft dann möglicherweise die passenden Patente oder Nutzungslizenzen.

Es ist nicht so leicht, sich ganz zu verabschieden

Apple ist also bei der Auslagerung seiner Chipherstellung an TSMC gut beraten und für die Zukunft gut gerüstet. Nur bei der Produktion von Displays hängt der Hersteller noch an Samsungs Tochter “Samsung Display” – ob Apple sich auch in diesem Bereich von den Koreanern lösen kann, ist nur noch eine Frage der Zeit. Denn auch hier sind taiwanische und japanische Firmen dabei, neue Techniken zu entwickeln.

Beim Einkauf von RAM-Chips ist der Wechsel für Apple sicher etwas schwieriger, wenn auch nicht ganz unmöglich – nach dem inzwischen aufgefangenen Absturz vieler Speicherproduzenten sind die Spotmarktpreise für DRAMs wieder auf einem Niveau, das dem iPhone-Hersteller Problem bei der Kalkulation bereiten könnte.

Der erste Schritt zur Auflösung der unglücklichen Ehe zwischen Samsung und Apple ist zumindest schon getan. Ob TSMC etwas zu Apple verlautbaren darf, wird sich auch dem amerikanischen “TSMC Open Innovation Platform“-Treffen am morgigen 16.10. zeigen – die Mitarbeiter des taiwanischen Chip-Produzenten werden sicherlich von Journalisten umringt werden. Doch ob sie etwas über das Apple-Geschäft sagen, darf bezweifelt werden. Auch die Idee, dass durch Senkung der Zulieferkosten die Apple-Geräte preiswerter werden, könnte sich als Trugschluss erweisen, denn die mögliche Ersparnis dürfte in den zahlreichen Zwischenstationen bis zum fertigen Produkt verlorengehen.

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