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Musik-Streaming: Russischer Milliardär investiert 100 Millionen Euro in Deezer

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Das Geld stammt von Len Blavatnik, dem auch das Musiklabel Warner gehört. Es ist der höchste Betrag, der bisher in ein französisches Web-Unternehmen investiert wurde. Er dient dazu, frühere Investoren auszubezahlen und weiter zu expandieren. In Deutschland ist der Dienst seit Dezember 2011 aktiv.

Der Streaming-Dienst Deezer hat vom russischen Milliardär Len Blavatnik eine Finanzspritze in Höhe von 100 Millionen Euro bekommen. Das berichtet die französische Tageszeitung Le Figaro. Blavatnik ist im Musikgeschäft kein Unbekannter: Er hat sich erst 2011 für 1,3 Milliarden Warner Music gekauft.

Ein Viertel des Betrages soll dazu dienen, frühere Investoren auszubezahlen. Dazu gehören der französische Mobilfunkbetreiber Orange und der Finanzinvestor Dotcorp Asset Management. An Bord bleibt die Holding der Brüder Rosenblum. Offen ist, ob durch den Ausstieg die Integration von Deezer in die Premium-Angebote von Orange betroffen ist – eine bisher recht ansehnliche und komfortable Einnahmequelle für den Dienst.

Die restlichen drei Viertel sollen für die weitere Expansion verwendet werden, Deezer rüstet sich damit für den weiteren Ausbau des internationalen Geschäfts. Derzeit hat der Dienst eigenen Angaben zufolge 24,5 Millionen registrierte Nutzer und 1,5 Millionen zahlende Abonnenten. Außerdem kann er auf 400.000 Follower bei Twitter, über eine Millionen Fans bei Facebook und eine Partnerschaft mit dem Sozialen Netzwerk verweisen. Letztere ist allerdings nicht exklusiv, sondern teilt sich Deezer mit MOG, Spotify, Rdio, Rhapsody, Soundcloud und dem in Deutschland ohne weiteres derzeit nicht verfügbaren Angebot von Vevo.

In Deutschland ist das Angebot seit 15. Dezember 2011 verfügbar. Ein Abkommen mit der GEMA im Januar 2012 erhöhte die Attraktivität erheblich, da es auch das Abspielen von Originaltiteln statt lediglich Coverversionen möglich machte. In Deutschland bezahlt Deezer für den Betrieb in Folge des Anfang des Jahres unterzeichneten Rahmenvertrages eine Erlösbeteiligung von 8,2 Prozent an die GEMA. Die Mindestvergütungen liegen gestaffelt nach Datenaufkommen bei 0,48 Cent, 0,25 Cent und 0,02 Cent pro Stream.

Das Investment soll Deezer zudem auch helfen, sich gegenüber dem Rivalen Spotify zu behaupten. Dieser hatte lustigerweise 2011 eine Finanzierungsrunde über 100 Millionen Dollar erfolgreich abgeschlossen. Dieses Geld stammte von Kleiner Perkins Caufield & Byers sowie von Digital Sky Technologies, dem Fonds von Youri Milner, einem weiteren russischen Milliardär. Dieser ist auch an Groupon, Facebook und Zynga beteiligt.

Einnahmen erzielt Deezer nicht nur durch Abonnements und Werbung auf der Website, sondern auch durch Verträge mit großen Partnern. Seit April 2010 setzen beispielsweise die rund 1200 McDonalds-Filialen in Frankreich den Dienst statt eines bis dahin verwendeten Radiosenders ein, um die Gasträume werbefrei mit Musik zu beschallen.

Neben Spotify gehören zu den bekannteren und in Deutschland populären Konkurrenten von Deezer Aupeo, Last.fm, Napster und Simfy. Im Vergleich zu ihnen schneidet Deezer bei Preisen und Angebotsumfang mal besser, mal schlechter ab. Letztendlich wird es aber im Rennen um die Krone in diesem Markt nicht um Details des jeweiligen Dienstes gehen, sondern darum, ob sich einer von ihnen über Kooperationen und den Coolness-Faktor als marktführend etablieren kann. Und diesbezüglich dürfte Spotify derzeit die Nase leicht vorne haben.

Journalist, Chefredakteur von ITespresso.de. Sucht immer nach Möglichkeiten und Wegen, wie auch kleine Firmen vom rasanten Fortschritt in der IT profitieren können. Oder nach Geschäftsmodellen, die IT benutzen, um die Welt zu verbessern - wenigstens ein bisschen.

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