Neuer Entwickler-Trend: PHP as a Service

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Mehrere Anbieter starten das Hosting von Entwicklunsumgebungen rund um die Web-Programmiersprache PHP als PaaS (Platform as a Service). So können Services sehr schnell von kleinen Entwicklern auch in großen Umgebungen geschrieben und getestet werden. Das ermöglicht auch eine schnellere Fertigstellung von unternehmenskritischen Cloud-Lösungen.

Die Sprache PHP betreibt über 300 Millionen Webserver, häufig datenbankgetriebene Websites mit Datenbanken wie mySQL und anderen SQL-Informationsspeichern. Die 1994 als kleines Set von Perl-Scripts gestartete Sprache mauserte sich inzwischen zu einem freien Standard, der in neuesten Versionen auch alle Optionen moderner Entwicklungs-Umgebungen und objektorientierter Programmierung bietet.

So wurde aus dem Hilfs-Set für “Spaghetti-Programmierer”, das laut Wikipedia von Rasmus Lerdorf unter dem Namen “Personal Home Page (PHP) Tools” ins Leben gerufen wurde, mittlerweile ein mächtiges Werkzeug, das auch Websites mit Millionen von Besuchern steuern kann. Deren Entwicklung in skalierbaren Cloud-Umgebungen anzubieten, war nur noch eine Frage der Zeit.

Aufbruchstimmung

Aktuell ist in diesem Bereich Aufbruchstimmung angesagt, und nach ersten Entwicklungen, die wohl nur die Programmierergemeinde kannte, sind nun viele Risikokapital-finanzierte Start-ups mit vielen Marketing- und PR-Mitteln aktiv.

Die Meldungen der beteiligten Unternehmen häufen sich. Der Anbieter Jelastic aus dem Silicon Valley und der Hamburger Hoster Dogado etwa, zusammen schon  als Java-Development-Hoster aktiv, starten nun auch eine PHP-Plattform, laut eigenen Angaben als “einziger Anbieter im DACH-Raum” – so zumindest die aktuellste Pressemeldung zum Thema. Gleichzeitig beginnt jedoch das Berliner Start-up “Fortrabbit” ohne Venture Capital mit “PHP as a Service”. Sein Gründer Frank Lämmer nennt auf seinen Seiten gleich eine ganz Reihe von Anbietern, die bereits entsprechende Dienste für Web-Entwickler hosten.

Aus diesem subjektiven Vergleich geht zudem hervor, aus welchen Ideen und Services die vielen neuen derartigen Dienste am Markt entstehen. So ist die Entwicklerplattform Heroku in den USA als Entwicklungsdienst für Salesforce-Apps in Salesforce aufgegangen (obwohl sie auch für andere Sprachen und Umgebungen konzipiert wurde), der Dienst dotCloud bietet Sandboxes für das Testen von Entwicklungen in Ruby, PHP und Perl mit Datenbanken wie NoSQL und anderen SQL-Produkten. Der Dienst Pagodabox wiederum ist ein spezieller PHP-Entwicklungs-Service mit HTML-Oberfläche. PHP Fog, ein Teil von AppFog, ist einfach nur eine Hosting-Plattform für PHP-Applikationen, die ihrerseits selbst auf Amazons Web Services gehostet wird.

In Europa ist das Berliner Start-up CloudControl aktiv, das ebenfalls die AWS-Dienste nutzt. Und in Stockholm ist Omnicloud in die Betaphase gegangen, in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, der Dienst Relbit. Selbst Linux-Distributor Red Hat bietet mit seinem Red Hat Openshift eine Entwicklerplattform in der Cloud an, die sich großteils auf Java und Jboss konzentriert, PHP-Entwickler aber nicht außen vor lässt.

Der Bedarf an eigenen Servern oder Desktops für die Software-Entwicklung ist also nicht mehr groß – ob in Java, PHP, Perl, Ruby oder einer anderen Sprache: Die externen Dienste skalieren ihre (virtuelle) Hard- und Software je nach Bedarf. Kurz und gut: Ein neuer Trend, Software-Entwicklungen in die Cloud auszulagern, ist in den letzten Jahren weitgehend unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit entstanden. Viele Anbieter verkaufen ihre Dienste noch als eigene Technologie, doch am Ende kommt immer das Gleiche heraus – eine fertige Software oder ein entsprechender Web-Dienst.

Diese Funktionen müssen PHP-Hoster bieten

Wichtig für die Auswahl der Dienste sind die verwendeten Webserver-Strukturen, Datenbanken, schon vorhandene Bibliotheken und Erweiterungen, Remote-Zugänge zu genutzten Bestandteilen, Benutzeroberflächen (grafisch oder als Command Line), Einstellbarkeit der Programmiersprachen-Features, Versionskontrollen, Testmöglichkeiten ohne Code-Verlust sowie Testfunktionen, die zeigen, wie viele der Ressourcen vom eigenen Code genutzt werden – so lassen sich Programmierfehler schneller ausfindig machen.

Fortrabbit-Mitgründer Lämmer erklärt die Hintergründe zur Notwendigkeit derartiger Services in seiner aktuellen Pressemitteilung: “Entwickler brauchen eine moderne Entwicklungsumgebung, eine zuverlässige Infrastruktur, etablierte Standards und ein Runtime-Testing zum Prüfen der aktuellen Entwicklung. Aber sie wollen sich auf ihren Code konzentrieren und haben nicht die Zeit oder die Skills, alles selbst aufzusetzen und zu pflegen. Oder sie haben schlichtweg die Nase voll von einfachen sich wiederholenden System-Administratoren-Aufgaben.”

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