Apples Garantiepolitik gerät ins Visier der EU

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Apple patcht mit einem Update die Sicherheitslücke CVE-2014-1266.

Nach Ansicht von EU-Justizkommissarin Viviane Reding informiert der Hersteller nur unzureichend über den Gewährleistungsanspruch. Die Werbung für die kostenpflichtige Garantieerweiterung Apple Care ist in ihren Augen “irreführend”.

EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat Apples Garantiepolitik gerügt. In einem Schreiben an die Verbraucherschutzminister aller 27 EU-Staaten informiert sie über die Versäumnisse des iPhone-Herstellers. Darin heißt es laut DPA: “Es scheint, dass Apple-Verkäufer es versäumten, Verbrauchern klare, wahrhaftige und komplette Informationen zu geben über die Garantie, die ihnen nach EU-Recht zusteht.”

EU-Kommissarin Viviane Reding hat die Justizminister der Mitgliedsländer aufgefordert, gegen Apple vorzugehen (Bild: EU).

Apple bietet neben einer einjährigen Herstellergarantie die kostenplichtige Erweiterung Apple Care an, mit der sich der Zeitraum auf zwei (iPhone, iPad, iPod, Apple TV) beziehungsweise drei Jahre (Mac, Display) ausweiten lässt. Die Werbung dafür bezeichnet Reding in dem Schreiben als irreführend. Zudem versäume es Apple, auf die in der EU verpflichtende zweijährige Gewährleistung hinzuweisen. Die EU-Mitgliedsstaaten fordert Reding auf, auf Grundlage ihrer nationalen Vorgaben gegen Apple vorzugehen.

Die freiwillige Garantie deckt Mängel ab, die nach der Übergabe an den Kunden auftreten. Die Gewährleistung gilt hingegen für Mängel, die schon zum Verkaufszeitpunkt bestanden haben, aber eventuell erst später entdeckt wurden. Laut EU-Recht hat jeder Kunde gegenüber dem Händler einen zweijährigen Gewährleistungsanspruch.

“Apple wirbt prominent dafür, dass seine Produkte eine einjährige Herstellergarantie haben, versäumt es aber, klar darüber zu informieren, dass Verbraucher laut EU-Recht ein automatisches und kostenloses Anrecht auf einen gesetzlichen zweijährigen Gewährleistungsanspruch haben”, schreibt die EU-Kommissarin.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) hatte Apple schon im März zusammen mit zehn weiteren europäischen Organisationen wegen Apple Care abgemahnt. Der Verband wirft Apple vor, das Unternehmen werbe online für eine gebührenpflichtige Herstellergarantie, ohne deutlich auf die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche des Käufers gegenüber dem Händler hinzuweisen.

Bei Verbrauchern könne dadurch der Eindruck entstehen, dass sie ohne die kostenpflichtige Herstellergarantie nach einem Jahr keinen Anspruch auf Gewährleistung mehr hätten. Damit halte der iPhone-Hersteller seine Kunden aber davon ab, ihre gesetzlichen Ansprüche geltend zu machen. Das komme unlauterem Wettbewerb gleich.

In Italien musste Apple aus diesem Grund nach einer Klage von dortigen Wettbewershütern bereits eine Geldstrafe von 900.000 Euro bezahlen. Inzwischen erläutert der Hersteller die Regelungen für Garantie und Gewährleistung auf seiner Website in einer Tabelle.

[mit Material von Björn Greif, ZDNet.de]

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