HP Deutschland will seine Mitarbeiter noch schneller loswerden

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Beim angeschlagenen Riesen gilt es, Kosten zu senken um jeden Preis: In einer internen Mail von Volker Smid, Chef der deutschen Niederlassung, heißt es, dass der angekündigte Stellenabbau bereits bis Ende 2013 stattfinden soll.  Für Käufer von HP-Produkten ändert sich wenig, für HP-Mitarbeiter aber viel.

Der angeschlagene Weltmarktführer (zumindest bei Notebooks) kämpft ums Überleben – Kritiker meinen, der Konzern wird es nicht schaffen; Käufer können trotzdem noch bedenkenlos Geräte des Herstellers erwerben: Die Kostensenkungsmaßnahmen betreffen vor allem die Angestellten und noch lange nicht die Kunden.

Volker Smid, HP-Deutschland-Chef, will schon 2013 die von der Konzernzentrale angeordneten Jobstreichungen durchziehen.

HP muss weltweit Stellen kürzen und macht dabei auch vor Deutschland nicht halt – und weil Kürzungen viel Geld kosten und sich das gerade mit deutschem Arbeitsrecht lange hinzieht, muss HP Deutschland Gas geben bei seinen unpopulären Streichungsplänen.

In einem ersten Schritt sollen in der Konzernzentrale in Böblingen etwa 450 Stellen abgebaut werden. Laut der Konzernmutter in den USA sollen die angekündigten Entlassungen bis Ende 2014 umgesetzt werden.

Allerdings will HP-Deutschland-Chef Volker Smid die Entlassungen noch deutlich schneller umsetzen. Derzeit laufen in Böblingen noch die Verhandlungen über die 450 Entlassungen in Deutschland. Laut einer internen Mail, die der Wirtschaftswoche vorliegt, sollen in der Sparte PC und Drucker zunächst 120 Stellen abgebaut werden. Die Unternehmens-IT werde demnach ebenfalls um 120 Stellen gekürzt. Der Bereich Software, den HP eigentlich langfristig stärken will, soll bis Ende 2013 um 30 Stellen gekürzt werden. Bei den “Global Functions” werden 180 Jobs abgebaut. Jedoch werden diese Streichungen über alle Standorte hinweg durchgeführt – einzelne Niederlassungen sollen offenbar nicht geschlossen werden. Damit behalten auch Kunden ihre lokalen Ansprechpartner – vielleicht nicht in Person, doch zumindest in Form der Service-Zweigstelle.

Smid, der jetzt auf eine schnelle Umsetzung der Pläne drängt, wolle dennoch die Entlassungen so verträglich wie möglich gestalten, heißt es bei HP. So wolle er so weit möglich auf Neueinstellungen verzichten und den Mitarbeitern Umschulungen und freiwillige Programme anbieten, wie aus der Mail hervorgeht. Ob es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen soll, ließ Smid in der Mail offen.

Für den Service-Arm von HP, Enterprise Services (ES) liegen derzeit offenbar noch keine Pläne vor. Wie sich die Restrukturierung hier auswirken soll, könne Smid erst in einigen Wochen mitteilen. Bei ES – großteils dem einst von HP erworbenen EDS – wurden zur Eingliederung schon zahlreiche Stellen gestrichen. Ob eine neuerliche Kürzungswlle nicht eher kontraprouktiv auch für die Unternehmenskunden wäre, muss sich HP wohl noch genauer überlegen.

HP beschäftigt in Deutschland derzeit 10.300 Mitarbeiter. Wahrscheinlich wird zu den genannten 450 Entlassungen noch eine zweite Welle in einer vergleichbaren Größenordnung hinzukommen. Die Gewerkschaften gehen von einem Jobabbau in Höhe von rund 1000 Stellen aus. Europaweit sollen rund 8000 Stellen wegfallen. Doch könnte auch diese Zahl noch steigen, denn der Konzern hat die Vorgabe von 27.000 auf 29.000 weltweite Streichungen angehoben.

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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