Diesmal aber wirklich: Europa gehen die IPv4-Adressen aus

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RIPE rationiert nun die Vergabe. Antragsteller bekommen nur noch IPv4-Adressen, wenn sie bereits IPv6-Adressen erworben haben. Um die Verknappung zu verdeutlichen, zeigt eine interaktive Grafik die Abnahme an.

Die IPv4-Adressenvorrat für Europa hat sich bis auf 16,8 Millionen Adressen verknappt. Das RIPE Network Coordination Centre (RIPE NCC) als zuständiger Adressverwalter kündigte an, die letzten verfügbaren Internetadressen nur noch in kleineren Chargen und mit Auflagen zu vergeben. Antragsteller bekommen jeweils nur 1024 Adressen zugeteilt und müssen außerdem nachweisen, dass sie bereits IPv6-Adressen erworben haben.

“Es ist die Morgendämmerung einer ganz neuen #IPv6-Ära”, machte RIPE mit einem Tweet auf den unvermeidlichen Übergang zum neuen Internetprotokoll mit erheblich größerem Adressraum aufmerksam. Der für den asiatisch-pazifischen Raum zuständige Registrar APNIC hatte den letzten /8-Block schon im letzten Jahr anbrechen müssen. RIPE ist der zweite der fünf regionalen Adressverwalter, dem die IPv4-Adressen ausgehen. Etwas besser ist es noch im die Adresspools für Nordamerika, Afrika und Lateinamerika bestellt. Insgesamt bietet IPv4 einen Adressraum mit 4,3 Milliarden Adressen, der fast ausgeschöpft ist. Die IANA hatte im Februar 2011 die letzten ihr zur Verfügung stehenden IPv4-Adressen an die regionalen Adressverwalter vergeben.

“Als das Internet konzipiert wurde, erschienen Probleme mit dem IPv4-Adressraum höchst unwahrscheinlich”, erklärte dazu Axel Pawlik, Geschäftsführer von RIPE NCC. “Die begrenzt verfügbaren IPv4-Adressen machten sich jedoch im Lauf der Zeit bemerkbar. In den letzten paar Jahren haben wir die Vorräte sorgfältig im Auge behalten, während wir uns und alle Beteiligten auf die nächste Phase des Internets vorbereitet haben. Da wir den letzten /8 erreichen, wird der verstärkte Einsatz von IPv6 immer wichtiger, das die Voraussetzungen für das künftige Wachstum des Internets schafft.”

Pawlik wirbt für das neue Internetprotokoll, das vielfach noch immer nur zögerlich angenommen wird: “IPv6 erweitert den Adressraum gewaltig. Es ermöglicht damit einen spannenden Wendepunkt der Gesellschaft, während mit dem Internet verbundene Geräte immer ausgereifter und alltäglicher werden.” IPv6 als Fundament garantiere, dass “das Internet der Zukunft für alle erreichbar bleibt”.

Mit einer interaktiven Grafik macht RIPE auf seiner Wesite auf die nun wirklich bald nicht merh verfügbaren neuen IPv4-Adressen aufmerskam (Screenshot, ITespresso).

Um die sich verschärfende Verknappung zu illustrieren, veröffentlicht RIPE NCC seit einiger Zeit täglich die Zahl der noch verfügbaren IPv4-Adressen. Eine interaktive Grafik zeigt dabei die tägliche Abnahme und gibt weitere Informationen.

Der oft als “Vater des Internet” bezeichnete Vint Cerf, heute Chief Internet Evangelist bei Google, mahnt schon länger den notwendigen Umstieg auf das Nachfolgerprotokoll IPv6 an, das bereits parallel zu IPv4 im Einsatz ist. Als “Wendepunkt in der Geschichte des Internets” bezeichnete er den World IPv6 Launch im Juni 2012. “Er durchbricht die Grenzen des ursprünglichen Adressraums, öffnet ein riesiges neues Gebiet, Billionen und Aberbillionen größer, und verstärkt die End-to-End-Architektur, die das Internet in seinen Anfängen so stark gemacht hat.”

[mit Material von Peter Judge, TechWeekEurope]