IETF macht lizenzfreies Audioformat Opus zum Standard

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Es ist Teil des für Videotelefonie im Internet gedachten WebRTC. Zwei kombinierbare Codecs decken zahlreiche Bandbreiten- und Qualitätsanforderungen ab. Opus-Miterfinder Jean-Marc Valin spricht vom “Anfang vom Ende proprietärer Formate”.

Die Internet Engineering Task Force (IETF) hat das lizenzfreie Audioformat Opus als RFC 6716 standardisiert. Es ist für die Nutzung im Web vorgesehen, wo es etwa Sprachtelefonie und Videkonferenzen ermöglicht, kann aber auch für Musik eingesetzt werden.

“Opus ist der erste kostenlose Audiocodec, der dem Stand der Technik entspricht und auch zum Standard erhoben wurde”, schreibt Mozilla-Sprecher und Opus-Miterfinder Jean-Marc Valin. “Wir hoffen, dass uns dies helfen wird, Opus weiter zu verbreiten als frühere lizenzfreie Codecs.”

Opus kombiniert zwei Audio-Codecs, einen mit schlechterer Qualität für Verbindungen mit geringer Bandbreite und einen für bessere Netzwerkbedingungen. Für höchste Qualität lassen sie sich auch kombinieren. Das Standard zielt auf möglichst geringe Verzögerungen ab – ein für Internet-Telefonie wichtiges Feature, damit die Gesprächspartner sich nicht gegenseitig ins Wort fallen.

Die Ursprünge von Opus sind in der VoIP-Software Skype zu finden – und bei der Xiph Foundation. Der Audiostandard ist Teil eines vorgeschlagenen Standards für Videotelefonie, WebRTC.

Unterschiedliche Videcodes im Vergleich (Grafik: opus-codec.com).

Codecs sind ein umkämpftes Feld, wie das Beispiel von AVC (oder H.264) zeigt. Ihn in Software zu integrieren, erfordert in fast allen Fällen eine Patentlizenz – für Open-Source-Lösungen problematisch. Das gilt auch für den Nachfolger H.265 alias HEVC. Außerdem stören sich viele Entwickler daran, dass für das Web grundlegende Technik nicht frei nutzbar ist. Die Inhaber der fraglichen Patente wollen aber gerne weiter auf diese Weise Geld verdienen – und versuchen, freie Alternativen zu marginalisieren.

Einem Erfolg von Opus steht zudem die Tatsache entgegen, dass Microsoft – dem Skype inzwischen gehört – den Kommunikationsstandard WebRTC ablehnt. In Firefox soll die Technik Anfang 2013 Einzug halten. Auch Opera und Googles Chrome arbeiten an einer Integration.

Strittig ist auch noch, welcher Videostandard Opus in WebRTC ergänzen soll. Die zuständige Gruppierung wollte sich bisher nicht auf den von Google eingebrachten Codec VP8 einigen. Valin gibt sich dennoch optimistisch: “Dies ist der Anfang des Endes proprietärer Formate.”

[mit Material von Stephen Shankland, News.com]