Privatsphäre gefährdet? Netzwerk-Forscher schlagen WLAN Zugang für Notfall-Dienste vor

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Tüftler der Technischen Universität haben einen neuen Mechanismus entwickelt, der Notfalldiensten Zugriff zu WiFi-Routern in der Nähe gewähren soll. Die Pressemitteilung, dies könne helfen, Leben zu retten, sorgte für Aufregung bei bekannten Datenschutzexperten wie Bruce Schneier.

“Sie übernehmen deinen Router”, formuliert TechEye-Autor Nick Farrell in gewohnter britischer Übertreibung die Bedenken zur aktuellen Forschung aus Deutschland.

Grund der Datenschutz-Panik: Im Katastrophen- und Unfallschutz sollen entsprechende Autoritäten leichter Zugang zu den Verbindungen vielerorts vorhandener WLAN-Netze erhalten, schlägt Student Kamill Panitzek vor. Ihm schwebt eine Art softwaregesteuerter Notfallschalter vor, der Regierungs- und Katastrophenschutzbehörden erlaubt, an installierten Sicherheitsmechanismen vorbei zu arbeiten. So könnten sie ihre Notfallnetze verbessern, um im Ernstfall optimal miteinander kommunizieren zu können.

Das bedeute aber auch, dass Angreifer und Behörden Zugriff bekämen, der ihnen sonst verwehrt sei, meint etwa Datenschutz-Prediger Bruce Schneier im Interview. Das käme dem “Internet-Killswitch“ gleich, wie er in den USA von einigen Politikern gefordert wird.

Panitzek sieht die Sicherheitsbedenken und behauptet, es handle sich nur um eine Art Gastzugang, wie er bei vielen WLAN-Nutzern schon üblich ist, um etwa dem Nachbarn Zugriff auf den Internet-Flatrate-Zugang zu gewähren.

Der Zugriff des Notfall-Netzes könne in die Firmware von Routern integriert werden und sei vollkommen vom restlichen Netz abgetrennt. Eine Art Kommando-Router für Katastrophenfälle, der das Notfallnetz steuert und sich jeweils die passende Verbindung sucht, soll als Backbone über all den privaten Rechnern stehen, die er nutzt.

Schneier ist nicht glücklich damit: Sei ein solches System einmal aufgebaut, müsse man noch  zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen integrieren, damit nur die richtigen Leute so etwas nutzen.

[Mit Material von Nick Farrell, TechEye]

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