Deutsches Unternehmen: Cloud und Suchmaschinen sind überflüssig

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Das deutsche Unternehmen shuccle glaubt, Cloud sei nur eine Marketinghülse für den Verkauf von zu groß eingekaufter Rechenleistung. Die Zwischenlagerung von Informationen bei einer Suchmaschine sei zudem ein Relikt aus Zeiten mit nicht ausreichenden Internet-Bandbreiten.

Das Unternehmen shuccle AG aus Reinbek glaubt, den Stein der Weisen für die gezielte Suche im Internet gefunden zu haben: Eine Art digitales Schaufenster soll eine Alternative zum bisherigen Suchmaschinenkonzept sein. Nicht nach irgendwelchen Begriffen mit tausenden Suchergebnissen soll der Nutzer forschen, sondern gezielt in Themenschaufenstern nach Einträgen suchen.

Wie sich das shuccle-Gründer Hans-Diedrich Kreft vorstellt, zeigt er in einem Video:

Die Idee dahinter: Sensible Firmendaten werden nicht in der Cloud, sondern einem Netzwerk von Rechnern der sich präsentierenden Unternehmen abgelegt. Gründer und Vorstand Kreft nennt dies das “Kernel-Konzept”. Darin würden im Unterschied zu gängigen Suchmaschinen-Ergebnissen Dinge gefunden, die tatsächlich gesucht werden.

In einem Schaubild will er zeigen, dass Suchmaschinen nur zwischenspeichern, was sie im Web finden, “gleich ob sinnvoll oder nicht”, um es dann dem Web-Nutzer zu präsentieren. In der eigenen Alternative würde die Suchmaschine entfallen und der Nutzer die Information direkt erhalten.

Kreft: “Als Google sich 1996 etablierte, lagen die Datenübertragungskapazitäten im Web weit unter den heutigen. Da war es sinnvoll, dass eine Suchmaschine die Daten erst zwischenspeichert. Heute hält Google Zigtausende von Rechnern vor, die erneut speichern, was im schnellen Internet auch direkt abgreifbar ist.” In Krefts Konzept sind alle beteiligten Server mit einer eigenen “Kernel”-Software ausgestattet, die quasi als Schaufenster präsentieren soll, welche Inhalte in welchem Zusammenhang der Webserver bietet. Kreft in einem anderen Video: “Sie suchen nur in dem Themenumfeld, das Sie interessiert”. Informationen müssten also nicht wie bei herkömmlichen Suchmaschinen in die Cloud ausgelagert werden.

In einem selbst fabrizierten Interview bezeichnet Kreft “die Cloud” als einen “der schönsten aus den USA kommenden Marketinggags der letzten Jahre”. Mit dem explosionsartigen Wachsen der Rechnerleistung wie Speicherkapazitäten habe sich ein “Überangebot an elektronischer Leistung bei Mainplayern wie Amazon, Google und so weiter” ergeben: “Diese ungenutzte Leistung bietet man unter dem wahrlich luftigen Namen ‘Cloud’ mittelständischen Firmen an, die ihre Daten vom heimischen Server in die Wolke, d. h. schlimmstenfalls auf einen Rechner in den USA auslagern sollen”. Das Cloud-Konzept widerlege sich jedoch selbst: “Weil die Rechenleistungen steigen, steigen sie auch auf dem lokalen Server. Was soll also auf dem Cloud-Rechner besser sein, wenn Software hier wie dort gleich gut läuft?”

In einem kleinen Test von ITEspresso.de auf der Website von Shuccle erwies sich der Plan des Firmengründers als vollkommen unrealistisch: Gute und seriöse Ergebnisse konnte “das Kernel” nicht gerade vorweisen – es lebt davon, dass viele Unternehmen teilnehmen. Händeringend scheint der Unternehmensgründer nun nach Firmen zu suchen, die mitmachen – um das Ergebnis auf der kommenden Hannovermesse 2013 zu präsentieren. Schließlich muss Idealist Kreft beweisen, dass der für seine Idee verliehene Innovationspreis nicht alleine seinem Marketing-Talent zuzuschreiben ist.

 

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