Seltene Erden: China dreht wieder an der Preisschraube

Politik

Offiziell werden die Kriterien für Abbau- und Verarbeitungsrechte der für die IT-Branche so wichtigen Rohstoffe verschärft. In der Vergangenheit waren ähnliche Schritte oft mit Maßnahmen zum Umweltschutz begründet worden. De facto handelt es sich wohl um eine weitere Konsolidierung, um den Markt besser kontrollieren zu können.

China hat – nach der offiziellen Sprachregelung – für Firmen die Zugangskriterien zur Branche der Seltenen Erden erhöht. Laut den jüngsten Vorschriften des chinesischen Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie verschärfen sich sowohl für den Abbau als auch die Verarbeitung die Kriterien erheblich. Mitgeteilt wurde , dass ein Drittel der bislang tätigen Bergbauunternehmen und nahezu die Hälfte der Verarbeitungsfirmen die neu aufgestellten Vorschriften nicht erfüllen.

Unter Berufung auf eine Meldung bei China National Radio von gestern berichten westliche Branchenbeobachter dagegen, dass von den bestehenden 23 Minen und 99 Schmelzanlagen rund ein Fünftel geschlossen würden, da sie die Produktionskapazität von mindestens 20.000 beziehungsweise 2000 Tonnen jährlich nicht erreichen. Ob die früher im Jahr für den 8. August angekündigte Einrichtungen einer Rohstoffbörse für Seltene Erden in Baoutou, einem der Zentren der Förderung, umgesetzt wurde, ist nicht bekannt.

Die aktuelle Regelung dürfte für weiteren Ärger mit den Abnehmerländern sorgen. Bereits im März hatte die Europäische Union angekündigt, sich nicht mit den damals von China erlassenen Exportbeschränkungen für 17 für die IT-Branche wichtigen Seltenerdmetallen, Wolfram und Molybdän abfinden zu wollen. Zusammen mit den USA und Japan hatten die Europäer daher bei der Welthandelsorganisation (WTO) eine Klage eingereicht.

“Chinas Beschränkungen für Seltene Erden und andere Produkte verletzen internationale Handelsregeln und müssen aufgehoben werden. Diese Maßnahmen beeinträchtigen Produzenten und Verbraucher in der EU und der ganzen Welt, insbesondere Hersteller innovativer High-Tech- und Green-Business-Produkte”, sagte EU-Kommissar Karel De Gucht damals. Die verschärften Exportbestimmungen sorgten bereits im vergangenen Jahr dafür, dass die Preise deutlich angezogen haben. Als Reaktion darauf hatte die EU begonnen, Vorräte anzulegen.

Trotz vorausgegangener WTO-Entscheidungen hält China an den Exportbeschränkungen fest. Es ist sogar wahrscheinlich, dass mit der jüngsten Maßnahme die Ausfuhrmengen für Seltene Erden weiter reduziert werden. China hat dies in der Vergangenheit unter anderem mit Umweltschutzmaßnahmen begründet.

Unter dem Begriff Seltenerdmetalle sind 17 chemische Elemente des Periodensystems zusammengefasst. Neben Lanthan und den 14 sogenannten Lanthanide, darunter Neodym, Europium und Ytterbium sind dies auch Scandium und Yttrium. Sie zeichnen sich durch besondere magnetische Eigenschaften, Hitzebeständigkeit und phosphoreszierende Eigenschaften aus. Daher finden sie unter anderem in Magneten, Metallverbindungen und Batterien, Katalysatoren, Motoren, Flachbildschirmen und Festplatten Verwendung.

Sie werden in der Regel zwar nur in sehr geringen Mengen benötigt, sind aber für die meisten Anwendungen derzeit nicht gleichwertig durch andere Materialien ersetzbar. Außerdem ist ihre Rückgewinnung wegen der Verwendung in Legierungen oder in sehr geringen Mengen außerordentlich schwierig. Aus China stammen Angaben der EU zufolge derzeit 97 Prozent der weltweit geförderten Seltenen Erden sowie 91 Prozent des geförderten Wolframs und 36 Prozent des weltweit gewonnenen Molybdäns.

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