Megatrend Consumerisierung: Revolution am Arbeitsplatz?

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Der Trend zur Consumerisierung der IT-Ausstattung stellt die gesamte IT-Strategie der Unternehmen auf den Prüfstand. Selbst Personalmanager beschäftigen sich inzwischen mit den Folgen für die Produktivität der Mitarbeiter. Eine Studie von Dell und Intel sieht vor allem für kleine Unternehmen große Chancen.

Was in einem Modewort so alles drinstecken kann. Zum Beispiel in “Consumerisierung”. Der einst vom Marktforschungsunternehmen Gartner geprägte Begriff bezeichnete anfangs nur den Trend, dass technikbegeisterte Mitarbeiter in Unternehmen ihre private Hardware – vor allem Mobilgeräte wie Handys, Tablet-PCs oder Notebooks – mitbringen und für berufliche Aufgaben nutzen. Inzwischen hat sich daraus ein Megatrend entwickelt, der scheinbar die gesamte traditionelle IT-Strategie der Unternehmen über den Haufen wirft und über den sich sogar Personalmanager den Kopf zerbrechen.

Manche Experten meinen sogar, die Consumerisierung spiele eine zentrale Rolle für die Produktivität und die Loyalität der Mitarbeiter. Eine Entwicklung übrigens, an der auch kleine Unternehmen nicht vorbeikommen.
Diesen Eindruck bestätigt auch der jetzt veröffentlichte dritte und letzte Teil der Studie “The Evolving Workforce”, die von TNS Global Research im Auftrag von Dell und Intel durchgeführt wurde.

Umfrage unter 8000 Beschäftigten

Über Teil eins und Teil zwei der Studie hatte ITespresso bereits ausführlich berichtet. In Teil eins hatten Trendforscher und IT-Experten ihre Einschätzungen dargelegt, welche Trends in den nächsten Jahren die Arbeitswelt bestimmen werden. Im zweiten Teil hatten über 8000 Beschäftigte in Unternehmen aus elf Ländern, darunter auch Deutschland, über ihre Erfahrungen und Meinungen berichtet.

 

“Unterbrechungsfreie Produktivität” verspricht Dell in seinem Onlineshop für das Dell Ultrabook. Eine Verbesserung der Produktivität ist auch das Ziel, wenn IT-Verantwortliche die Nutzung privat angeschaffter Geräte im Unternehmen zulassen.

Im jetzt erschienenen dritten Teil haben wieder die Chefs das Wort. Der Report “The Business Perspective and Research Summary” fasst die Meinungen von IT-Verantwortlichen und Experten wie beispielsweise CEOs, CTOs und CIOs zusammen.

Nicht alle Ergebnisse der Studie sind sensationell oder bringen umwerfend Neues. Passagenweise bieten sie auch Trivialitäten wie die, dass Unternehmen auf Transparenz der Entscheidungen achten müssten. Denn transparente Entscheidungen sind leichter nachvollziehbar und werden leichter akzeptiert. Das wusste man auch schon vor der Studie. Trotzdem gibt es eine Reihe durchaus lesenswerter Aspekte.

Flexibilität und Mobilität

Der Begriff Consumerisierung ist durchaus vielfältig. Gemeint ist damit nämlich nicht nur, dass die Mitarbeiter ihre eigenen Geräte ins Büro mitbringen (BYOD – Bring your own device), sondern auch die Erwartung, unterwegs mit Mobilgeräten arbeiten zu können, sowie die Flexibilität innerhalb des Unternehmens. Und Techniken wie Cloud Computing oder Tablet-PCs ermöglichen es den Mitarbeitern von überallher auf die Daten zuzugreifen.

Für die Unternehmensführung besteht die Herausforderung unter anderem darin, die daraus entstehenden Risiken wie Datenmissbrauch am Arbeitsplatz oder den Datenverlust durch Verlust eines Mobilgeräts in Griff zu kriegen.

Kleine Unternehmen sind schneller

Zu den interessanten Ergebnissen des Reports gehört, dass es gerade die Start-ups und die kleinen Unternehmen sind, die neue Trends und Techniken wie Tablet-PCs, Cloud Computing oder Consumerisierung zu ihrem eigenen Vorteil nutzen.

Trotz aller genannten Risiken ist für die Autoren der Studie aber eines klar: Die Consumerisierung ist ein Trend, der nicht mehr weg geht und der großen wie kleinen Unternehmen enorme Möglichkeiten zur Steigerung der Produktivität eröffnet.

Erfahrene und ältere Mitarbeiter können bei ihrer IT-Ausstattung eher mitentscheiden als Neulinge in der Firma. Im Bild das Smartphone Samsung Galaxy S III. (Foto: Samsung)

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

• Weltweit sinkt der Anteil der Mitarbeiter, die feste Arbeitszeiten, beispielsweise von neun Uhr morgens bis fünf Uhr nachmittags haben. Derzeit sind es etwa noch 60 Prozent.

• Fast die Hälfte aller Mitarbeiter wünscht sich, dass sie dieselben Geräte sowohl für Arbeit also für Freizeit verwenden können.

• 50 Prozent behaupten, ihnen würde die Arbeit mehr Spaß machen, wenn sie bei der Auswahl der Geräte mit entscheiden könnten. 60 Prozent glauben, mit besserer Hardware wären sie auch produktiver.

• Mehr als vier von zehn Mitarbeitern in Unternehmen können heute schon ein Wörtchen mitreden, wenn es um die Wahl der IT-Ausstattung geht. In einigen Jahren werden es 55 Prozent sein.

• Besonders die so genannten Schwellenländer wie Mexiko, China oder Brasilien setzen sehr stark auf Mobilität und Consumerisierung.

• IT-Verantwortliche wie CTOs oder CIOs machen sich inzwischen weniger Gedanken darum, welche Geräte im Einsatz sind sondern mehr darüber, welchen Zugang die Mitarbeiter zu den Informationen nutzen und wie sie diese Informationen verteilen.


• Erfolgreiche Unternehmen werden sich in Zukunft vor allem dadurch auszeichnen, dass sie die ihnen zur Verfügung stehenden bzw. im Betrieb generierten Daten und Informationen möglichst effizient austauschen, analysieren und auswerten.

• Je größer die Vielfalt an Zugängen und Geräten, desto wichtiger wird auch das Thema Interoperabilität und Kompatibilität. Nur so ist ein gleichmäßiger und störungsfreier Fluss von Informationen nötig. Laut Studie können zur Zeit schon 59 Prozent aller Mitarbeiter in Unternehmen die Daten zwischen allen ihren verschiedenen Geräten tauschen

• Während jüngere Mitarbeiter zwischen 18 und 24 Jahren bei Neueinstellung großen Wert darauf legen, auch die passenden PCs, Smartphones oder Tablet-Geräte zur Verfügung zu haben, sind es gerade die älteren und erfahrenen Mitarbeiter, deren IT-Wünsche häufiger berücksichtigt werden.

• Das alte Modell “der-gleiche-Arbeitsplatz-PC-für-alle” gilt nicht mehr. Es wird zunehmend die Aufgabe des IT-Managements sein, ihre Kollegen mit den Geräten und der maßgeschneiderten IT-Ausstattung zu versorgen, bei denen diese ihre Fähigkeiten am besten einbringen können.

• Produktivität wird in Zukunft nicht mehr danach gemessen werden, wie lange jemand im Büro saß sondern wie hoch die Qualität seiner Arbeitsleistung ist. Dementsprechend sieht die Studie in Zukunft einen zunehmenden Bedarf für Software, die die Produktivität in verschiedensten Arbeitsprozessen registriert und analysiert. Damit wird letztlich auch die Steuerung der Arbeitsprozesse komplizierter und differenzierter.

• Die Aufmerksamkeit der IT-Manager wird sich in den nächsten Jahren verstärkt von den Geräten weg und zu den Daten und den Zugängen hinbewegen. Mit anderen Worten: Es ist egal, mit welchem Gerät der jeweilige Mitarbeiter oder die jeweilige Abteilung die Daten produziert. Es kommt vielmehr auf die Qualität der Daten und den unkomplizierten Austausch an.

Das Marktforschungsunternehmen TNS Global Research hat mehr als 8000 Mitarbeiter aus elf Ländern für die Studie “Evolving Workforce” befragt.

Work-Life-Balance in Gefahr

Diese Trends sind längst ein Thema auch für die Personaler geworden. Vor allem die ständige Verfügbarkeit der Mitarbeiter zu jeder Zeit und an jedem Ort könnte schon bald zu Problemen führen.

Arbeitsmarktforscher und Personaler befürchten, die ständige Verfügbarkeit könnte dazu beitragen, dass die viel zitierte Work-Life-Balance außer Kontrolle gerät oder, dass der Trend zur Zusammenarbeit in virtuellen Communitys zur sozialen Isolation Einzelner führen könnte. IT-Verantwortliche müssen deshalb wenigstens teilweise wie ihre Kollegen aus den “Human Resources” denken und die Arbeitssituation der einzelnen Mitarbeiter bei der IT-Ausstattung berücksichtigen.