Olympia London 2012: ausgewählte Apps, Infos und IT-Fakten

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Die Olympischen Spiele in London sind nicht nur ein riesiges Sportereignis, sondern auch ein gigantisches IT-Projekt. Außerdem können sich Nutzer so umfassend und vielfältig wie noch nie mobil über die Spiele informieren lassen. ITespresso stellt die besten Apps dafür vor und zeigt, wie viel IT hinter Olympia steckt.

Der Satz klingt abgedroschen, ist aber trotzdem wahr: Jede sportliche Großveranstaltung, die heutzutage die Massen in ihren Bann zieht, wird intensiver durch die Möglichkeiten unterstützt, die IT und Telekommunikation bieten, als ihr Vorgänger. Das hat mehrere Gründe: Einerseits nimmt die Zahl der Athleten, Zuschauer, Offiziellen und Journalisten immer mehr zu, andererseits wachsen mit den technischen Möglichkeiten die Ansprüche der Veranstalter.

Darum geht´s: Die Medaillen der Olympischen Spiel in London (Bild: LOCOG)

Für Zugangskontrollen reichen nicht mehr ein paar Uniformierte, für die Übertragung der Ergebnisse ins Organisationsbüro nicht mehr ein vom Boten überbrachtes Formular. Für die Lenkung und Information der Besucher sind schicke Piktogramme, wie sie der legendäre Otl Aicher und sein Team für die Spiele in München 1972 erfanden, nicht mehr genug: Obwohl die Briten ähnliche, etwas verspieltere Symbolbilder benutzen, muss heutzutage dafür mindestens eine App her. Womit wir schon beim Thema wären…

Diesen Bedarf hat natürlich auch das LOCOG gennannte Organisationskomitee erkannt und stellt gleich drei davon bereit – natürlich kostenlos. Die erste davon, Join in App genannt, ist vor allem für Besucher der Spiele interessant. Sie liefert – in Englisch – Informationen, damit sie ihren Besuch planen und bestmöglich genießen können. Das fängt mit allem Wissenswerten über den Weg der Fackel ins zur Eröffnungszeremonie an, geht über die Eröffnungs- und Abschlusszeremonien, Informationen zu den Sportstätten bis zu all den kulturellen Veranstaltungen im Rahmen der Spiele – nicht nur im Großraum London, sondern in ganz Großbritannien. Sie steht zum Download für Android , iOS und Blackberry OS zur Verfügung – woran man merkt, dass die Kanadier auf der Insel noch ein ganz anderes Standing haben als hierzulande.

Für die Mehrzahl der Smartphone-Nutzer sind dagegen die beiden anderen Gratis-Apps der Olympia-Macher wesentlich interessanter. Sportbegeisterte können sich mit der “Results App” auf dem Laufenden halten. Sie liefert neben Nachrichten, Wettkampfplänen auch Ergebnisse der Spiele. Natürlich dürfen auch der Medaillenspiegel und Profile der Athleten nicht fehlen. Und wem das alles zu viel ist, der kann einzelne Länder, Sportarten oder Athleten als Favoriten markieren und sich nur dazu informieren lassen.

Olympia-Apps im Überblick

Olympia-Apps im Überblick

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Das Interesse mobiler Nutzer an den Spielen will das Organisationskomitee erkannt mit drei davon kostenlosen Apps befriedigen. Die erste davon, Join in App genannt, ist vor allem für Besucher der Spiele interessant. Sie liefert in englischer Sprache Informationen, für die Planung desTagesablaufs, Informationen zu den Sportstätten und zu all den kulturellen Veranstaltungen im Rahmen der Spiele. Sie steht für Android, iOS und Blackberry OS zum Download bereit (Bild: LOCOG).

Auch diese App gibt es nur in englischer Sprache aber dafür gleich in vier Varianten: Sie steht außer für Android, iOS und Blackberry auch für Windows Phone 7 zum Download bereit – was zeigt, dass so eine Veranstaltung einen beachtlichen Vorlauf benötigt.

Zu guter Letzt hat das Londoner Organisationskomitee auch an alle gedacht, denen der Sport eigentlich herzlich egal ist. Für sie wurde extra ein Spiel programmiert. Natürlich geht es da auch um Sport – und vielleicht ist das auch einfach ein erster, dezenter Hinweis, dass auch E-Sports bald olympisch werden. Bis dahin müssen sich die Gamer mit dem bei Facebook verfügbaren Spiel begnügen.

Wo wir schon beim Spielen sind: Samsung als offizieller Olympia-Sponsor hat es sich nicht nehmen lassen, ebenfalls eine App zu erstellen. Sie heißt Take Part und ist – Überraschung, Überraschung – nur für Android erhältlich. Neben mehreren Spielen – alles Disziplinen, die sich schon beim C64 als computerspieltauglich bewährt haben, wie 100-Meter-Lauf und Tontaubenschießen – hat Samsung auch etwas Innovativeres hineingepackt: Zwei Augmented-Reality-Spiele lassen sich mit einem ausgedruckten Spielfeld nahezu überall spielen. Das konnte der C64 zugegebenermaßen nicht.

Zudem versorgt auch diese App ihre Nutzer mit einer Bestenliste sowie aktuellen Nachrichten von den Olympischen Spielen. Zusätzliches Bonbon: Alle Sportstätten kann man sich in 3D und einer 360-Ansicht betrachten.

Das Olympiagelände in London kurz vor der Fertigstellung (Bild: Anthony Charlton)

Hartgesottene Sportfans unter den Smartphone-Besitzer haben sie wahrscheinlich ohnehin schon, für alle anderen ist vielleicht Olympia eine Gelegenheit zu schauen, was die ARD mit all den GEZ-Einnahmen so treibt und sich die Sportschau-App herunterzuladen, beziehungsweise sich mit der ZDF-Mediathek-App – die ebenso wie das ARD-Mobilprogramm für Android, iOS und Windows Phone zur Verfügung steht, die Fernsehberichterstattung und Live-Streams des Senders aufs Smartphone zu holen. Da die beiden Sender ihrem Bildungsauftrag mit bis zu sechs Streams gleichzeitig und so bis zu 60 Stunden Video pro Tag nachkommen, sollte man sich aber noch einmal genau überlegen, welche Datenoptionen der gewählte Mobilfunkvertrag bietet – oder bei Nutzung der Apps lieber gleich über eine WLAN-Verbindung ins Netz gehen.

Alternativ zur ZDF Mediathek – die in den App-Marktplätzen nicht immer nur glänzende Kritiken bekommen hat, erlauben auch TV-Apps wie Zattoo, erhältlich für Android, iOS und Windows Phone, die Fernsehberichterstattung auf dem Smartphone zu verfolgen. An den Moderatoren ändert das aber auch nichts. Wer mit denen ein Problem hat, kann selbstverständlich die Spiele auch durch die britische Brille in Augenschein nehmen – die BBC macht´s möglich, denn auch sie hat gleich drei Olympia-Apps entwickelt und zum Download bereitgestellt.

Blick auf die IT hinter Olympia

Die Bildergalerie zeigt und erklärt die Anforderungen an die IT hinter Olympia und wie die IT-Partner des Organisationskomitees diese meistern. Einen ausführlichen Artikel zu den letzten Tests der IT-Infrastruktur für Olympia hat ITespresso schon Anfang Juni veröffentlich. Sie finden ihn hier.

Dort gibt es dann statt der mickrigen, von unseren Gebühren finanzierten sechs Streams, bis zu 24 Livestreams. Außerdem liefert sie natürlich ebenfalls detaillierte Wettkampfpläne, Ergebnisse und aktuelle Nachrichten. An die kurze verbleibende Zeit, in der in den Arenen nichts passiert, hat die BBC auch gedacht: Dann können sich Nutzer durch Statistiken für jeden Athleten, jede Sportart und jedes Land wühlen – zum Beispiel, um herauszufinden, welche Medaillen die auch durch eine große menschliche Geste bekanntgewordene Georgerin Nino Salukwadse gewonnen hat. Na, hätten Sie doch nicht gewusst, oder?

Die Android-App der BBC zu Olympia (Bild: BBC/Google Play).

Praktisch an der BBC-App ist, dass sie es erlaubt, Texte für das spätere Lesen offline abzuspeichern. Sie steht für Android, iOS und Blackberry OS zur Verfügung. Manchmalk zickt die BBC allerdings etwas und trifft Vorkehrungen, damit nur britische Gebührenzahler ihre Angebote in vollem Umfang nutzen können. In den FAQ zur Olympia-App steht davon allerdings nichts.

Außerdem streamt die BBC via Facebook von den Spielen. Dazu wird eine Facebook-App angeboten. Wer die installiert, kann sich die Sportereignisse mit Freunden anschauen, darüber chatten und Kommentare zu den Ereignissen hinterlassen, die dann unter dem Stream angezeigt werden.

Drückt man auf den Play-Button auf dem Stream drückt oder lässt man sich zu einem Like hinreißen, hat man allerdings über den Facebook-Newsfeed allen Freunden verraten, dass man sich gerade die Vorentscheidung in rhythmischer Sportgymnastik doch angesehen hat – obwohl man immer behauptet, wenn überhaupt, bei Olympia nur Taekwondo, Ringen und Boxen interessant zu finden.

Wer damit leben kann, erhält über die Fanpage von BBC Sport sowie das Facebook Apps Centre Zugriff. Zumindest theoretisch – denn pünktlich zum Start der Spiele wurde die Nutzung des Angebots eingeschränkt: Die BBC möchte wohl auch bei Facebook nur für Briten streamen. Abhilfe schaffen Tools wie OkayFreedom: Es “erklärt” der Site, dass man auch in Castrop-Rauxel oder Villingen-Schwenningen Brite sein kann, sei es nun im Pass oder nur im Herzen.

Pünktlich zum Start der Spiele hat die BBC ihre Facebook-App auf einen bestimmten Nutzerkreis eingeschränkt. Tools wie OkayFreedom erklären der Site aber, dass man dazugehört (Screenshot: ITespresso).

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