Kann Skype Gespräche abhören?

Big DataData & StorageNetzwerkePolitikRechtSicherheitSicherheitsmanagementVoIP

Weder Skype noch Eigentümer Microsoft antworten auf die Frage, ob Skype-Gespräche abgehört werden können. Entsprechende Gesetzesentwürfe sorgten für Gerüchte, die Microsoft im Rahmen der Datenschutzdiskussion überhaupt nicht gefallen können.

Wie das US-Blog Slate berichtet, erhitzen sich derzeit die Gemüter über Datenschutz in Skype und anderen Konferenzsystemen. In den USA legte das FBI einen Plan vor, der das Abhören von Internet-Telefonie und das Beobachten von Chaträumen erlauben soll. In Australien und Großbritannien bestehen ähnliche Pläne.

Die Gesetzesentwürfe dafür wurden von Strafverfolgern in diesen Ländern gefordert und liegen teilweise schon vor. Demnach sollen die Softwarehersteller und Onlinebetreiber Hintertüren in ihre Systeme einbauen, um dem Staat die Überwachung zu ermöglichen. Bevor Microsoft Skype erwarb, berief sich der VoIP-Experte darauf, er könne solche Überwachung gar nicht einrichten, weil er mit Peer-to-peer-Technik und Verschlüsselung arbeite, doch dann änderte Skype seine Infrastruktur.

Die Blogger von “Extremetech” glaubten, dies sei ein Zugeständnis Skypes an die Nachfragen nach “stateful inspection” durch die Polizeibehörden. Als dann Microsoft noch ein Patent für Abhörtechniken in VoIP-Systemen einreichte und die Slate-Redakteure die aktuelle Privacy Policy von Skype begutachteten, kamen sie zu dem Schluss, dass Skype Kopien des VoIP-Gesprächs oder anderen Informationsaustauschs für maximal 30 Tage speichern darf “sofern es nicht anders vom Gesetzgeber verlangt wird”.

Skype kann also, wenn staatliche Überwacher es wollen, Gespräche mitschneiden. Das aber dürfe Skype seinen 663 Millionen Usern nicht erzählen, denn so würde man Vertrauen und Nutzer verlieren, meint Slate. Die Angst vor dem Überwachungsstaat ist so groß, dass Dienste wie Jitsi, (ehemals “SIP Communicator”) die Videokonferenzen mit einem hohen Maß an Verschlüsslung und Sicherheit bieten und sogar von der Privatsphäre-Organisation Tor empfohlen werden, die “verlorengegangenen” Skype-Anwender auffangen würden.

Betriebsgeheimnisse durch verschlüsselte Skype-Kommunikation zu wahren scheint jedenfalls nicht mehr so einfach zu sein. Möglicherweise zwingen entsprechende Gesetzentwürfe ja aber auch Alternativdienste wie Jitsi zum Aushorchen.

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen