Videokonferenzsysteme kostenfrei verbinden

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Der Anbieter Vidyo verbindet die Videokonferenzsysteme verschiedener Hersteller kostenfrei. Damit greift er ein Geschäftsmodell der Deutschen Telekom auf – und nimmt mit dem kostenlosen Angebot dem kostenpflichtigen Dienst “VideoMeet” des rosa Riesen möglicherweise die zahlenden Kunden.

Die Konferenzsysteme von Polycom, Cisco/Tandberg, LifeSize und Microsoft Lync könnten nun kostenfrei verbunden werden, erklärt der Anbieter Vidyo. Sein Produkt “VidyoWay” sei das erste erhältliche, das unterschiedliche Videosysteme miteinander verbinde, tönt der Anbieter. Dabei hatte die Telekom bereits im November 2011 mit dem Dienst VideoMeet das Gleiche behauptet. Rundweg neu ist das auch damals nicht gewesen: Die Telekom nutzt die Technik des US-Startups “Blue Jeans Network”.

Bei VidyoWay kann nun über eine leicht zu bedienende Oberfläche eine Konferenz zwischen Cisco-, Polycom-, Lifesize- sowie weiteren H.323- und SIP-basierten Raumsystemen, Microsoft Lync Clients, mobilen Endgeräten und Telefonen gestartet werden.

Der Cloud-Dienst sei kostenfrei nutzbar, erklärt Vidyo – doch wirklich fertig ist er wohl noch nicht. Der “Business-Anwender” muss sich erst einmal registrieren.

Der freie Konferenzraum befinde sich “in der Wolke”, erklärt Mitbegründer Ofer Shapiro die Funktionsweise des Dienstes, der Service werde die geschäftliche Nutzung von Video und die Zahl der Video-Anwender enorm erhöhen, ist er sich sicher. Ganz selbstlos ist die kostenfreie Anbindung über den Dienstleister nicht: er bietet als Widerverkäufer und Installateur die Konferenzsysteme anderer Hersteller an und hofft auf den “Netzwerk-Effekt” des kostenfreien Angebots.

Über Vertriebspartner (mit deutscher Zentrale in München) will Vidyo so vom Video-Boom im Internet profitieren.
“Für Vidyo ist das ein weiterer Schritt, die Geschäftsmodelle der B2B-Videokeonferenzwelt auf den Kopf zu stellen”, bekundet der Firmengründer. Anbietern vergleichbarer (aber kostenpflichtiger) Dienste wie der Telekom könnte Vidyo tatsächlich einen gehörigen Schrecken versetzen.

Für Technologie-Interessierte geht Vidyo in seiner Ankündigung noch ins Detail: Ein eigener “VidyoRouter” baue auf der patentierten Adaptive Video Layering-Architektur  auf und verwende die H.264 Scalable Video Coding (SVC)-Technologie. Damit würden bisher übliche Multipoint Control Units (MCU) für die Videokommunikation genauso überflüssig wie dedizierte Netze und hohe Dienstgüte-Anforderungen, bestehende Videokonferenzausstattung ließe sich jedoch weiter nutzen.

Das System passe sich an die jeweiligen Endgeräte sowie an schwankende Bandbreiten automatisch an und garantiere “natürliche, qualitativ hochwertige und kostengünstige Videokommunikation über das Internet sowie über LTE- und 3G/4G-Netze”, erklärt der Videospezialist.

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