Tipps vom Experten: Web-Videos für Unternehmen

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Viele Unternehmen stellen Image-Videos ins Internet oder werben per Video für ihre Produkte. Lohnt sich das auch für kleine Unternehmen? Worauf sollte man achten, wenn man einen Videoproduzenten beauftragt? Diese und andere Fragen beantwortet Martin Goldmann von Redgo.TV.

Ein Image-Video für die Firma? Gute Idee, Videos im Web sind der Renner und digitales Equipment kostet ja nicht mehr die Welt. Das Drehbuch ist schnell geschrieben. Die erste Einstellung zeigt das Firmengebäude von außen. Dann sieht man den Geschäftsführer, der sagt: “Herzlich Willkommen.” Anschließend führt er den Zuschauer durch die Firma. Überall zufriedene Mitarbeiter, die arbeiten und in die Kamera lächeln. Die nächste Szene zeigt ein Beratungsgespräch mit einem Kunden. Händeschütteln mit dem Geschäftsführer, am Ende verlässt ein glücklicher Kunde die Firma.

Musik wäre auch gut. Am besten irgendeine flotte GEMA-freie Musik. Die kann man eigentlich den ganzen Film lang durchlaufen lassen. Das transportiert Schwung und Optimismus.
Ton und Atmo? Nicht so wichtig und überhaupt: Was ist eigentlich Atmo? Wir wollen ja keinen Hollywood-Film drehen.

Stimmt schon, so ein Video ist schnell produziert – und ein sicherer Flop. Denn das hier beschriebene Filmchen weist so ziemlich alle Fehler auf, die man machen kann. Videos in diesem Stil gibt es leider viele im Web. Unternehmen tun sich mit dieser Art der Selbstdarstellung keinen Gefallen.

Doch wie kann man es besser machen, und zwar ohne den Aufwand in unbezahlbare Höhen zu treiben? Und worauf sollte ein Unternehmen achten, das einen Dienstleister mit der Produktion eines Imagevideos beauftragt?

Das sagt der Experte

Wie man ein Video dreht, das professionell aussieht und die Botschaft des Unternehmens zielsicher rüberbringt, weiß Martin Goldmann. Goldmann ist Inhaber des Videodienstleisters Redgo.TV. Er produziert unter anderem auch Imagefilme für Unternehmen, die im Web veröffentlicht werden. Auch für Inhouse-Schulungen zum Thema “Videoproduktion” lässt sich Redgo.TV buchen. Daneben arbeitet Goldman als Dokumentarfilmer.

Wenn der Dienstleister mit so einer Kamera anrückt, haben Sie einen Profi vor sich. Doch ebenso wichtig sind Konzept und Drehbuch. (Foto: ITespresso)

ITespresso traf Goldmann zum Gespräch am Rande der Messe Digitale Cinematographie in München. Nachfolgend die Zusammenfassung seiner wichtigsten Aussagen und Tipps.

Wann ist ein Video sinnvoll?

Ein Video lohnt sich dann, wenn Text, Ton oder auch Fotos und Grafiken als Medien nicht ausreichen, um die Botschaft zu transportieren. Dann stellt sich auch die Frage, ob man eine Dienstleistung oder ein Produkt hat, die sich sinnvoll als einem Video darstellen lassen. Je greifbarer und konkreter die Produkte und Dienstleistungen sind, desto besser kann man sie auch im Film darstellen.

Eine simple Wahrheit, die leider oft ignoriert wird: Video braucht Bewegung. Wenn sich der Geschäftsführer vor die Kamera stellt und zehn Minuten lang erzählt, wie toll sein Produkt ist, dann bringt das nichts. Das langweilt den Zuschauer nach spätestens 30 Sekunden. In so einem Fall ist ein Audiopodcast besser.

Man muss sich genau überlegen, was man den Zuschauern des Videos gegenüber darstellen will, welche Botschaft man hat. Daraus kann man dann seine Geschichte entwickeln. Man muss sich auch vorher darüber klar werden, was man mit dem Video erreichen will. Oder anders ausgedrückt: Was soll der Zuschauer tun, nachdem er das Video gesehen hat?

Wichtig ist auch vorher zu wissen, wo das Video abgespielt werden soll. Auf der Videoplattform im Web, auf einer Messe, auf dem TV-Bildschirm im Foyer der Firma.

Vom Imagefilm zum Storytelling

Das, was viele unter “Imagefilm” verstehen, ist eigentlich keiner. Zumindest kein guter. Solche Filme fangen meistens mit einer Außenansicht vom Gebäude an, dann sagt der Chef “Herzlich Willkommen” und zeigt zufriedene Mitarbeiter und glückliche Kunden. Das ist für den Zuschauer einfach nicht spannend. Auf diese Weise kommen immer nur diese glattgebügelten Filmchen ohne Aussage und ohne Geschichte raus.

Der klassische Imagefilm folgt ziemlich starren Musten. Da geht es um die Geschichte der Firma, die Leitlinien, die Produkte, die Menschen dahinter. Doch man kann dieses Korsett auch verlassen und eine spannende Geschichte über die Firma erzählen. Aber das muss man sich vorher überlegen. Das hat dann schon viel mit “Storytelling” zu tun und ist eine anspruchsvolle Aufgabe.

“Der Dienstleister sollte ins Haus kommen und sich erst einmal in Ruhe anhören, was der Kunde will.” Martin Goldmann von Redgo.TV. (Foto: ITespresso)

Wie ein guter Dienstleister arbeitet

Ein Video-Dienstleister kann dabei helfen, aus der Grundidee ein vernünftiges Konzept zu entwickeln. Ein engagierter Dienstleister sagt dann auch einmal: “Das hat so keinen Sinn, wir müssen etwas anderes machen.”

Wichtig ist, dass der Dienstleister ins Haus kommt und sich erst einmal in Ruhe anhört, was der Kunde will. Er sollte nicht versuchen, gleich ein fertiges Konzept durchzusetzen. Nach dem Besuch sollte er ein kurzes Exposé anfertigen.

Ist man damit einverstanden, geht es in die Konzeptphase. Da schreibt der Dienstleister ein Treatment, das bereits die komplette Story enthält, aber noch ohne Details und ohne Dialoge. Am Ende steht ein fertiges ausgearbeitetes Drehbuch mit Dialogen und Sprechertexten.

Wenn es schwierig wird, sich über die Bildaussagen zu verständigen, kann man noch ein Storyboard in Bildern anfertigen lassen. Doch das kostet in der Regel extra.

Änderungen am Video

Alle Änderungen sollten in enger Abstimmung zwischen der Firma und den Videomachern erfolgen. Und zwar in allen Phasen der Produktion, von der Konzeptphase über das Drehen bis zur Postproduction. Auch beim Schnitt sollte der Dienstleister den Kunden auf dem Laufenden halten, wenn er wichtige Dinge ändern möchte. Daneben sollte der Dienstleister den Rohschnitt vorführen. Hier lassen sich noch Änderungen bequem einbringen. Ist der Rohschnitt abgesegnet, geht es noch an die Feinarbeit: Farben, Ton, Musik werden passend geschnitten.

Die Grundregel lautet: Der Videoproduzent berät, er bestimmt aber nicht.

Wichtig ist daneben auch, eine Vereinbarung über die Aufführungsrechte zu treffen. Als Unternehmen sollte man sich das alleinige und vor allem das weltweite Aufführungsrecht sichern.

Der Dreh in der Firma

Man sollte vorher überlegen, welche Mitarbeiter vor der Kamera stehen werden und welche nicht. Nicht jeder kommt mit dieser Situation klar. Ich habe schon sehr redegewandte und selbstbewusste Leute vor der Kamera richtig eingehen sehen. Trotzdem sollte man nach Möglichkeit auch Menschen aus dem Unternehmen zeigen – und die Geschichten, die hinter den Menschen stecken.

Wenn das Team in den Firmenräumen dreht, muss man aufpassen, dass nicht Dinge rumliegen, die der Zuschauer nicht sehen sollte. Der “Klassiker” hier ist der Firmenchef vor der Bücherwand, in der ein Buch steht, das überhaupt nicht zur Botschaft passt.

Videoformat und Technik

Bei der Produktion sollte man das bestmögliche HD-Format verwenden. Dann hat man ausreichend Spielraum, um das Werk in allen möglichen Umgebungen vorführen zu können. Selbst Videoplattformen im Web setzen längst auf HD. Der fertige Film wird dann auf Vimeo oder YouTube hochgeladen. Vimeo ist auf anspruchsvolle Videos spezialisiert und deshalb für seriöse Unternehmensvideos eine gute Wahl. Man lädt das Video hoch und bindet den Link auf die eigene Webseite ein.

Das Equipment ist bei den meisten Videoproduzenten kein Problem. Vielleicht sollte man aber im Vorgespräch vorsichtig abklopfen, mit welcher Kamera die Aufnahmen gedreht werden. Und auf welche Ausrüstung der Dienstleister Zugriff hat. Mit einer guten Spiegelreflexkamera kann man schöne Bilder machen und professionelle Videos produzieren.

Es muss nicht immer YouTube sein. Für die Veröffentlichung professioneller Videos ist die Plattform Vimeo eine gute Wahl.

Warum Ton so wichtig ist

Überspitzt ausgedrückt: Der Ton ist fast wichtiger als das Bild. Das Bild kann noch so schön sein, wenn der Ton nichts taugt, taugt auch das Video nichts.

Viele sind auch der Meinung, es müsse unbedingt Musik dabei sein. Die nehmen dann billige GEMA-freie Musik, irgendein flottes Elektronik-Gedudel. Das hört sich fast immer grauenhaft an. Ein gutes Video braucht nicht unbedingt an jeder Stelle Musik. Manche kommen auch ganz ohne Musik aus. Wenn Sie Musik zum Video haben wollen, sollte die passen.

Was oft vergessen wird: Der Film benötigt auch eine Tonspur mit Atmo, also den diffusen Hintergrundgeräuschen, die es in jedem Raum gibt. Die Atmo ist enorm wichtig, weil sie den Bildern erst eine glaubhafte Atmosphäre gibt.

Das Do-it-yourself-Video

Auch wer kein Profi ist, kann mal ausprobieren, wie es ist so ein Video selbst zu drehen. Die Gefahr, sich dabei lächerlich zu machen, ist aber schon vorhanden, deshalb sollte man es vor dem Veröffentlichen verschiedenen Leuten zeigen, um zu sehen, wie es ankommt. Ausprobieren kann man es also, man muss das Video ja nicht veröffentlichen.

Zwei Tipps zum Schluss

Das Video sollte kurz sein. Die berühmten “eine Minute, 30 Sekunden” sind vor allem bei Webvideos ein guter Anhaltspunkt. In 90 Sekunden lässt sich schon eine Menge unterbringen.

Und nicht vergessen: Die Bilder erzählen die Geschichte.