EU untersucht erneut Browser-Auswahl bei Microsoft

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Konkurrenten haben sich beschwert, weil der Konzern das 2010 eingeführte Auswahlfenster in Windows 7 angeblich nicht mehr anbietet. Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia droht mit hohen Strafen, falls sich der Vorwurf bestätigen sollte.

Microsoft-Konkurrenten haben sich bei der EU darüber beschwert, dass der Softwarekonzern die Auswahlmöglichkeit für Browser nicht mehr bereitstellt. Die Wettbewerbskommission habe daraufhin ein formelles Kartellverfahren gegen Microsoft eingeleitet, um den Vorwurf zu prüfen, teilte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia am Dienstag in Brüssel mit. Sollten sie sich bewahrheiten, müsse das Unternehmen aus Redmond mit einer Strafe rechnen.

2009 hatte sich Microsoft mit der Europäischen Union darauf geeinigt, dass Windows-Anwendern verschiedene Browser zur Wahl gestellt werden. Mit dieser Maßnahme sollte verhindert werden, dass Microsoft über die Vormachtstellung bei Betriebssystemen die Verbreitung von Alternativen zum Internet Explorer einschränkt.

Mitte März 2010 hatte Microsoft für Anwender innerhalb der EU dann ein Auswahlfenster in sein Betriebssystem integriert, über das die rund 28 Millionen europäischen Internetnutzer einen alternativen Browser herunterladen und installieren konnten. Zur Auswahl standen damals neben dem Internet Explorer unter anderem Firefox, Opera, Chrome und Safari. Zuvor hatte Microsoft standardmäßig den eigenen Browser auf jedem neuen Windows-Betriebssystem installiert. Darin sahen Konkurrenten einen Verstoß gegen den fairen Wettbewerb.

Die Browser-Auswahlbox hatte Microsoft auf Drängen der EU 2010 in Windows integriert (Bild: Microsoft).
Die Browser-Auswahlbox hatte Microsoft auf Drängen der EU 2010 in Windows integriert (Bild: Microsoft).

Noch im Dezember 2011 soll Microsoft die Kommission darüber in Kenntnis gesetzt haben, dass der Auswahlschirm nach wie vor in Windows integriert ist. In ihrer Beschwerde behaupten die Konkurrenten jedoch, dass er seit dem Update auf Windows 7 verschwunden sei – und das bis heute. Wie Almunia mitteilt, habe Microsoft diese Berichte auch bestätigt.

“Sollte sich diese Missachtung von EU-Recht nachweisen lassen, wird es Sanktionen geben”, erklärte der Wettbewerbskommissar. Zudem drohte er ernste Konsequenzen an, sollte Microsoft die Vereinbarung aus dem Jahr 2009 nicht wieder voll umsetzen. Als Höchststrafe kann die Kommission ein Bußgeld von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen.

Kritik an Microsoft gibt es derzeit nicht nur in der EU. Auch der Rechtsausschuss des US-Senats will sich laut US-Medienberichten mit der Browser-Frage in Windows auseinandersetzen. Die Mozilla Foundation sowie Google hatten sich beschwert, dass Microsoft versuche, in der ARM-Version von Windows 8 konkurrierende Browser auszuschließen. Mozilla berief sich dabei auf eine Ankündigung Microsofts, dass auf Windows RT aus Sicherheits- und Stabilitätsgründen keine Browser von Drittherstellern zugelassen werden. Das erinnere an den sogenannten “Browserkrieg” der Neunzigerjahre, sagte Mozilla-Sprecher Asa Dotzler. Auch hier könnte Microsoft eine Kartelluntersuchung drohen.


[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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