Richard Stallmans Feldzug gegen die Industrie

von Mehmet Toprak 0

Für starke Sprüche wie diesen bekam der Free-Software-Guru regelmäßig Beifall und hatte die Lacher auf seiner Seite. Einen Beifall, den der ein bisschen wie ein Alt-Hippie auftretende Free-Software-Gründer mit einer gewissen Routine zu genießen schien. Es war wohl nicht das erste Mal, dass Richard Stallman sein Publikum mit deftigen Attacken auf Sony und Co unterhielt.

Kritik an E-Books

Auch den zurzeit so viel diskutierten E-Books kann Stallman nicht viel Gutes abgewinnen. Denn E-Books kann man eben in der Regel nicht weitergeben oder verschenken. Stallman forderte seine Zuhörer im Saal geradezu dazu auf, keine E-Books zu kaufen.

Amazons E-Book-Reader Kindle benannte er kurzerhand um in “Swindle”. Er nenne den E-Book-Reader so, weil er die Leser aus ihren Freiheiten “herausschwindle”. So zum Beispiel aus der Freiheit, ein Buch anonym zu kaufen. Das ist bei der Online-Bestellung eines E-Books bei Amazon nicht möglich, denn beim Bestellvorgang muss der Käufer nun mal seine persönlichen Daten angeben.

Auf diese Weise könne Amazon eine gigantische Datenbank aufbauen, in der die Lektüre jedes Kunden verzeichnet sei. Die Existenz einer solchen Datenbank ist für Stallman eine “Bedrohung der Menschenrechte, die wir nicht tolerieren” dürfen.

Außerdem würde Amazon die Freiheit des Käufers, das Buch nach der Lektüre zu verschenken oder zu verkaufen, durch DRM unmöglich machen. Der Anwender besitze das Buch laut Lizenzvertrag gar nicht, es erwerbe mit dem Buch nur das Recht, es zu lesen. Wenn man seine Bücher nicht mehr verleihen oder verschenken könne, dann könne das sogar “Freundschaften töten”.

Free-Software-Aktivist Richard Stallman: “Wir laden Sie ein, der unfreien Software zu entfliehen und mit uns in der freien Welt zu leben, die wir gebaut haben.”

Komfort statt Freiheit

Ganz unschuldig am Siegeszug von Produkten wie dem E-Book-Reader sind die Verbraucher allerdings nicht. Stallman erklärt den Erfolg der Produkte auch mit der Bequemlichkeit der Menschen. Leider würden viele Verbraucher sich für Komfort und Bequemlichkeit statt für Freiheit entscheiden.

Doch nicht nur die Sünden der digitalen Kulturindustrie machte Richard Stallman zum Thema. Schließlich ist der Einsatz für Freie Software die eigentliche Hauptaufgabe des ehemaligen MIT-Programmierers. Stallman beschwert sich darüber, dass GNU in der Öffentlichkeit nur als “kleines Add-on” zu Linux gesehen wird. Seiner Ansicht nach verhält es sich eher umgekehrt. Linux habe nur die letzte Lücke im GNU-Betriebssystem gefüllt.

Für diese Ansicht spricht zumindest die Tatsache, dass Stallman sein Projekt GNU bereits 1983 gestartet hatte. Deshalb legt Richard Stallman auch Wert darauf, dass die entsprechenden Distributionen die Bezeichnung “GNU/Linux” tragen. Wichtig ist für den Free-Software-Pionier auch die Abgrenzung von Open Source. Denn nicht jede Open-Source-Software erlaubt dem Nutzer auch, den Code zu verändern oder weiterzuverbreiten.

Die Veranstaltung endete so wie eine Veranstaltung mit einem Star eben endet. Richard Stallman musste fast eine Stunde lang Autogramme geben, für Fotos lächeln und T-Shirts signieren. Eine Aufgabe, die er mit gut gelaunter Nonchalance erledigte. Schließlich ist das Autogramme schreiben deutlich einfacher als die Massen von den Vorzügen der Free Software zu überzeugen.

Ein ausführliches Interview mit Richard Stallman finden Sie auf ZDNet.

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