Office-Anwendungen: Microsoft schlägt zurück

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Google tritt mit seinen Google Apps verstärkt in ein Marktsegment ein, das vor allem Microsofts Domäne war. Nun aber schlage Microsoft zurück, berichtet das Wall Street Journal über den Kampf der Giganten: Geringere Preise für die Kunden und höhere Kommissionen für die Händler sollen Microsofts Hybrid-Online- und Desktop-Office vor der Google-Gefahr retten.

Der Titel eines Science-Fiction-Films drängt sich dem Wall Street Journal wohl auf, wenn Microsoft gegen Google antritt: “The empire strikes back”. Erstmals habe Microsoft Google Apps offen als Feind dargestellt, berichtet das Finanzmagazin, und gibt dem Kampf zwischen Google und Microsoft um den Office-Markt die epischen Züge des Dramas um “Die dunkle Seite der Macht” (Google) gegen die Guten (Microsoft).

Heute soll Microsoft seine nächste Office-Generation vorstellen. Die neue Variante des Office-Paketes war erstmals im Januar 2012 als Technical Preview an den Handel ausgeliefert worden – die Version 15 soll nun offiziell gezeigt werden.

Office sei die größte “Gewinn-Maschine” Microsofts, die sogar mehr Geld einbringe als Windows, berichtet das WSJ – bis Google kam und mit günstigen Internet-Versionen eines Office-Produktes, den Google Apps, in Microsofts “Revier” eindrang. Microsoft reagierte zunächst mit seinem eigenen “Office 365”, das zu günstigen Preisen die Vorteile des Online- und Offline-Pakete zusammenfassen sollte. Das reichte offenbar nicht, um die Gefahr zu bannen. Als dann auch noch die Reseller in Asien maulten, nicht genug am Online-Office des Software-Riesen zu verdienen, änderte dieser sein Geschäftsgebaren vor Ort.

Wie erwartet, setzt Microsoft es nun auch weltweit um: Das ambitionierte Projekt Office 15 soll die Geschäftskunden zurückgewinnen, die Googles Angeboten anheimgefallen waren. Dazu habe Microsoft ein eigenes “Google compete”-Team aufgestellt, das Microsofts verbleibende Kunden davon abhalten soll, zu Google zu desertieren. Als Beispiel der Microsoft-Rückschlags-Aktionen nennt das Wall Street Journal die Marketingfirma Dominion, die ihre 4000 Angestellten auf Google Apps umgestellt hatte – und den 2-Millionen-Dollar-Jahresvertrag mit Microsoft kündigte (der auch Datenbank-Support umfasste). Als Begründung habe das Unternehmen günstigere Google-Preise (nur 200.000 Dollar im Jahr) und ein “cooleres Produkt” angegeben. Microsoft habe daraufhin den Technikchef von Dominion eingeladen, um ihm gegenüber seine eigenen Office-Produkte zu verteidigen.

Microsoft Office habe zwar noch immer 90 Prozent Markanteil, doch erstmals sehe man an den Reaktionen, dass die Google Apps dem Softwareriesen eine deutlich sichtbare Delle versetzt hätten, fasst das Wall Street Journal die Ereignisse zusammen. Nach Gartner-Zahlen habe Microsoft zwar noch immer den hohen Marktanteil von 90 Prozent des Office-Marktes und damit einen operativen Gewinn von 11,6 Milliarden Dollar in den neun Monaten bis Ende März 2012 erwirtschaftet, müsse aber immer mehr Boden an Google abtreten. Seit Mai gewinne Google ein Drittel bis zur Hälfte aller neuen Geschäftskunden, sagt das gleiche Marktforschungs-Institut, das Microsoft zuvor die 90 Prozent Marktanteil zubilligte.

Auf Anfragen gibt Microsoft-Manager Tim Prash zu: Man sehe Google als ernsthafte Gefahr, aber man beharre auf dem “Geburtsrecht” für Office-Produkte.

Kurzum: Preise für Office 365 fallen und werden nur für diejenigen Anteile des Pakets berechnet, die auch genutzt werden. So könne man schon bei 48 US-Dollar pro Nutzer pro Jahr beginnen, Google starte erst bei 50 Dollar. Händler wiederum bekämen jetzt 23 Prozent Kommission für das erste Jahr Office-Nutzung – Google zahle nur 20 Prozent.

Zudem fielen die für die Kunden “versteckte Kosten” für die Anpassung einiger Dienste an Google weg, fügt Shaw an. “Google ist da draußen unterwegs, um unsere Kunden anzuwerben”, beendet der Microsoft-Mann seine Worte selbstbewusst. Was Micosoft mit dem neuenOffice sonst noch vorhat, wird sich bei der Produktvorstellung heuge Abend noch zeigen.

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