NATO sieht Cyberterrorismus noch nicht als ernsthafte Bedrohung

SicherheitSicherheitsmanagement

Laut Gábor Iklódy, Assistant Secretary General, kann sich das jedoch schnell ändern. Seiner Meinung nach müssen daher heute schon Gegenstrategien entwickelt werden. Dazu sei man auf die Hilfe der Industrie und deren Wissen angewiesen.

NATO-Sprecher Gábor Iklódy

Cyberterrorismus ist zumindest derzeit noch keine echte Bedrohung – vor allem im Vergleich mit dem, was Staaten über Datenverbindungen anrichten können. Das hat der Assistant Secretary General der NATO, Gábor Iklódy, auf der Konferenz National Security 2012 in London gesagt. Er warnte aber auch, dass sich dies “innerhalb von Monaten oder wenigen Jahren” ändern könne.

“Trotz allem wären wir gut beraten, vorauszuplanen und vorauszudenken”, sagte Iklódy, der beim Nordatlantikbündnis für neue Bedrohungen zuständig ist. “Es wäre klug, Strategien gegen Cyber-Terrorangriffe zu entwickeln.” Dazu brauche es aber eine Öffnung, man müsse private Firmen einbeziehen. “Wir brauchen die Industrie, wir brauchen das Wissen, über das sie verfügt.”

Größere Sorgen bereiten ihm nach eigenen Angaben dennoch die Möglichkeiten, die Nationalstaaten durch Netzwerke offenstehen. Dieses Thema beschäftigt den NATO-Offiziellen schon länger: In einem Interview im Febraur 2011 hatte er schon auf diese Gefahr hingewiesen und dabei die Angriffe auf Websites und Netzwerke in Estland 2007 sowie die Attacken auf Einrichtungen der Internetinfrastruktur in Georgien 2008 genannt. Hinter beidem vermuten die Betroffenen russische Organisationen.

Andererseits ist Stuxnet nach Recherchen der New York Times eine gemeinsame Entwicklung der USA und Israels, um das iranische Atomforschungsprogramm zu sabotieren. Von der Malware Flame wird dies ebenfalls geglaubt.

Auf der gleichen Veranstaltung sprach auch James Quinault, der Verantwortliche für Cybersecurity der britischen Regierung. Ihm zufolge sind Cyberverbrechen “einfach viel zu leicht durchzuführen”, was das Vereinigte Königreich jährlich Milliarden Pfund koste. Dennoch versuche die Regierung, eine Balance zwischen Sicherheit auf der einen und Privatsphäre sowie freier Meinungsäußerung auf der anderen Seite zu finden. “Statt um die Kontrolle zu kämpfen, schauen wir uns an, wie wir loslassen können. Wir wollen keine Aufteilung in das Internet dieses und das Internet jenes Landes.”

Auf Nachfrage, ob die geplante Communications Data Bill nicht diese Balance gefährde, sagte Quinault, mit dem Vorschlag versuche man nur, “eine Reihe von Fähigkeiten in einem technisch geprägten Umfeld zu erhalten.” Das vergangenen Monat in Großbritannien vorgestellte, heftig umstrittene Gesetz sieht eine massive Vorratsdatenspeicherung vor. Es sollen zwar keine Inhalte aufgezeichnet werden, aber alle Informationen, wer wann mit wem und auch wo Kontakt hatte.

[mit Material von Tom Brewster, TechWeekEurope]